VG-Wort Pixel

Podcast "Der Fünfte Satz" Boris Becker räumt mit Mythos auf: Darum war der Wimbledon-Sieg 1985 gar keine Sensation

Boris Becker
Boris Becker gewann am 7. Juli 1985 das Tennisturnier von Wimbledon - und ist bis heute der jüngster Sieger in der Geschichte des Turniers. 
© Hans RAUCHENSTEINER/ / Picture Alliance
Millionen Deutsche haben Boris Becker erst durch seinen Wimbledon-Sieg 1985 wahrgenommen. Im Gespräch mit Johannes B. Kerner erklärt der Tennisspieler, warum der Triumph gar nicht so überraschend war.

Der 7. Juli 1985 war der wohl bedeutendste Tag im Leben des Tennissportlers Boris Becker: Da gewann er mit gerade mal 17 Jahren das Tennisturnier von Wimbledon - und ist damit bis heute der jüngster Spieler in der Geschichte des Turniers. Und für den jungen Deutschen veränderte sich sein Leben schlagartig. "Hätte ich das gewusst, hätte ich wohl mehr Doppelfehler serviert", witzelt Becker im Gespräch mit Johannes B. Kerner.

Gemeinsam sprechen die beiden in der vierten Folge des Podcastst "Der Fünfte Satz" über die sportliche Karriere des Leimeners - und kommen natürlich an Wimbledon nicht vorbei. Becker nutzt die Gelegenheit, um mit einem Mythos aufzuräumen: Für die meisten Deutschen betrat der junge Tennisprofi an jenem 7. Juli 1985 völlig überraschend die Bühne der Tenniswelt. 

Boris Becker erzählt die Geschichte etwas differenzierter. Tatsächlich kam sein Sieg gar nicht so überraschend. Denn bei den Australian Open hatte er bereits ein halbes Jahr zuvor das Viertelfinale erreicht und dabei die Nummer 6 der Weltrangliste geschlagen. Einen Monat vor Wimbledon gewann der 17-Jährige zudem das erste Turnier seiner Karriere im Queens Club in London. 

Johan Kriek sagte Boris Beckers Triumph voraus

Damals schlug er im Finale den Südafrikaner Johan Kriek glatt in zwei Sätzen. Der zeigte sich beeindruckt von der Leistung des Deutschen und wagte eine Vorhersage: "Wenn der kleine Becker in Wimbledon genauso spielt wie heute, wird er das Turnier gewinnen."

In Deutschland nahm davon allerdings kaum jemand Notiz - Tennis war vor Juli 1985 nicht angesagt. Als Becker in Wimbledon antrat, war er in der Weltrangliste bereits auf Rang 20 vorgerückt. "Heute wäre ich gesetzt", sagt der 53-Jährige.

Dann erzählt er noch einmal den Weg ins Finale. Wie er im Achtelfinale gegen Tim Mayotte umknickte und schon auf dem Weg zum Netz war, um aufzugeben. Und wie seine Betreuer Ion Tiriac und Günther Bosch dies gerade noch verhindern konnten. Becker schildert, was ihm bei seinen Matchbällen im Finale gegen Kevin Curren durch den Kopf ging, und dass ihm nach dem Sieg klar wurde, dass sich jetzt irgendwas geändert hat.

Das Finale gegen Michael Stich

Seine größte Niederlage, verrät Becker, war nicht etwa die gegen Michael Stich im Wimbledon-Finale 1991. "Ich habe ihn komplett unterschätzt. Ich dachte niemals, dass er mich schlagen kann", erinnert er sich an das Match. Viel mehr schmerzt ihn aber die Finalniederlage im Jahr zuvor gegen seinen Dauerrivalen Stefan Edberg. Dabei sei es auch um den ersten Rang in der Weltrangliste gegangen.

Boris Beckers Tochter Anna Ermakova ist mittlerweile 19 Jahre alt

Wie groß Boris Beckers sportliche Erfolge und sein Ansehen sind, verdeutlicht Kerner an der folgenden Anekdote: Beide haben vor ein paar Jahren in einem Berliner Restaurant gesessen, als ein Amerikaner tief gerührt an den Tisch trat, Becker mit Lobeshymnen überschüttete und ihn als Inspiration bezeichnete. Es war Hollywoodstar Matt Damon.

Ob ihm das öfter passiere, wollte Kerner damals von Becker wissen. Dessen Antwort: "Eigentlich jeden Tag. Eigentlich überall auf der Welt. Außer in Deutschland." Was ziemlich traurig ist und kein gutes Licht auf die Deutschen wirft.

Den Podcast "Boris Becker - Der Fünfte Satz" ist bei Amazon Music abrufbar.

che

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker