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Tina Chittom zu Gast "Das überfordert mich emotional": Markus Lanz reagiert auf Rassismus einer Trump-Anhängerin

Tina Chittom zu Gast bei "Markus Lanz"
Tina Chittom zu Gast bei "Markus Lanz"
© Screenshot ZDF "Markus Lanz"
Markus Lanz wollte mit einer Trump-Anhängerin über die gespalteten USA sprechen. Doch das Gespräch geriet schnell aus den Bahnen. Am Ende ließ Tina Chittom ihrem rassistischen Gedankengut freien Lauf. 

Es sollte wohl ein Gespräch werden zwischen Menschen, die andere politische Ansichten haben und darüber sachlich diskutieren können. Am Mittwochabend war unter anderem die fanatische Trump-Wählerin Tina Chittom zu Gast in Markus Lanz' Talkshow – und gab da einige wirre Theorien zum Besten. 

Markus Lanz schockiert über Talk-Gast Tina Chittom

Mit der Corona-Pandemie und der Umgangsweise Donald Trumps mit dem Virus fing alles an. Chittom, Übersetzerin und selbst Mitglied der "Republican Overseas", ist der gleichen Meinung wie der US-Präsident: Das Coronavirus stelle keine Gefahr dar. "99 Prozent der unter 70-Jährigen überleben. Ich finde, das wird medial so aufgebauscht. Einfach so die größte Wirtschaft der Welt zuzumachen, hat schlimmere Konsequenzen", sagte sie. Lanz hielt dagegen, wollte von seinem Talk-Gast wissen, wie sie sich unter diesem Gesichtspunkt erkläre, dass mehr als 200.000 Menschen mittlerweile verstorben seien. "Ich bin keine Epidemiologin. Das Ganze wird politisiert", antwortete Chittom und zweifelte dann noch die Wirksamkeit von Masken an. 

Das motivierte die anderen anwesenden Gäste, dagegen zu halten und ihr zu erklären, dass mittlerweile bewiesen sei, dass ein Mund-Nasen-Schutz durchaus helfe. Auch zu Gast war der Physiker und Digital-Epidemiologe vom RKI, Prof. Dirk Brockmann, der Chittom zurechtwies: "Faktisch ist alles falsch, was Sie gesagt haben", teilte er ihr klar mit. Doch dass dieses Argument bei leidenschaftlichen Corona-Leugnern sowie Trump-Fans nicht zieht, ist mittlerweile bekannt. Chittom erklärte, für sie handele es sich um eine "religiös-kulturelle Frage". "Die wissenschaftlichen Menschen tun so, als ob es die Pest wäre", sagte sie. 

Diskussion über "Black Lives Matter"

Juristin Sandra Navidi, die selbst in den USA lebt, erwiderte wütend: "Deshalb ist die USA jetzt dort, wo sie ist: Weil sie Wissenschaftler leugnet." Waren die Talkgäste um Markus Lanz zu diesem Zeitpunkt schon mit ihren Nerven am Ende, wurde es fortan nur noch schlimmer.

Chittom erklärte, in den USA würden Afroamerikaner nur sechs Prozent der Bevölkerung stellen, aber 40 Prozent der Verbrechen begehen. Woran das ihrer Meinung nach liege? Schwarze Väter würden ihre Familien zu oft verlassen und sich nicht richtig um die Kinder kümmern. Das sei "deren Kultur", sagte sie, woraufhin Schauspieler Christian Berkel entsetzt nachfragte: "Welche Kultur?" Während die "Proud Boys", die Trump während der ersten Debatte mit Joe Biden erwähnte, zwar rechts seien, halte Chittom die "Black Lives Matter"-Bewegung für "rassistisch gegen Weiße".

Berkel platzte der Kragen, als er sagte, dass sich die Bewegung für den Kampf gegen Polizeigewalt einsetze, nachdem immer wieder Schwarze von Polizisten erschossen würden. "Das ist eine anarcho-marxistische Bewegung. Die gab es schon früher. Die wollen die Polizei abschaffen und die kapitalistische Gesellschaft umwälzen", antwortete die Trump-Anhängerin. 

Lupenreiner Rassismus

Auch Lanz selbst schien schockiert. Er erinnerte sich an einen Trip nach Baltimore, wo er in einem armen Viertel schwarze Kinder gesehen habe, die aus der Schule kamen. Er habe sich damals vorgestellt, dass diese Kinder alles im Leben schaffen könnten, aber allein wegen ihrer sozialen Strukturen vermutlich in die Kriminalität abrutschen würden. "Sie negieren diese strukturellen Probleme", sagte er an Chittom gerichtet. Was die darauf antwortete, sorgte für einen Schock-Moment im Studio.

"Das hat nichts mit Rassismus zu tun. Das hat soziologische Gründe. Oder auch genetische", sagte sie. "Bitte was?", wollte Lanz völlig perplex wissen. "Das ist die Grundlage von Rassismus", empörte sich Berkel. "Ich denke ja auch nicht, dass es so ist, aber man weiß es nicht", redete sich Chittom raus und brachte damit Prof. Brockmann auf die Palme. "Das ist erforscht", sagte er. "Das ist so unterirdisch. Auf dem Niveau sollten wir das nicht machen", sagte Lanz, der sich offenbar kurz sammeln musste. Doch er beendete das Gespräch mit Tina Chittom nicht, fragte sie im Gegenteil weiter nach den Chancen Trumps auf einen Sieg. 

Am Ende resümierte Lanz, er habe nicht gedacht, dass die Diskussion so hart werden würde. "Das überfordert mich emotional", ließ er die Runde wissen. Im Netz reagierten viele Zuschauer auf den rassistischen Talk-Gast und wunderten sich, wieso Tina Chittom überhaupt von der Redaktion eingeladen wurde. "Diese Rassistin 2020 im deutschen TV so reden zu lassen ohne sie achtkantig rauszuschmeißen, ist ein Armutszeugnis für den Moderator und das ZDF und eine Schande für das ganze Land", schrieb ein Zuschauer auf Twitter. Schauspieler Marcus Mittermeier äußerte sich ebenfalls auf dem Kurznachrichtendienst, schrieb dort: "Lanz, schmeiß sie raus, oder besser, lade solche Leute nicht ein!" 

Verwendete Quellen:ZDF "Markus Lanz" / Twitter


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