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ZDF Magazine Royale Jan Böhmermann zurück aus der Sommerpause – wenn der Kinderchor "Sodomie" und "Scheiße" singt

Jan Böhmermann
Jan Böhmermann lässt Kinderchor auftreten und kümmert sich um Zoonosen.
© Christophe Gateau / DPA
Im "ZDF Magazin Royale" ging es diesmal tierisch zu. Jan Böhmermann hat sich den Zoonosen gewidmet – spätestens seit der Corona-Pandemie kennen wir ihre Auswirkungen. Der Auftritt eines Kinderchrors hat Shitstorm-Potential.

2019 sorgte Jan Böhmermann mit dem Kinderlied "Meine Oma ist ne alte Umweltsau" für einen Skandal. Gut möglich, dass der neuste Ohrwurm von Jan Zookowski und seinen Freunde "Lass das Gürteltier in Ruhe!" ähnliches erreichen wird. Immerhin spielte Jan Böhmermann über drei Minuten seltsame Akkorde mit einem sehr präsenten Mittelfinger und ließ den Kinderchor "Scheiße" und "Sodomie" singen. 

Das Thema des Songs hat aber, genau wie die in Klimafragen teilweise sorglose Großelterngeneration, einen wichtigen Hintergrund. Im "ZDF Magazin Royale" drehte sich heute alles um "das wichtigste Thema des 21. Jahrhunderts", so Böhmermann. Genauer ging es um Zoonosen, Krankheiten die zwischen Tieren und Menschen übertragen werden und die Frage, wieso so etwas passieren kann.

Jan Böhmermann widmet sich den Zoonosen

"Eigentlich", so Böhmermann, hätte man das Thema "diesen Sommer eigentlich ignorieren" wollen, aber die Affenpocken sind halt nach Corona nun das neue große Ding. "Tiere machen nichts als Ärger", schüttelte der Moderator den Kopf, obwohl natürlich klar ist, dass der Mensch der treibende Faktor hinter den Zoonosen ist. Zahlreiche, in ihrer Unappetitlichkeit nicht zu rankende Videos von Menschen die ihre Hunde abschlecken, den Finger von Schimpansen in den Mund stecken oder Urin aus Kühen abzapfen, wurde eingeblendet. Gemeinsamer Faktor all dieser Begebenheiten: Menschen und ihr merkwürdiges Verhalten bezüglich Tieren. 

Einer der Gründe für Zoonosen: Der unstillbare Hunger von Menschen nach Fleisch. Tatsächlich war diese Folge vom "ZDF Magazin Royale" ein Fest für alle Vegetarier:innen und Veganer:innen, die zumindest laut Speiseplan bei diesem Thema außen vor sind. Massentierhaltung oder die Abholzung des Regenwaldes für den Futtermittelanbau, all das sorgt dafür, dass Tiere, die bisher unbehelligt von Menschen leben konnten, nun mit ihnen in Kontakt kommen und Krankheiten verbreiten. Das ist nicht neu, das Wissen darüber führt nur zu keinem Umdenken. "Wir müssen endlich aufhören Fleisch zu essen", appellierte Böhmermann.

Umweltsau, Klimawandel, Rassismus und Schwulenhass

Genauso dringend sollten wir aber auch aufhören dem irritierenden Wunsch nach möglichst außergewöhnlichen Haustieren nachzugehen. "Wilde Tiere sind einfach ein Thrill", kommentierte der Moderator den Wunsch nach Haustieren fern von Hund und Katze. Nur weil es auch in Deutschland möglich ist sich Streifenhörnchen, Waschbären oder Echsen zu kaufen, sollte das niemand in die Tat umsetzen. Denn jedes dieser Tiere kann, potentiell, Krankheiten übertragen und Zoonosen auslösen. Um darauf gezielt aufmerksam zu machen, traten Jan Zookowski und seine Freunde auf und sangen über die Verbote Fledermäuse zu küssen.

Böhmermann wäre nicht Böhmermann, würde er nicht zum Rundumschlag ansetzen und nebenbei die Umweltsau auch noch mit ins Visier zu nehmen. Denn natürlich ist der Klimawandel auch für Zoonosen ein echtes Problem. "Zika, Dengue, Malaria", all das könnte auch bald in Deutschland Realität werden. "Es ist irgendwie belastend", fand der ZDF-Host. Viel belastender: Dass nach wie vor Minderheiten die Schuld an verschiedenen Krankheiten gegeben wird. Ob Aids oder Affenpocken, Homosexuelle rücken bei diesen Krankheiten in den Fokus, auch wenn sich jeder damit anstecken kann. Die Vorurteile aus den 80er Jahren halten sich hartnäckig, ebenso wie die aus 2020, dass Asiaten Schuld an Corona hätten. Unsere Gesellschaft entwickelt sich auf der Suche nach den Auslösern für Pandemien und Endemien leider kein Stück weiter, die rassistischen und schwulenfeindlichen Anschuldigungen ändern sich nicht.

Song mit Ohrwurm-Potential

"Es ist belastend", sagte Böhmermann und meinte damit das erschlagende Wissen über Zoonosen und das limitierte Handeln in Verbindung damit. Es ist aber wahrlich belastend all diese Informationen zu haben und die Möglichkeiten anders zu handeln, anders zu leben, und das ungenutzt verstreichen zu lassen.

"Lass das Gürteltier in Ruhe, lass den Bonobo im Wald, küsse keine Fledermäuse denn sonst sterben alle bald. Lecke bitte nicht an Füchsen, nasche nicht vom Nasenbär, halte nicht zu viele Schweine, hey das ist doch gar nicht schwer", sagen Jan Böhmermann und der Kinderchor. Vermutlich wird dieser Song in den nächsten Tagen hunderttausendfach gestreamt werden, er prägt sich ja auch fast so schön ein wie diverse andere Kinderlieder. Besser wäre natürlich, ihm entsprechend zu handeln. An Nasenbären werden wohl die wenigsten von uns naschen, aber ein wichtiger und machbarer Schritt in die richtige Richtung wäre es, das mit dem Tiere essen im großen Stil endlich sein zu lassen. Sicherlich belastend für manche, klar, aber das sind Zoonosen und Pandemien tatsächlich auch.

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