HOME

Neuer Sendeplatz: Notbremse für "Kerner"

Sat.1 zieht Konsequenzen aus den katastrophalen Einschaltquoten von "Kerner". Das Magazin von Johannes B. Kerner wird schon ab nächster Woche statt am Montag am späten Donnerstagabend laufen. Doch ist damit das eigentliche Problem gelöst?

Von Katharina Miklis

Nach der ersten Sendung von Johannes B. Kerner, der im November vom ZDF zu Sat.1 gewechselt war, sagte Geschäftsführer Guido Bolten noch, er wüsste nicht, was man besser machen könnte. Zwei Sendungen später haben die Quoten von "Kerner" zu einem derartigen Sinkflug angesetzt, dass man nun bei dem Münchner Privatsender doch Handlungsbedarf sieht. Und zwar sofort.

Schon in der kommenden Woche wird das Magazin mit Johannes B. Kerner, der als "journalistisches Flaggschiff" (Bolten) den Montagabend bei Sat.1 stärken sollte, auf Donnerstagabend verschoben. Ab dem 26. November wird "Kerner" immer donnerstags um circa 22.15 Uhr im Anschluss an den Spielfilm ausgestrahlt. An den Donnerstagen, an denen Sat.1 die Spiele der UEFA Europa League zeigt, kommt "Kerner" jeweils im Anschluss an die Fußballübertragungen. Somit wird "Kerner" nun anstatt zwei Tage vor "stern TV", einen Tag nach Jauchs Magazin ausgestrahlt, dem "Kerner" vom Konzept stark ähnelt.

Dünne Bretter, dünne Quote

Ein Kollege Kerners, der nicht namentlich genannt werden möchte, zeigt gegenüber stern.de vollstes Verständnis für die schlechten Quoten: "Der Mann kommt vom ZDF. Bei allem, was man schlechtreden könnte beim ZDF, der Sender steht für Qualität. Kerner liefert jetzt aber exakt die gleichen dünnen Bretter, die Sat.1 sonst auch nur bohrt." Die schnelle Reaktion des Senders hält der Insider für notwenig: "Sat.1 muss Geld verdienen. Die schmeißen im Moment selbst verdiente Mitarbeiter mit Abfindungen raus, nur um zu sparen. Vor diesem Hintergrund kann man weder Ulrich Meyer, noch dem Rest des Senders lang anhaltend verkaufen, dass man an der Sendung 'Kerner' festhalten muss."

Zumindest vom Montagabend-Sendeplatz will man sich jetzt also lösen. Sat.1-Geschäftsführer Guido Bolten äußerste sich am Freitagmorgen wie folgt zu der Entscheidung: "Die Reichweitenentwicklung der ersten drei Sendungen hat gezeigt, dass der Montag als Sendetag leider nicht den gewünschten Anklang gefunden hat. Deswegen haben wir uns dazu entschlossen, die Sendung bereits ab nächster Woche auf dem neuen Sendeplatz zu bringen."

In der Tat war die Programmierung in Konkurrenz zu "Bauer sucht Frau" auf RTL mehr als gewagt. Nun stellt sich jedoch die Frage, warum man bei Sat.1 nicht gleich auf den Donnerstagabend gesetzt hatte. Die Umplatzierung drei Tage vor der eigentlich geplanten, vierten Sendung wirkt panisch. Betrachtet man die Zahlen der letzten Wochen ist das jedoch kein Wunder. Die Marktanteile sind von 7,6 Prozent bei der Premierensendung über 6,4 Prozent in der zweiten Woche auf 4,5 Prozent (letzte Sendung) gesunken. Am vergangenen Montag schauten nur noch 1,26 Millionen Menschen zu.

Johannes B. Kerner selbst begrüßt diese Entscheidung: "Ich freue mich auf die Zuschauer am Donnerstag." Kerner soll von Beginn an gegen den Sendeplatz am Montag gewesen sein. Eine Platzierung am Donnerstag ist quotenmäßig sicherlich effektiver als am Montagabend. Jedoch sollte Sat.1 sich nicht nur über Sendeplätze und Quoten den Kopf zerbrechen sondern auch über das Konzept der Sendung. Bisher konnte "Kerner" bei Kritikern und Zuschauern auch inhaltlich nicht überzeugen. Die Ausrichtung der Sendung soll jedoch auch auf dem neuen Sendeplatz nicht verändert werden, teilte eine Sat.1-Sprecherin am Freitag mit. Es bleibt "eine Mischung aus Talk, zuschauernahen Service-Themen, unterhaltsamen Studio-Aktionen und Reportagen zu aktuellen Ereignissen." Ob die Verschiebung des Sendeplatzes allein aber reicht, um Zuschauer zu locken, bleibt abzuwarten.