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"Neo Magazin Royale" "Bauern sind vollkommene Schweine": Jan Böhmermann entzaubert Luther

William Cohn als Martin Luther
William Cohn verkörpert im "Neo Magazin Royale" den Kirchenreformer Martin Luther
© Screenshot Youtube
Das Luther-Jahr ist nun auch im "Neo Magazin Royale" angekommen: Jan Böhmermann hielt dem idealisierten Reformator den wahren Martin Luther entgegen - mit all seinen bösen Aussagen über Juden, Frauen und Bauern.

Mit der Präsentation des Musicals "Luther - Das Projekt der 1000 Stimmen" fanden die Feierlichkeiten zum 500-jährigen Reformationsjubiläum am Dienstag im ZDF einen Höhepunkt. Dort wurde Martin Luther von dem "Reformationsbotschafter" Eckart von Hirschhausen als "ziemlich coole Socke" gefeiert, das Musical war eine einziges Heldenepos auf auf den einstigen Mönch. 

Man muss kein bekennender Atheist sein wie Jan Böhmermann, um diese gänzlich unkritische Würdigung Luthers als problematisch zu empfinden. Und so nutzte der Satiriker den ZDF-Beitrag als Steilvorlage, um das Musical und die Präsentation durch Eckart von Hirschhausen gründlich gegen den Strich zu bürsten.

In Böhmermanns Version wurde der Reformator von William Cohn verkörpert. Der durfte nun all die schrecklichen Dinge sagen, die Martin Luther im Laufe seines Lebens von sich gegeben hat - die in dem Musical jedoch geflissentlich unter den Tisch gefallen sind. 

Etwa seine Aussage über die Unterschiede der Geschlechter: "Gott schuf den Mann mit breiter Brust und schmalen Hüften, damit großzügig Platz für die Weisheit sei. Die Kloake für die Ausscheidungen machte er klein", deklamierte Cohn mit bebender Stimme: "Bei der Frau ist das gerade umgekehrt. Deshalb haben die Frauen viel Ausscheidungen aber wenig Weisheit."

Das war beileibe nicht die einzig unappetitliche Aussage Luthers. "Die Bauern sind heutzutage vollkommene Schweine. Sie sind es nicht wert, Kinder zu haben, sondern nur Säue", sagte er einem ganzen Berufsstand nach.

Jan Böhmermann erinnert an Martin Luthers Antisemitismus

Und natürlich durften auch die abscheulichen Äußerungen über Juden nicht fehlen:  "Darum wisse, du lieber Christ, dass du nächst dem Teufel keinen bittereren, giftigeren, heftigeren Feind hast als einen rechten Juden", teilte Luther 1543 in seiner Schrift "Von den Juden und ihren Lügen" mit. "Kein blutdürstigeres, rachgierigeres Volk hat die Sonne je beschienen."

Unerträgliche Worte, die Luther zu einem der Wegbereiter des modernen Antisemitismus machten. Dies angesichts der Jubelarien des Reformationsjahres noch einmal in Erinnerung gerufen zu haben, ist ein Verdienst Jan Böhmermanns. Der mit dem Beitrag genau das lieferte, was er versprach: "Kein unreflektiertes Abgekulte, wir zeigen Ihnen, was Martin Luther wirklich sagte und dachte.

che

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