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TV-Kritik

"Let's Dance": Ran an die Backen: Jetzt wird's schlüpfrig

Zwei Mal hintereinander 30 Punkte für Sarah Lombardi - Rekord! Das ist auch schon die einzige gute Nachricht. RTL hat Mühe, die obligatorischen drei Stunden Sendezeit zu füllen.

Von Marie von den Benken

Alessandra Meyer-Wölden und Sergiu Luca auf der Tanzfläche

Alessandra Meyer-Wölden und Sergiu Luca fliegen gemeinsam davon

Was für eine Woche. Erst bricht das Herz des Wendlers, weil er bei "Let's Dance" rausfliegt, dann bricht GNTM-Favoritin Kim mit ihrem Honey und zu guter Letzt bricht sich Victoria Swarovski eine Rippe. Der einzige Unterschied zwischen den dreien ist: Victoria wollen die Leute sehen. Also quält sie sich auf das Parkett und landet (so viel schon mal vorweg) eine 30. 30 Punkte, sogar der Fanliebling Ulli Potowski kommt nur auf 29. Allerdings in allen vorherigen sechs Shows zusammen.

Ich mag bei Gemüse am liebsten Erbsen und Sylvie Meis

In einem Traum in Orange schwebt Sylvie Meis auf die Bühne. Sie erklärt, sie trage es zu Ehren des Königstages in Holland. Ihr Moderationspartner Daniel Hartwich fühlt sich eher an die niederländische Nationalelf erinnert und stimmt mit dem Publikum "Ohne Holland fahr'n wir zur EM" an. Schnell wird klar: Sylvie Meis spricht deutlich besser Deutsch, als Daniel Hartwich singt. Und dann wird getanzt:

1. Nastassja Kinski. Bei ihrer Samba zu Harry Belafontes "Matilda" glänzt ihr blaurotgelbes glitzerndes Minikleid am meisten. Darin sieht sie zwar aus wie ein langhaariges Supergirl, tanzt aber weiterhin wie ein Autobot auf Valium. Harry Belafonte hat Zeit seines Lebens für Menschenrechte gekämpft. Der RTL Charmebeauftragte Joachim Llambi, der Mann mit der Empathie einer Planierwalze, darf aber trotzdem weiter Urteile über andere fällen. Er gibt drei Punkte. Kinski ist enttäuscht. So unterschiedlich sind die Wahrnehmungen. Drei Punkte bei "Let's Dance" ist zu wenig. Drei Punkte in Flensburg ist zu viel. Und drei Punkte für den HSV ist eine Utopie.

2. Ulli Potowski. Startet den Tanz aus einem Krankenbett. Schöne Idee, liegt er doch mit seiner Leistung bereits seit der ersten Folge jurytechnisch auf der Intensivstation. Auch diese Woche manövriert er seinen zum Tanzen geborenen Körper wieder neben seiner Partnerin her wie eine Gazelle. Aus Beton.

3. Alessandra Meyer-Wölden. Hat immer noch nicht angefangen, mehr als fünf Kalorien am Tag zu sich zu nehmen. Sie tanzt barfuß einen Contemporary.

4. Eric Stehfest. Sein Jive ist nahe an der Perfektion. Hatte er unter der Woche noch einem Boulevardblatt gebeichtet, lange schizophren gewesen zu sein und sich stundenlang mit einem alten Mann im Spiegel unterhalten zu haben, ist der alte Mann dieses Mal nur Joachim Llambi, der Peter Zwegat der Tanzjuroren. Die erste Zehn des Abends fällt.

5. Julius Brink. Es wird schlüpfrig. Erst beschwert sich Tanzpartnerin Ekaterina Leonova, er solle ihr mal richtig an die Backen fassen. Dann sieht Motsi Mabuse eine "super Leck Action" (oder war hier Leg Action gemeint?). Jorge Gonzáles säuselt "Jualito seeh gudd gefahlle deinah Hufte habbe ich alle gesähä". Und abschließend findet Llambi, es war "obenrum ziemlich hart". So viel knisternde Erotik gibt es sonst nicht mal bei "Bauer sucht Frau".

6. Jana Pallaske. Eröffnet ihre Samba mit einem Überraschungs-Coup: Ein 1,20 Meter großer Gasttänzer rockt mit ihr die Bühne. Im ersten Moment geht ein Raunen durch das Publikum: Oliver Pocher tanzt auch mit? Es ist aber nur der fantastische elfjährige David.

7. Sarah Lombardi. Ihre Angst, nach den sensationellen 30 Punkten aus der Vorwoche dieses Mal nicht nachlegen zu können, bleibt unbegründet. Ihr Paso Doble reißt die Zuschauer wieder von den Sitzen. Motsi sieht den besten Tanz der Staffel. Unter Tränen nimmt Sarah zur Kenntnis: Doppelschlag! Wieder 30 Punkte! Aus der pomadigen Sarah der ersten Runden ist eindeutig eine Favoritin geworden.

8. Victoria Swarovski. Unter Schmerzmitteln treibt sie ihre gebrochene Rippe durch den Tango. Am Ende steht der gesamte Saal und die Jury belohnt diese außergewöhnliche Leistung ebenfalls mit 30 Punkten. Gelähmt vor Schmerz, aber auch voller Rührung nach den Erlebnissen der letzten Wochen, fällt sie allen in die Arme.

Let's Gähnz

Gab es das überhaupt schon mal? So oft 30 Punkte nach nur sieben Shows? Um auf die benötigten drei Stunden Sendezeit zu kommen, schiebt RTL noch ein Team-Battle ein. Vanessa Mai hatte wohl keine Zeit. Die Promis tanzen in zwei Teams zum selben Song. Es entstehen trotzdem zwei völlig unterschiedliche Performances. Aber das ist nicht verwunderlich. Wenn man zum Beispiel Tim Mälzer und Daniela Katzenberger ein Abendessen nach dem selben Rezept kochen lässt, bekommt man bei Tim ein deliziöses Menü und bei Daniela die Nummer vom Pizzaservice.

In der kommenden Woche überbrücken wir bei "Let's Dance" diese Zeit übrigens mit einem von mir erfundenen Spin Off: "Let's Gähnz" - 14 Promis lesen sich so lange Tweets von Niels Ruf vor, bis sie vor Langeweile eingepennt sind. Was eigentlich als eigene Show geplant war, passt hervorragend als Lückenbüßer: Das Format ist nämlich auf maximal drei Minuten ausgelegt. 

Der SV Meppen des Tanzens

In der Artikel-Tombola zieht Sylvie Meis diese Woche ein "kümmern wir uns jetzt um der Entscheidung" und schreitet zur Tat. Neben mir raunt eine Insiderin von einem großen Promimagazin ihrem Kollegen zu, dass Ulli Potowski in der letzten Sendung die meisten Anrufe erhalten hat und damit quasi unabsteigbar ist. Und sie behält Recht. Ulli ist weiter, Nastassja Kinski muss gehen. Wie viel Sinn das macht, sei mal dahingestellt. Die Bundesliga würde ja auch nicht attraktiver, wenn per Volksentscheid Schalke 04 absteigen und dafür der SV Meppen nachrücken würde. Obwohl.

Mal sehen, ob Ulli sich nächste Woche weiter durchmogeln kann. Bis dahin: See you on the Dancefloor,

Eure Marie 

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