VG-Wort Pixel

Serienkiller "Harsch und rücksichtslos": Opferfamilien kritisieren Produzenten der Netflix-Serie "Dahmer"

Jeffrey Dahmer in der Netflix-Serie "Dahmer"
Jeffrey Dahmer (Evan Peters) in der Netflix-Serie "Dahmer"
© Netflix
Die Netflix-Serie "Dahmer" über den Serienkiller Jeffrey Dahmer fasziniert viele Zuschauer. Die Hinterbliebenen seiner Opfer fühlen sich von den Machern der Serie allerdings schlecht behandelt und "retraumatisiert".

Jeffrey Dahmer gilt als einer der weltweit bekanntesten Serienmördern des 20. Jahrhunderts: Zwischen 1978 und 1991 tötete er mindestens 16 junge Männer und Jugendliche in der US-amerikanischen Stadt Milwaukee. Dahmer lockte seine Opfer in seine Wohnung, betäubte und missbrauchte sie, bevor er sie ermordete und danach ihre Leichen schändete. Teilweise kannibalisierte er sie sogar. Dahmer wurde zu 16 Mal lebenslänglich verurteilt, im Gefängnis wurde er im Alter von 34 Jahren von einem anderen Häftling getötet.

Die neue Netflix-Serie "Dahmer" zeigt das Leben und die Verbrechen des Serienkillers. Dabei geht es nicht nur um den Täter, sondern teilweise auch um die Opfer und ihre Angehörigen. Dazu gehörte auch Rita Isbell, die Schwester des Mordopfers Errol Lindsey. Sie machte vor Gericht eine emotionale Zeugenaussage, die auch in der Serie vorkommt. Doch Isbell ist mit der Darstellung unzufrieden und kritisiert die Serienmacher scharf.

Netflix-Serie über Jeffrey Dahmer war mit Opferfamilien nicht abgestimmt

Sie warf den Drehbuchautoren und Netflix mangelnden Respekt vor, weil sie nie den Kontakt zu den Opferfamilien gesucht hätten. "Ich wurde nie wegen der Serie kontaktiert", schrieb sie in einem Essay für "Insider". "Ich habe das Gefühl, Netflix hätte uns fragen sollen, ob wir ein Problem damit haben oder wie es uns damit geht. Sie haben uns nichts gefragt, sie haben es einfach gemacht."

Sie könnte darüber hinwegsehen, hätte es von Seiten der Produktion irgendeine finanzielle Kompensation für die Opferfamilien gegeben, so Isbell: "Dann hätte es sich nicht so harsch und rücksichtslos angefühlt." Offenbar gab es allerdings keine finanzielle Beteiligung der Hinterbliebenen. Ein "gieriges" Vorgehen, wie Isbell findet: "Es ist traurig, dass sie einfach Geld mit dieser Tragödie machen." Isbells Bruder wurde 1991 im Alter von 19 Jahren von Jeffrey Dahmer mit Schlaftabletten betäubt und anschließend mit einem Lederriemen erwürgt. Später zerstückelte der Serienmörder die Leiche und filmte sich dabei.

DAHMER – Monster: Die Geschichte von Jeffrey Dahmer

Auch Isbells Cousin Eric Perry kritisierte die Netflix-Show auf Twitter. "Ich sage niemanden, was er sich anschauen soll. Ich weiß, dass True-Crime riesig ist, aber wenn ihr euch wirklich für die Opfer interessiert, meine Familie (die Isbells) ist wütend auf diese Serie", twitterte Perry. "Sie wird immer wieder retraumatisiert – und wofür? Wie viele Filme/Serien/Dokumentationen brauchen wir?“ Auch er bemängelte, dass es weder eine Absprache mit den Familien der Opfer noch eine Bezahlung gegeben habe. Die Hinterbliebenen hätten nicht einmal gewusst, dass eine Serie über Jeffrey Dahmer produziert wurde: "Meine Familie wurde von der Serie informiert, als alle anderen es auch wurden."

Quellen: "Insider" / Eric Perry auf Twitter

Mehr zum Thema

Newsticker