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Neues vom Guttenberg-Film: Wenn der Donnersberg mit der Murkel

Höchster Aufstieg und tiefster Fall eines Eventpolitikers: Die Karriere von Karl-Theodor zu Guttenberg ist Stoff für eine Satire. Sie entsteht gerade in Berlin.

Von Alexander Tieg

Im September 2012 steht Karl-Theodor zu Guttenberg vor dem Kanzleramt in Berlin und grinst in eine Kamera. Sollte der nicht eigentlich in Brüssel sein und eine EU-Kommission beraten? "Guck, er ist zurückgekehrt", sagt eine Touristin aus Hessen. Sie ist sich sicher, er ist wieder da. Tatsächlich sieht der grinsende Mann aus wie der Ex-Wirtschafts-Verteidigungs-Doktor, etwas größer, etwas kräftiger vielleicht. Aber Guttenberg ist gar nicht Guttenberg, sondern Freiherr von und zu Donnersberg. Franz Ferdinand, nicht Karl-Theodor.

Grund für die Verwechslung sind Dreharbeiten eines Making-ofs zum TV-Film "Der Minister". Darin spielt der Schauspieler Kai Schumann ebenjenen Freiherr Franz Ferdinand von und zu Donnersberg, einen adeligen Nichtsnutz aus Süddeutschland, der Politiker werden will. Um es ganz nach oben zu schaffen, braucht er einen Doktortitel. Sein bester Freund Max (Johann von Bülow) schreibt ihm also die Doktorarbeit, und als promovierter Freiherr steigt zu Donnersberg schließlich auf - zuerst zum Wirtschafts-, dann zum Verteidigungsminister. Doch der Schwindel fliegt auf. Erst ist der Doktortitel weg, dann das Ministeramt, und schließlich stürzt der charismatische Politiker in der Öffentlichkeit genauso schnell ab, wie er zuvor nach oben gekommen ist. "Alles fiktiv, aber die Anlehnung an die Realität ist offensichtlich", sagt Uwe Janson, der Regisseur des Films.

Katharina Thalbach spielt Kanzlerin Murkel

An diesem Freitag haben Janson und der Produzent Nico Hofmann ("Dresden", "Mogadischu") einen ersten, zweieinhalbminütigen Zusammenschnitt des Films gezeigt, der im Frühjahr 2013 bei Sat1 laufen soll. Kein anderer Sender habe das machen wollen, sagt Hofmann. Eine Komödie soll es ein, die zeige, dass hinter dem Phänomen Guttenberg nicht nur der Mann selbst, sondern auch der Politik-Betrieb, die Medien und die Wähler steckten. Der Produzent vergleicht den Film schon mit "Schtonk!", jener legendären Komödie aus dem Jahr 1992 über die gefälschten Hitler-Tagebücher.

Der Film-Guttenberg rüttelt am Zaun des Kanzleramts, reist zur Rettung des Autobauers "Forpel" nach New York ("Heißt das, Sie sind dagegen und dafür?" - "Sowohl als auch, und ich lass' mir meine Meinung auch nicht verbieten."), und buhlt auf einem Sommerfest eifrig um das Ansehen bei Kanzlerin Murkel (Katharina Thalbach). "So viele Titel", sagt die Kanzlerin, als sich der Freiherr vorstellt, "ich habe nur einen Doktor." Später wundert sie sich: "Und das ist jetzt mein Verteidigungsminister?"

Katharina Thalbach drehte ihre Kanzlerinnen-Szenen innerhalb von vier Tagen ab. Das A und O sei dabei eine Auswahl an unzähligen Jacketts gewesen, sagt sie. Aber auch das Merkel-V beherrscht sie perfekt, die zusammengelegten Hände beim Reden. Und die heruntergezogenen Mundwinkel. "Ich habe nicht geübt", sagt die Schauspielerin. In der Rolle passiere das ganz automatisch.

Kai "Guttenberg" Schumann findet es mitunter schwer, die Rolle abends abzulegen. "Ich ertappe mich dabei, dass ich im Alltag laufe wie er, und das erschreckt mich." Dieser Guttenberg-Gang: Oberkörper gerade, leicht nach vorne gebeugt, der Unterkörper immer etwas zu sehr federnd.

Erfundener Freund

Gedreht wird die Guttenberg-Satire noch bis Mitte Oktober, nicht nur in Berlin, auch am Bodensee. Die frühen Jahre, als der Freiherr noch ohne Haargel, Maßanzug und Dienstwagen auskam, und den Tag lieber mit seinem Kumpel Max verbrachte. Bei allen Gemeinsamkeiten des Film-Guttenbergs mit dem echten ist es diese Figur des Max, die frei erfunden ist. Der Sandkastenfreund und Ghostwriter der Doktorarbeit ist der Fantasie von Drehbuchautorin Dorothee Schön entsprungen. "Es geht nicht darum, jemanden durch den Kakao zu ziehen", sagt sie. Aber sie glaube, dass es diese Figur gegeben haben muss. Auch wenn der echte Guttenberg immer wieder beteuert, er allein habe seine Doktorarbeit verfasst.

Zur Filmpremiere soll Guttenberg übrigens eingeladen werden. Dann kann er ja nochmal sagen, wie es wirklich war - wenn er denn kommt.