HOME

"Neo Magazin Royale": Klamauk statt Kabarett: Jan Böhmermann veralbert Schrowanges Grau-Show

Viel Blödelei, wenig politische Gags: Jan Böhmermann hat sich am Donnerstag mit dem "Neo Magazin Royale" aus der Sommerpause zurückgemeldet - und bei seinem Comeback neue Akzente gesetzt.

Jan Böhmermann im "Neo Magazin Royale"

Ralf Kabelka reißt sich im "Neo Magazin Royale" die Perücke vom Kopf und bringt seine natürlichen Haare zum Vorschein - Jan Böhmermann kämpft mit den Tränen.

Knapp drei Monate dauerte die Sommerpause des "Neo Magazin Royale". Eine Zeit, die Jan Böhmermann nicht leicht gefallen sein wird. Zum einen gilt der Entertainer als jemand, der am liebsten rund um die Uhr auf Sendung wäre.

Zum anderen wurde er während seiner Auszeit hart attackiert. Ein in der "Zeit"  erschienener Artikel lieferte eine wenig schmeichelhafte Zustandsbeschreibung des deutschen Fernseh-Humors. Der sei "belehrend, moralisch, passiv-aggressiv, überheblich, gewollt politisch", heißt es darin. Das zielte auch auf Böhmermann. Der Autor bezeichnete den Moderator des "Neo Magazin Royale" als "hyperaktiven Besserwisser in gutbürgerlicher Tradition, halb Sadist, halb Moralist" und kritisierte ihn für seine "wild gewordene Tugendhaftigkeit". 

Jan Böhmermann umschiffte Politik

Möglicherweise haben diese Worte eine Wirkung gehabt auf den 36-Jährigen. Der hielt sich jedenfalls in seiner ersten Sendung seit Mitte Juni mit politischem Humor zurück. Zwar gab es einen längeren Einspielfilm, in dem sich Böhmermann über die Langeweile des Bundestagswahlkampfs mokierte. So richtig zupacken mochte er bei dem Thema jedoch nicht. Keine eingehende Auseinandersetzung mit der dauerbeleidigten Alice Weidel oder dem notorisch zündelnden Alexander Gauland. Und auch sonst wenige Gags zur aktuellen politischen Lage.

Stattdessen konzentrierte er sich auf andere Themen, die in dieser Woche für Schlagzeilen gesorgt haben. Etwa die Grau-Show von Birgit Schrowange, die sich am vergangenen Montag publikumswirksam die Perücke vom Kopf zog und sich mit schlohweißem Haar präsentierte. Das sei für ihn "der emotionalste 11. September aller Zeiten" gewesen, so Böhmermann. "Ich werde nie vergessen wo ich war, als Birgit Schrowange der geschockten Welt ihre echte Haarfarbe gezeigt hat."

Parodie auf Birgit Schrowange

Damit war das Thema noch nicht durch. Der eigentlich leicht ergraute Sidekick Ralf Kabelka war im Studio mit schwarzer Haarpracht erschienen - und thematisierte diesen Umstand. Im Geständnis-Ton säuselte er.: "Ich finde, das Versteckspiel muss endlich ein Ende haben." Und bekannte: "Ich trage eine Perücke". Das ZDF verlange dies von ihm, doch er wolle das nicht mehr. "Das bin einfach nicht mehr ich."

Zum Video der Sendung

Zu dramatischer Musik riss er sich die Perücke vom Kopf und entblößte sein graues Haupthaar - während ihn das Publikum mit Standing Ovations feierte. Böhmermann kämpfte währenddessen mit Tränen der Rührung. Eine gelungene Parodie auf die in vielen TV-Shows künstlich erzeugte Emotionalität. Und eine nette Abwechslung angesichts des derzeitigen medialen Dauerfeuers an "Wahlarenen", "Kanzlerduellen" und sonstigen politischen Talkformaten."

"Irgendwann hat sich in Deutschland das Missverständnis durchgesetzt, man müsse etwas nur als politisch deklarieren, und schon sei man enthoben von der Pflicht zu unterhalten", bilanzierte besagter "Zeit"-Artikel. Rundum gelungen war Böhmermanns Comeback nach der Sommerpause zwar nicht - aber er scheint sich auf den Weg gemacht zu haben. Die Richtung stimmte schon mal.

Zehn Geheimnisse des Entertainers : Als Böhmermann nackt mit Merkel im Bett war


che