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Kühn kuckt - die TV-Kolumne: Die Gefühlsmaschine

Dieter Thomas Heck ist ein Zauberer. Er macht, dass es Weihnachten wird. Oder Silvester. Wie auf Knopfdruck. Eine Würdigung von stern-Redakteur Alexander Kühn.

Es ist ja noch ein Weilchen hin bis zum Christfest, doch bei Dieter Thomas Heck brennt schon jetzt der Baum. In den Läden liegt ein druckfrisches Buch aus, "Weihnachtsgeschichten für Millionen", mit Texten von Andersen, Fallada und Selma Lagerlöf; vor rotem Hintergrund schaut ein weichgezeichneter Dieter Thomas Heck versonnen in die Ferne, den Mund zu einem angedeuteten kindlichen Staunen geöffnet, den linken Zeigefinger am Kinn. Das ist ja die große Gabe des Dieter Thomas Heck: jegliche Stimmung auf Knopfdruck herzustellen.

So feierte er im Mai bereits Silvester, bei mehr als 30 Grad zeichnete er die große bunte Show auf, die das ZDF am 31. Dezember senden wird, mit Luftschlangen, Polonaise und fröhlichen Menschen, mit Karel Gott, den Flippers und dem Fernsehballett, die er mit seinem Trompetenorgan anpries wie die Händler auf dem Fischmarkt ihre ollen Aale. Wenn Heck es will, wird es Silvester. Oder Weihnachten. Wahrscheinlich könnte er es per Willenskraft auch schneien lassen. Falls erwünscht, würde Heck sogar ein Ei legen, damit's den Zuschauern in den Wohnstuben österlich zumute wird.

Heck hat stets eine Geschichte

Jüngst moderierte Heck eine große Gala, mit sanften Worten öffnete er die Herzen der Menschen, um mit seiner goldkettchenbehangenen Hand tief in deren Taschen zu greifen; so kamen zwei Millionen Euro für die Welthungerhilfe zusammen. Die Menschen vertrauen Heck. Weil er stets offen war. Weil er sie über Jahrzehnte teilhaben ließ an Freud und Leid im Leben des DTH, des ehedem stotternden Jungen, der erst Autoverkäufer war und dann von Peter Frankenfeld fürs Showgeschäft entdeckt wurde. Wenn Journalisten nichts zu schreiben wussten: Heck hatte stets eine Geschichte. Sein totes Hausschwein. Sein Hund, der den Bürgermeister biss. Seine Verjüngungsspritzen, die ihn knackiger machen.

Die Nation wohnt DTH mit feuchten Augen bei

Zuletzt sein Entschluss, nach 44 Jahren und täglich 60 Zigaretten mit dem Rauchen aufzuhören - und die Erkenntnis, dass die Küsse seines weiterrauchenden Hildchens plötzlich nach Aschenbecher schmecken. An diesem Sonntag wird DTH im ZDF zur besten Sendezeit "Melodien für Millionen" präsentieren und dabei wieder Menschen zusammenführen, die durch Krieg oder Vertreibung getrennt wurden oder sich sonst wie aus den Augen verloren hatten. Die Nation wird dem beiwohnen, mit pochendem Puls und feuchten Augen. Weil Dieter Thomas Heck es so will.