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Kerner bei Sat1: Die Geschmacksgrenze des JBK

Weniger seichte Plaudereien, mehr Einspieler und Themen, "die die Menschen emotionalisieren" - Johannes B. Kerner und sein neuer Arbeitgeber Sat1 haben in Hamburg den neuen "Kerner"-Talk vorgestellt. Einen Talk ohne Grenzen - höchstens im Geschmack.

Johannes B. Kerner will mit seiner neuen Sendung "Kerner" bei Sat1 mehr Magazin und weniger Talkrunde sein. "Wir planen ein journalistisches, unterhaltsames Format. Es wird keine seichte Plauderei mit Prominenten", sagte der 44-Jährige am Montag in Hamburg. In der Sendung, die ab 2. November jeweils montags von 21.15 Uhr bis 23 Uhr läuft, werde es eine Mischung aus Filmbeiträgen und Gesprächen geben, "auf jeden Fall mehr Einspieler als zuletzt", sagte Kerner. Das Ganze werde insgesamt journalistischer sein als seine ZDF-Sendung "Johannes B. Kerner": "Es könnte schon sein, dass es eine Hinwendung zum stärkeren Nachfragen gibt."

Kerner hatte Anfang Oktober nach zwölf Jahren seine letzte Talksendung für das ZDF präsentiert und ist zum Privatsender Sat1 gewechselt. Dort wird er am 21. Oktober seinen Einstand geben, allerdings nicht als Talker, sondern als Fußballexperte beim Champions-League-Spiel Bordeaux gegen Bayern München. "Es ist schön, dass ich in Bordeaux starte. Dort habe ich 1996 den Uefa-Cup-Gewinn der Bayern miterlebt - auch bei Sat1. Wir hatten sehr viel Spaß, auch mit den Spielern damals." Der Sender habe mit der Champions League ein Programm-Highlight. "Damit kann Sat1 auch die Marke 'ran' wieder stark machen."

Überhaupt ist die Person Kerner ein wichtiger Baustein in der "Revitalisierung" des Senders, wie Geschäftsführer Guido Bolten das nennt. Er ist seit Anfang des Jahres im Amt und will Sat1 zu mehr Informations- und Magazinkompetenz verhelfen. "Wir müssen der 'Talk of the town' sein. Da ist zuletzt wenig Neues passiert." Auch für Abendshows ist Kerner als Zugpferd gefragt. Sein Jahresrückblick, bisher beim ZDF ein Quotengarant, wird am 2. Dezember für Sat1 aufgezeichnet; ein Sendetermin ist noch offen.

"Die Soziale Deprivation wird es bei mir nicht geben"

Doch zur neuen Ausrichtung gehört nicht, dass "Kerner" zu einem Boulevardmagazin wird, wie der Moderator betont. "Bei den Themen der Sendung gibt es keine Grenze, außer der Geschmacksgrenze. Da bleibe ich mir treu. Ich werde nicht ausloten, wie die 'Verkehrspreise' an der tschechischen Grenze sind, das können andere machen." Vielmehr wolle er Themen bringen, "die die Menschen emotionalisieren". Dazu kann Politisches ebenso gehören wie Vermischtes und Servicethemen für Verbraucher. "Die Soziale Deprivation", also das Eintauchen in das Intim-Private, "wird es bei mir nicht geben".

Das Motto laute: "Das ist die Sendung, mit der die Woche startet (...) und bei der die Gefahr besteht, am Dienstag nicht mitreden zu können", sagte Kerner. Prominente spielten auch eine Rolle. "Aber nur, wenn sie eine spannende Geschichte zu erzählen haben."

Auch die sogenannte Cross-Promotion von Promis, die eine Talksendung nutzen, um ein Buch, eine CD oder einen Film zu bewerben, will er eindämmen. "Da bin ich ganz auf der Seite der Zuschauer. Werbung in diesem Sinne wird es nur geben, wenn es die Geschichte erlaubt." Wenn beispielsweise ein Film über DDR-Flüchtlinge wie kürzlich "Böseckendorf - Die Nacht, in der ein Dorf verschwand" anstehe, dann wäre es reizvoll, dazu nicht nur die Schauspieler, sondern tatsächlich Betroffene einzuladen.

Die Sendung wird weiterhin in Hamburg produziert; bis Ende des Jahres im Studio Hamburg, ab 2010 in den angestammten Kerner-Studios am Rothenbaum. Seine Redaktion habe er komplett beibehalten. Zu jeder Show ewarte er 130 bis 140 Zuschauer im Studio. "Die ersten ein, zwei Sendungen werden wir wohl aufzeichnen, danach soll die Sendung aber immer live laufen."

kmi/DPA / DPA