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Max Buskohl: "Ich dachte nur: Seid ihr bescheuert?"

Am Samstag fällt die Entscheidung, wer die vierte Staffel von "Deutschland sucht den Superstar" gewinnt. Max Buskohl, der vor zwei Wochen freiwillig ausschied, wird das Finale am Bildschirm verfolgen. Im stern.de-Interview mit Felix Disselhoff und Alexander Kühn erzählt der 18-Jährige, was sich hinter den Kulissen ereignete - und verrät, dass er anfangs gar nicht gewinnen wollte.

Max, schauen Sie an diesem Samstag das "DSDS"-Finale an?

Klar. Mit meinen Bandkollegen, bei unserem Schlagzeuger zuhause.

Wem drücken Sie die Daumen?

Mark Medlock. Er ist der Bessere. Aber wenn schönes Wetter ist, gewinnt Martin Stosch.

Bitte?

Dann gehen die Leute grillen, die für Mark stimmen würden, also das breite Publikum. Und die Teenies, für die "DSDS" bei jedem Wetter Priorität hat - die rufen für Martin Stosch an. Ihm würde ich es genauso gönnen, Martin ist ein guter Freund von mir. Dass er vor einer Woche weitergekommen ist, hat mich mega-gefreut...

... Sie reden ja schon wie Dieter Bohlen. In der "Bravo" findet sich diese Woche ein Poster von Ihnen, Stefan Raab fordert "Freiheit für Max Buskohl" - Sie sind populärer als die beiden Kandidaten, die noch im Rennen sind. War Ihr Ausscheiden ein genialer PR-Streich?

So hatte ich das nicht geplant. Ich wollte mich leise verabschieden. Als dann montags groß in "Bild" stand: "RTL wirft Superstar Max raus", was ja überhaupt nicht stimmt - da mochte ich erst gar nicht vor die Tür. Ich hatte Angst, dass ich angemacht werde. Aber ganz im Gegenteil. Die Polizei kam an: "Haste gut gemacht, Scheiß-Penner bei RTL." Und die Gangsta-Rapper an der Straße: "Ey, Buskohl, jooh!" Geil.

Sie haben die Show genutzt, um bekannt zu werden, und sich dann verabschiedet.

Ich finde, man sollte diese Show auch als Trittbrett benutzen. Sie bringt dich weiter, egal, ob du Zehnter bist oder Erster. Aber die von RTL wollen nur ihre Sendung durchziehen, denen ist egal, was du danach machst.

Und das war Ihnen nicht von Anfang an klar?

Nein, ich war wie alle anderen in diesem Wettbewerbsfieber. Es wird einem ja eingeredet, dass man Erster werden will.

Ist ja auch Ziel der Show.

Es war aber erst mal nicht meines. Ich habe mich nicht angemeldet, um so weit zu kommen, sondern weil ich mit einer Freundin gewettet hatte. Die meinte: So eine Schiene könntest du nie fahren! Ich hab' gesagt: Mal gucken, kann ja nicht wehtun. Wir haben uns dann beide angemeldet, zack, im Pre-Casting war sie raus. Bei mir ging es weiter. Das erste Mal, dass ich dachte, ey, du hast doch 'ne Chance - das war in der ersten Mottoshow. Naiv, wie ich war, dachte ich, dass ich meine Musik machen könnte. Eigene Songs, eigene Texte.

Hat Ihnen vorher keiner gesagt, dass das nicht geht?

Die von RTL hatten mir immer gesagt, du kannst bestimmt dein Ding machen, Tobias Regner aus der dritten Staffel hatte ja auch selbstkomponierte Lieder auf seiner CD.

Und wann war Ihnen klar, dass Sie aussteigen wollen?

Am Mittwoch vor meinem letzten Auftritt hatten wir Vier, die noch übrig waren, ein Meeting mit der Plattenfirma, da wurde uns gesagt: Wir haben aus 3000 Songs für jeden von euch einen fürs Finale ausgewählt. Ich hab mir dann nachts überlegt, hmmm, ich krieg' einen Song vorgesetzt, ob das gutgeht - und dann haben sie ihn mir am Donnerstag vorgespielt. Das war ein geiles Stück, aber es hat nicht zu mir gepasst. Dann hab' ich gesagt, ich steig' aus. Da waren die total geschockt. Die haben gesagt, du lässt die Band im Stich, ich dachte nur: Seid ihr bescheuert? RTL, die Produktionsfirma, alles war in Aufruhr. Die haben in England angerufen, der Chef von BMG musste aus Amerika anreisen.

Und?

Wir haben gesagt, okay, ich trete am Samstag noch an, und Sonntag ist es vorbei. Doch der Vertrag sieht Folgendes vor: Wenn ich rausgewählt worden wäre, hätten das Management und die Plattenfirma eine Option auf mich gehabt - und mich einfach parken können, ohne etwas mit mir zu machen. Ich hab' dann gesagt, ich mach den Samstag nur, wenn ihr mir schriftlich gebt, dass alle Optionen hinfällig sind. Die waren erst mal geschockt. Die hatten ja nicht einmal gewusst, dass die Optionen wegfallen, wenn ich freiwillig gehe. Die dachten, der Vertrag wäre wasserdicht.

Es hieß, Sie hätten Termine platzen lassen und Interviews abgesagt.

Es war mit RTL abgemacht, dass ich ab Donnerstag keine Interviews mehr gebe. Ich wollte nicht lügen, ich wollte nicht den Journalisten erzählen, alles sei super in Butter und ich wolle gewinnen. Damit waren die einverstanden. Was ich unverschämt fand, war, dass auf der Moderationskarte von Tooske dann die Frage stand: "Wie sehr willst du jetzt Superstar werden?" Wo alle wussten, dass ich aufhören will!

Sind Sie jetzt ein freier Mensch?

Ich muss immer fragen, ob ich irgendwo auftreten darf, das wird jetzt noch zwölf Wochen so sein. Dass ich nicht zu Stefan Raab durfte, kann ich sogar verstehen, Pro Sieben ist ja ein Konkurrenzsender. Anfang Juli werde ich mit meiner Band "Empty Trash" auf Tour gehen. Die nächsten Wochen nutze ich, um Lieder zu schreiben und einen Produzenten zu suchen. Wir wollen ein Team zusammenstellen, das auch noch in zehn Jahren effektiv arbeiten kann.

Und eine Plattenfirma.

Alle großen haben bei mir angefragt. Ich hab' eine kleine Tour gemacht durch Deutschland, mir alle Angebote angehört. Mein Vater war dabei...

... der Gitarrist Carl Carlton, der mit Maffay, Lindenberg und Robert Palmer gearbeitet hat.

Er kennt das Geschäft. Und wir waren echt erstaunt, wie viel Scheiße einem erzählt wird. Viele haben gar keinen Bock auf eine langfristige Zusammenarbeit, die wollen zwei Hits und kümmern sich dann um andere Künstler. Manche haben gesagt, ich sollte jetzt Songs schreiben gegen RTL und Bohlen. Aber das trägt nicht zehn Jahre lang. Dann hast du vielleicht einen Hit - und fällst ganz, ganz schnell hinten runter.

Dieter Bohlen sagt diese Woche im stern: "Max ist ein kleiner Bohlen. Ich wollte mit 18 auch mit dem Kopf durch die Wand".

Ich bin nicht mit dem Kopf durch die Wand - ich bin durch eine Riesentür gegangen. Und dahinter ist es hell und munter.

Interview: Alexander Kühn; Felix Disselhoff