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Ex-Gesundheitsminister macht Trash-TV Erst Corona-Affäre, jetzt Kamel-Penis: Wie Matt Hancock das britische Dschungelcamp aufmischt

So seriös sah man Matt Hancock noch vor wenigen Wochen
So seriös sah man Matt Hancock noch vor wenigen Wochen
© PA Images / Imago Images
Vergangenes Jahr war Matt Hancock noch Gesundheitsminister der britischen Regierung. Jetzt ist er die große Attraktion im Dschungelcamp. Was für ein beeindruckender Absturz.

Man stelle sich vor, CDU-Politiker Jens Spahn sitzt im nächsten RTL-Dschungelcamp, verspeist reihenweise Tier-Genitalien – und plaudert über seine Fehler als Gesundheitsminister während der Corona-Pandemie. Das ist in etwa das, was derzeit gerade in Großbritannien passiert. Dort ist Matt Hancock die große Attraktion der aktuellen Staffel von "I’m a Celebrity… Get me Out of Here!"

Hancock war drei Jahre Gesundheitsminister im Kabinett von Boris Johnson, bis er Mitte 2021 wegen Verstößen gegen die Corona-Regeln zurücktreten musste. Nun hockt der 44-Jährige im australischen Dschungel und bekommt den Willen des britischen Volkes mal anders zu spüren. Am Samstag wurde er von den TV-Zuschauern zum fünften Mal in Folge für die berüchtigte Dschungelprüfung nominiert.  

Auf der Suche nach Vergebung

Der Mann, der kürzlich noch die Corona-Pandemie managen musste, isst jetzt vor laufenden Kameras gemeinsam mit Popstar Boy George Kamel-Penisse, Schaf-Vaginas und den Anus einer Kuh. Er lässt sich mit Schleim und Federn überschütten, kämpft mit den "Tentakeln des Terrors" und dem "Haus des Horrors". Lustvoller kann man seinen politischen Absturz nicht inszenieren.

Warum er sich auf diese Weise demontieren lässt, verriet der Politiker am Freitag in der Show gegenüber den anderen Kandidaten: "Was ich wirklich suche, ist ein bisschen Vergebung. Jeder macht Fehler, und ich habe einen sehr großen gemacht." Hancock hatte, obwohl verheiratet, im vergangenen Jahr eine Affäre mit einer Mitarbeiterin gehabt – und dabei die von ihm selbst aufgestellten Corona-Regeln gebrochen.

Während die Bevölkerung zu strengen Kontaktverboten aufgerufen war, tauchten von Hancock Fotos auf, die ihn küssend mit seiner Beraterin zeigen. "Es war ein Fehler, weil ich mich in jemanden verliebt hatte", sagte Hancock nun im Dschungel, während andere Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihm vorhielten, unter welchen Einschränkungen sie in dieser Zeit zu leiden hatten.  

Partei hat Matt Hancock suspendiert

Hancocks konservative Partei hält von dieser Art politischer Aufarbeitung allerdings nicht viel. Nachdem Hancock entschieden hatte, die anstehenden Sitzungen des Parlamentes zu schwänzen, um in den australischen TV-Dschungel zu fliegen, warfen ihn die Tories kurzfristig aus der Fraktion. Regierungschef Rishi Sunak ließ ausrichten, in herausfordernden Zeiten sollten Abgeordnete im Parlament oder in ihren Wahlkreisen präsent sein. Als fraktionsloser Abgeordneter kann Hancock aber weiter im Parlament sitzen, zumindest bis zu den nächsten Wahlen.

Dabei galt Hancock lange als großes politisches Talent. Obwohl gerade mal 44 Jahre alt, sitzt er bereits seit zwölf Jahren als Abgeordneter im britischen Parlament. Er hat für die Bank of England gearbeitet, war Minister unter David Cameron und Theresa May. 2019 kandidierte er sogar selbst für den Vorsitz der konservativen Partei, zog sich aber nach der ersten Wahlrunde zurück und unterstützte Boris Johnson. Der machte ihn zum Dank zum Gesundheitsminister, als der er für die Bekämpfung der Covid-Pandemie und für die Impfkampagne zuständig war. 

Nun bekommen die Briten also die Chance, Rache zu nehmen für alles, was ihnen an der Corona-Politik nicht gepasst hat. Mal sehen, wie lange sie den Dschungel noch als Pranger nutzen wollen. Unter den Zuschauenden rühre sich jedenfalls erster Unmut, dass das Dschungelcamp komplett zur "Matt Hancock-Show" mutiert sei, zitiert die Daily Mail aus zahlreichen Twitter-Reaktionen. "Warum voten die Leute immer weiter für Matt Hancock? Er genießt die Aufmerksamkeit", schreibt einer. Einige ärgern sich auch, dass Hancock sich bei den Ekelprüfungen so gut schlage. So war die Dschungel-Abrechnung mit dem gefallenen Politiker nicht gedacht.

Quellen: DPA / BBC / "The Guardian" / "Daily Mail".

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