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True Crime Jeffrey Dahmer: Was an der Netflix-Serie "Dahmer" wahr ist – und was Fiktion

Jeffrey Dahmer in der Netflix-Serie "Dahmer". Die Serie ist nicht überall komplett realitätsnah.
Jeffrey Dahmer in der Netflix-Serie "Dahmer". Die Serie ist nicht überall komplett realitätsnah.
© Netflix
Die Netflix-Serie um Jeffrey Dahmer gehört aktuell zu den meistgesehenen Serien in Deutschland. Offiziell beruht sie "auf wahren Gegebenheiten". Aber wie viel ist wirklich echt an der Serie?

Ein Serienmörder ermordet in kurzer Zeit 17 Menschen, entwischt dabei mehrfach der Polizei und lebt bis zur Verhaftung vollkommen unentdeckt in einem Appartment-Haus: Die Netflix-Serie "Dahmer" will uns genau das weismachen – aber kann das wirklich stimmen? Wir zeigen die wirklich wahren Begebenheiten und die filmischen Ausschmückungen.

Wer war Jeffrey Dahmer?

Dahmer ist keine fiktionale Figur. Er ist tatsächlich einer der berüchtigtsten Serienmörder aus den USA. Dahmer wurde 1960 in Milwaukee geboren. Seine Kindheit war wie in der Serie schwierig: Die Mutter hatte psychische Probleme, der Vater konzentrierte sich auf die Karriere und hatte ebenfalls keine Zeit für Jeffrey. Nach der Geburt seines Bruders trennten sich seine Eltern schließlich, Jeffrey reagierte darauf mit gewalttätigen Handlungen im angrenzenden Wald.

In der Jugend entdeckte Dahmer seine Homosexualität und ebenfalls gewaltbesessene Sexfantasien, die sich zur Nekrophilie steigerten. In der Highschool wurde er einerseits durch Alkohol- und Drogenmissbrauch auffällig, verhielt sich auf der anderen Seite gegenüber Erwachsenen aber zum Teil vorbildlich. Unter anderem konnte er für seine Klasse sogar eine Führung durch das Büro des Vizepräsidenten der USA organisieren.

Wie in der Serie geht es danach in seiner Biografie weiter: Dahmer schreibt sich zunächst in der Ohio State University ein, besucht dort aber kaum Kurse. Nachdem er aus dem Studium fliegt, drängt ihn sein Vater zu einer Ausbildung beim Militär. Dort fällt er erneut mit Drogen und Alkohol auf. 

Im Alter von 20 Jahren zieht Dahmer nach Miami Beach, kann dort aber seine Miete nicht mehr bezahlen und zieht daher zurück zu seinem Vater nach Ohio, ein weiteres Jahr später zu seiner Großmutter.

Wurde Dahmer wirklich durch seine Nachbarin Glenda Cleveland enttarnt?

In der Serie wird Dahmer verhaftet, weil seine Nachbarin Glenda Cleveland wegen des impertinenten Geruchs aus dem Belüftungsschacht im Apartment nebenan immer wieder interveniert.

In der Realität kann das nicht passiert sein, denn Glenda Cleveland lebte in einem komplett anderen Gebäude. Direkt neben Dahmer lebte in der Realität seine Nachbarin Pamela Bass, die später tatsächlich davon berichtete, dass Dahmer Sandwiches mit Fleisch verteilt habe.

Cleveland half allerdings ebenfalls bei der Aufklärung der Verbrechen, da sie die Polizei anrief, als sie Konerak Sinthasomphone auf der Straße antraf. Die Serie vermischt beide Personen zu einem Charakter.

Griff Dahmer einen Jogger an?

Diese Szene stimmt nur halb: Der echte Dahmer gab in seinen Vernehmungen an, dass er tatsächlich schon früh vorhatte, einen Jogger in der Nähe seines Hauses anzugreifen. In der Serie legt er sich tatsächlich mit einem Baseball-Schläger auf die Lauer und bringt den Jogger schließlich zu sich nach Hause. In der Realität hat diese Tat wohl nie stattgefunden, die Serie schmückt die Fantasie von Dahmer aus.

Schickten Polizisten ein Opfer zurück zu Dahmer?

In der Serie wurde der junge Konerak Sinthasomphone außerhalb des Hauses von Nachbarn und der Polizei aufgegriffen. Dahmer schaffte es in der Situation, die Polizisten davon zu überzeugen, dass Sinthasomphone bereits volljährig und nur betrunken sei. Die Beamten hakten nicht weiter nach und funkten an die Zentrale, sie müssten "entlaust" werden.

Dieser Vorfall ist tatsächlich so passiert. Beide Beamte wurden wie in "Dahmer" zunächst gefeuert, später aber durch ein Urteil wieder in den Polizeidienst versetzt und konnten dort lange Karriere machen.

Ebenfalls stimmt, dass Dahmer vor Konerak Sinthasomphone bereits dessen Bruder belästigt hatte, allerdings keinen Zusammenhang zwischen den Opfern hergestellt hatte. Im Unterschied zur Serie gab Dahmer allerdings an, Konerak Sinthasomphone in der "Grand Avenue Mall" und nicht vor einem Alkohol-Laden kennengelernt zu haben.

Wurde Dahmer nach der Verurteilung wirklich im Fernsehen interviewt?

Ein Moment in der Serie zeigt, wie der bereits verurteilte Dahmer gemeinsam mit seinem Vater im Fernsehen auftritt. Es gibt sogar Streit mit den Opferfamilien um mögliche Tantiemen und die Verteilung der Einnahmen.

So absurd es auch klingt, einen Gefängnisinsassen zum TV-Interview zu bitten: Tatsächlich passierte genau das etliche Male. Unter anderem wurde Dahmer selbst 1993 in der TV-Show "Inside Edition" 30 Minuten lang interviewt. Sein Vater trat zudem in der "Oprah Winfrey Show" auf.

Wollte Dahmer wirklich eine Lobotomie umsetzen?

In der Serie wird gezeigt, wie Dahmer mit einer Bohrmaschine bei einem seiner Opfer eine Lobotomie versucht haben soll – also eine OP am offenen Gehirn.

Der "echte" Dahmer gestand diese Tat tatsächlich, nachdem ein Gerichtsmediziner bei vier Opfern auffällige Schädel- und Hirnverletzungen festgestellt hatte. Dahmer gab an, ihnen Löcher in die Schädel gebohrt und Salzsäure oder heißes Wasser injiziert zu haben.

Das Ziel der grausamen Experimente: Die Opfer sollten ihm dadurch als willenlose Sexsklaven gehören. Letztlich überlebte keines seiner Opfer die OP.

Sezierte Dahmer wirklich gemeinsam mit seinem Vater Tiere?

Einer der Hauptstränge in der Serie ist das gemeinsame Sezieren von toten Tieren mit seinem Vater in der Jugend von Dahmer. Tatsächlich begann Jeffrey Dahmer nach einem Umzug der Familie in eine ländliche Gegend im Alter von acht Jahren, zunächst kleinere tote Tiere zu sammeln und zum Teil in Formaldehyd einzulegen.

Ungefähr zwei Jahre später fragte Dahmer seinen Vater, was passieren würde, wenn man Geflügelknochen in Bleiche legen würde. Vom wissenschaftlichen Interesse seines Sohns begeistert, sammelte sein Vater Lionel daraufhin tatsächlich zusammen mit Jeffrey Dahmer tote Tiere.

Warum musste Dahmer ins Gefängnis und nicht in eine Klinik?

In der Verhandlung traten mehrere Gutachter auf, die zu Dahmers Geisteszustand unterschiedliche Aussagen machten. So vertraten mehrere Gutachter der Verteidigung die These, dass Dahmer nicht zurechnungsfähig gewesen sei. Die Gutachter der Staatsanwaltschaft widersprachen dieser These einstimmig, stimmten aber einer Borderline-Diagnose zu.

Letzten Endes entschied die Jury mit zehn zu zwei Stimmen, dass Dahmer bei seinen Taten zurechnungsfähig gewesen sei – damit musste Dahmer ins Gefängnis.

Quellen: Netflix, "The Oprah Winfrey Show", "Milwaukee Journal", Wikipedia

tvm

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