Moderatorencheck Das offene "E" sitzt noch nicht


Den direkten Vergleich haben uns die beiden nicht gegönnt. Während Anne Will ihre letzte Sendung schon am 24. Juni hatte, kam Caren Miosga am Montagabend bei den "Tagesthemen" zum ersten Mal zum Einsatz - und es gab einen Ausrutscher.
Von Michael Rossié

Das wird der Moderator von Report aus Mainz schon noch lernen, dass Frau Miosga Caren und nicht Carmen heißt. "Ich bin die Neue bei den 'Tagesthemen!" stellte sie sich vor und moderierte dann die wichtigste Nachrichtensendung der ARD als habe sie ihr Leben lang nichts anderes gemacht. Präsent, durchdacht und bestens informiert.

Im Sommerloch waren das die bedeutendsten sieben Minuten und 58 Sekunden in der ARD. Denn genau so lange war sie zu sehen und zu hören. Vorbereitet hat sie sich zweifellos länger. Beim Gespräch mit dem designierten Airbus-Chef Thomas Enders weiß sie sehr gut Bescheid und fragt immer wieder nach. Mit seiner Floskel "Das ist hier nicht die Frage!" gibt sie sich nicht zufrieden. Und im Beitrag, den Thomas Enders ja nicht sehen konnte, da das Gespräch vorher aufgezeichnet wurde, musste er sich noch die spitze Bemerkung gefallen lassen, Informationen vielleicht ein bisschen voreilig herausgegeben zu haben. Zukünftige Gesprächspartner sollten sich auf spannende Dialoge mit ihr gefasst machen.

Über die Frisur lässt sich streiten, über die Moderation nicht. Die Frau war gut, richtig gut. Das Lächeln wollte am Anfang noch so gar nicht gelingen, und erst als es im letzten Beitrag um Deutsche auf einer Schweizer Alp ging, wurde ihr Gesicht durch ein vorsichtiges Lächeln verschönert.

Und wenn wir jetzt mit Tom Buhrow vergleichen, der in der letzten Woche die "Tagesthemen" moderierte? Der ist inzwischen deutlich lockerer geworden. Es gibt immer noch einzelne Bandwurmsätze, hübsche Versprecher ("Überraschungssiegler der Tour de France") oder abgenutzte Floskeln wie "hierzulande". Dazu manche eigenartige Pausen und Betonungen, die zum Schmunzeln anregen ("Wo es heiß wird - da kann es auch einzelne - HitzeGEWITTER geben.").

Aber insgesamt wirkt er sympathischer, weiß was er redet und die Anzahl der Betonungen, die ihm etwas Oberlehrerhaftes gaben, hat er deutlich reduziert. Nur von sich will er immer noch nichts preisgeben. Das Wort "ich" fehlt vollkommen.

Flottere Formulierungen als Buhrow

Da kommt Frau Miosga gut mit. Die Formulierungen sind deutlich flotter als bei Buhrow ("das präsidentgewordene Energiebündel" oder "zuviel Heidi geguckt"), wie wir das von Anne Will gewohnt sind. Fehler hat sie eigentlich keine gemacht. Das kurze offene "E" stimmt noch nicht: Bei ihr heißt es "Errdbeben", "Errbus" und "merrmals", aber das ist wohl zu lernen. Und ein Satz wie "Kann die neue Führungsmannschaft Querelen und Kompetenzstreitigkeiten - die beispielsweise das Vorzeigeprojekt A 380 in die Krise geführt hatten - künftig vermeiden?" muss ihr beim ersten Mal so durchgerutscht sein. Alles andere ist locker, verständlich und angemessen kurz.

Die Augenbraue ist nicht wie bei Anne Will mal nach oben gewandert, aber der zweimalige, ruckartige Dreher im Satz mit dem kessen Blick von schräg unten zu Marc Bator "Dazu mehr mit (Dreher) Marc Bator!" könnte ja als neues Markenzeichen dienen.

Bilanz: Ein Versprecher am Ende

Und dann passiert ihr kurz vor Schluss doch noch ein Versprecher. "Ingo Zapperoni, - nein Ingo Zamperoni heisst er" korrigiert sie sich, bevor sie sich verabschiedet. Da war für sie die Sendung wohl eigentlich schon zu Ende.

Wenn die ARD jetzt noch ihre off-Sprecher schult (ein off-Sprecher mit einem S-Fehler pro Sendung, am Samstag sogar drei) und ihnen den Stewardessen-Singsang abgewöhnt, ist der Begriff "Flaggschiff" für die "Tagesthemen" der ARD durchaus berechtigt. Caren Miosga jedenfalls war eine sehr gute Wahl.


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