HOME
Neon-Logo
TV-Kritik

Netflix-Serie : "I Am Not Okay With This": Was ist gefährlicher als ein Teenager? Ein Teenager mit Superkräften

Die pubertierende Syd hat ihre Aggressionen ohnehin schon nicht unter Kontrolle – und dann wird auch noch ihr Tagebuch geklaut. Die Netflix-Serie "I Am Not Okay With This" zeigt eine ungewöhnliche Superheldin.

I'm not okay with this - Schauspielerin Sophia Lillis

"Liebes Tagebuch, f*** dich!" Syd steckt mitten in der Pubertät und möchte am liebsten die ganze Welt anzünden. Vor kurzem hat sich ihr Vater das Leben genommen, die Mutter und der kleine Bruder nerven, die Schule sowieso. Ihr Leben in den Achtzigern ist voll mit ersten Malen: das erste Mal kiffen, sie hat zum ersten Mal eine echte beste Freundin gefunden, leider hat diese beste Freundin aber auch zum ersten Mal einen Freund. Und das "erste Mal" eben.

Nun ist all das nichts Besonderes, so mancher Teenager will die Welt brennen sehen, wenn er nur könnte. Das Problem mit Syd ist: Sie kann. Mitten in diesem Durcheinander entdeckt Syd nämlich auch noch, dass sie über Superkräfte verfügt. Nur kommen diese ziemlich unkontrolliert zum Einsatz – das ist besonders gefährlich, wenn man seine Wut ohnehin oft nicht im Zaum halten kann. Fertig ist das Setting für "I Am Not Okay With This", die neue Coming-of-Age-Serie von Netflix.

"Stranger Things" trifft "The End of the F***ing World"

Teenagerin Syd mit den kurzen roten Haaren kämpft um ihren Platz: in der Schule, bei den Freunden, in der Familie, in der Welt. Und immer wieder ist da auch der Kampf um und mit sich selbst – denn Syd weiß mit ihrer eigenen Persönlichkeit noch nicht viel anzufangen. Erst in dem gleichaltrigen Stan findet sie jemanden, der sie wirklich versteht und mit dem sie ihre Geheimnisse teilen kann. Was das ganze Chaos natürlich nur noch chaotischer macht.

Die Story basiert auf einer Graphic Novel von Charles Forsman. Regisseur Jonathan Entwistle hat vor "I Am Not Okay With This" die Serie "The End of the F***ing World" für Netflix gedreht, die Produzenten der neuen Serie zeichneten auch für den Riesenerfolg von "Stranger Things" verantwortlich.

So ist es nicht verwunderlich, dass "I Am Not Okay With This" an vielen Stellen wie eine Mischung der beiden Serien wirkt: nicht ganz so abgedreht wie "Stranger Things", nicht ganz so melancholisch wie "The End of the F***ing World". 

Endlich eine Mädchenrolle, die aus dem Raster fällt

Vielleicht liegt es auch daran, dass man "I Am Not Okay With This" keinen dermaßen großen Publikumserfolg zutraut. Den Machern ist allerdings eine Hauptfigur gelungen, die mal ganz anders ist all die meisten weiblichen Teenager, die sonst auf Bildschirmen zu sehen sind. Syd interessiert sich nicht für Kleider, Abschlussbälle oder Kochen. Sie ist liebenswürdig, aber nicht lieb, nicht nett, sondern wütend, introvertiert, frech und verschroben – verkörpert von der erst 16 Jahre alten Schauspielerin Sophia Lillis. Syd solle keinen Typ verkörpern, sondern eine einzelne junge Frau, sagt Produzent Sawn Levy. Das, so viel muss man der Serie lassen, ist gelungen.

Unterhaltsam ist es allemal, Syd und ihren Freunden (und Feinden) zu folgen. Erst recht, nachdem Syd das Schlimmste passiert, was einem Teenager geschehen kann: Ihr Tagebuch wird geklaut. Denn es gibt nur eine Sache, die gefährlicher ist als ein Teenager in der Pubertät: ein Teenager mit Superkräften. Und es gibt nur eines, was gefährlicher ist, als ein Teenager mit Superkräften: ein Teenager mit Superkräften, dem das Tagebuch geklaut wird. 

"I Am Not Okay With This" läuft ab dem 26. Februar auf Netflix.

Themen in diesem Artikel