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Moderatorencheck: Detlef D! und seine Pop-Sternchen

Kaum sucht Germany weder ein Topmodell noch einen Superstar, so startet auf Pro Sieben "Popstars". Detlef D! Soost, Jane Comerford, Marusha und Dieter Falk stellen donnerstags aus Tausenden von Jugendlichen eine Gruppe für eine Show, oh Entschuldigung, für einen live-act zusammen.

Von Michael Rossié

Natürlich wissen wir längst, dass weder Superstars noch Popstars gesucht werden, sondern eher Glühwürmchen. Und wenn die Dilettanten mal ausgesiebt sind, dann sinkt der Unterhaltungswert des Formates eigentlich rapide. Aber die Quoten in der Zielgruppe stimmen, und wir werden wohl in Zukunft auch die beste Schaufensterpuppe und den coolsten Kindergärtner küren.

Man kann streiten, ob man sich solche Sendungen, in denen ehrgeizige Jugendliche vorgeführt werden, wirklich ansehen sollte. Aber wenn man den Moderator checkt, dann kommt Detlef D! Soost klar in die nächste Runde. Der strahlt eine solche Lust aus, an dem, was er da macht, eine solche Liebe zu all seinen Kandidaten, dass es zeitweise sogar Spaß macht. Er ist ganz klar in seinem Urteil, aber er putzt nicht runter, er verletzt nicht und wenn er einem Kandidaten sagt, er sei ein Schnösel, dann zerlegt er nicht seinen Charakter, sondern sagt etwas über dessen Auftritt, was der längst weiß.

"Alles Gute, Engel!"

Der Mann kann nicht anders. Er leiht den "Babys" Taschentücher und ruft einer abgelehnten Kandidatin "Alles Gute, Engel!" hinterher. Sprüche wie "Noch mal scheitern ist doch langweilig" haben nie einen gemeinen Unterton. Am liebsten würde er sie alle mitnehmen und coachen. Er freut sich mit, ärgert sich mit, bekommt auch schon mal eine Gänsehaut oder hält sich aus Scham oder Überraschung die Hand vor den Mund. Ob "Du bist ein Netter, aber du hast ne große Fresse!" oder "Du hast mich gerade gerührt!", es klingt nicht aufgesetzt, sondern ist ehrlich. Und das ist genau das, was er seinen Kandidaten rät. Auch wenn er Faxen macht, war das sicher keine Anweisung des Regisseurs, der mehr Action brauchte, sondern es ist ihm wohl einfach so passiert. Dabei spricht er so wie die Zielgruppe, wobei ich nicht immer mitkomme. Was ein "Graue-Maus-Alarm" ist, das kann ich mir noch denken. Aber was ist ein "Tote-Maus-Alarm"?

Die aufgezeichneten Statements dagegen, sind von allen Vieren ziemlich blöde. Soost ist "echt gespannt". Dieter Falk erzählt von dem "Killerinstinkt, sich präsentieren zu wollen", Jane Comerford "ist es immer wieder eine Freude, dass die deutsche Gesellschaft so eine ausgeprägte Liebe zur Musik hat" und Marusha erzählt lieber über sich "ich freue mich, dass meine Musik noch immer so gut bei den Menschen ankommt." So ein sinnfreies Blabla gibt es dann aber beim Casting Gott sei Dank nicht mehr.

Skurrile Auftritte am laufenden Band

Da geht es handfester zu. Kein langes Gelaber. Manchmal reicht ein "Ich finde dich gut!" oder "Sorry, tut mir leid!" Die häufigsten Wendungen sind "Power!", und: "Gib alles!". Dazu muss jeder der Juroren alle Viertelstunde einmal "last not least" sagen. Skurrile Ausfälle gibt es aber dennoch: "Von der Gesamterscheinung würde ich dich gerne einladen" (Jane Comerford) oder "Das hat man euch abgespürt!" (Dieter Falk) oder "Willst du eingetragenermaßen Tänzer sein?" (Marusha). Und wenn Marusha nach der Begrüßung "Einen wunderschönen guten Morgen" sich über das zahlreiche Erscheinen freut und Dieter Falk "nach vorne bitten möchte", fragt man sich, ob man die Parodie der Sendung sieht.

Das Ritual am Schluss ist uns inzwischen geläufig. Heidi Klums nervige Pausen bei der Verkündung der Juryentscheidung zum Topmodel waren so lang, dass man sie wunderbar zum Bierholen nutzen konnte. Aber auch das wird hier immer wieder erfrischend variiert: "Du hast die Erwartungen nicht erfüllt. - Du hast sie übertroffen"). Natürlich ist das gemein, die Entscheidung in die Länge zu ziehen - aber, tatsächlich, es funktioniert. Und es geht ja nicht um Gerechtigkeit, sondern um Quote. Meines Erachtens können Sie ohne schlechtes Gewissen reinschauen. Der Soost kümmert sich schon um seine Leute. Donnerstags um 20.15 Uhr auf ProSieben.