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Kühn kuckt - die TV-Kolumne: Brief ans Christkind

Ach, unser Fernsehen. Was könnte man da alles verbessern. Aber auf uns Zuschauer hören die Sender ja nicht. Vielleicht kann der Himmel helfen! Ein Wunschzettel von stern-Redakteur Alexander Kühn.

Liebes Christkind,
sag, ist es schon zu spät? Oder darf ich mir rasch noch etwas wünschen? Ich wünsche mir, dass Oliver Pocher "Wetten, dass...?" übernimmt und Stefan Raab den "Musikantenstadl" und dass "Verstehen Sie Spaß?" wieder Spaß macht; ich wünsche mir, dass die Lispelmoderatorin Katja Burkard von RTL einen Termin beim Logopäden bekommt und Hella von Sinnen von Sat 1 einen Maulkorb und dass das Wetter nie so schlecht sein möge wie die Moderationen von Jörg Kachelmann; ich wünsche mir, dass Helge Schneider den biederen Rolf Schimpf als "Der Alte" beerbt, dass Götz George nicht mehr so tun muss, als wäre Schimanski Mitte zwanzig, und dass Peter Lustig aus dem Ruhestand zurückkehrt.

Ich wünsche mir bei Shows ein Mitklatsch-Verbot für die Zuschauer im Studio, besonders dann, wenn sie zu Rocksongs auf Eins und Drei klatschen; ich wünsche mir, dass die Alpen aus Umweltschutzgründen für unbegehbar erklärt werden, so dass die ARD nicht mehr ihre schlimmen Freitagabend-Heimatfilme mit Christine Neubauer drehen kann; ich wünsche mir lebenslänglich für Richterin Barbara Salesch und Richter Alexander Hold und einen Modeberater für die Deko-Tonne Tine Wittler; ich wünsche mir, dass die Produktionsfirma teamWorx in einem monumentalen zehnstündigen Event-Movie mit Heino Ferch, Benno Fürmann, Bettina Zimmermann, Felicitas Woll und Maria Furtwängler sämtliche noch nicht filmisch aufgearbeiteten Epochen der Menschheitsgeschichte verwurstet, von der Steinzeit bis zu Kanzlerin Merkel - und hernach verspricht, uns künftig mit Zeitgeschichte zu verschonen.

Ich wünsche mir, dass der Hosenträger-Blog des "Spiegel"-Kulturchefs nicht mehr nur online zu goutieren ist, sondern dass er am Fun-Freitag auf Sat 1 läuft, damit die ganze Nation darüber lachen kann; und ich wünsche mir, dass die nächsten Einbrecher, die Dieter Bohlen heimsuchen, ihn nur dann mit dem Leben davonkommen lassen, wenn er bei seinem kleinen Dieter schwört, dass "Deutschland sucht den Superstar" nicht fortgesetzt wird. Verdammt noch mal, Christkind, das ist doch nicht zu viel verlangt!

Herzlichst
Franz Josef Wag... äh, dein Alexander Kühn