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Olli Dittrich: Lass es perlen, Dittsche!

Der Kult-Komiker Olli Dittrich ist im Laufe seines Lebens in zahlreiche Rollen geschlüpft. Mit seiner Arbeit fasziniert der dreifache Grimme-Preisträger Fans und auch Feuilletons.

Er ist das Chamäleon im deutschen Fernsehen. Ob als Imbissbuden-Philosoph "Dittsche", Improvisationstalent in "Blind Date" mit Anke Engelke oder Schlagzeuger der Country-Band Texas Lightning: Olli Dittrich ist wie kaum ein anderer Comedy-Künstler so erfolgreich in unterschiedlichste Rollen geschlüpft. Überhäuft wurde er dafür mit unzähligen Auszeichnungen. Zu seinem 50. Geburtstag will Dittrich keine Interviews geben. Sein Management lehnt alle Anfragen mit dem Hinweis ab, er wolle keine große Aufregung veranstalten.

Diese Bescheidenheit passt genau zu dem vielseitigen Mann, der sich vor allem dadurch auszeichnet, die schrägsten Ideen zu haben und dann auch durchzuziehen: Als "Dittsche" oder mit Cowboy-Hut bei Texas Lightning ein Millionenpublikum begeistern und sich ansonsten nicht so wichtig nehmen. "Mir selbst ist mein aktueller Promi-Wert komplett gleichgültig, davon kann man sich nichts kaufen, und dazu bin ich viel zu geerdet", hatte er dem "Spiegel" gesagt.

"Zwei Stühle - Eine Meinung"

Der Grimme-Preisträger ist vielmehr ein fleißiger Arbeiter, der einen langen Weg zum Erfolg gehen musste. Schon als Schüler lernte der in Offenbach am Main geborene Sohn eines Journalisten und einer Kunstmalerin Gitarre und spielte in der Nachwuchs-Band Abbey Tavern Skiffle Company. Seine Karriere als Popstar ließ sich allerdings nur mühsam an. Er begann 1975 mit dem selbst gesungenen Schlager "Ich bin 18" und schrieb danach Titel für andere Musiker, etwa für James Last oder Die Prinzen.

Doch keiner seiner eigenen rund 250 Titel von 1985 bis 1990 hatte durchschlagenden Erfolg. Nach dem Flop seines Debütalbums "Modern Guy" (1989) gab er seine Popstar-Träume auf. Als Nonsens-Conférencier stellte Dittrich bei Auftritten etwa mit der Band Susis Schlagersextett dann allerdings sein Talent als Komiker unter Beweis. Mit Sketch-Partner Wigald Boning bei "Zwei Stühle - eine Meinung" in der RTL-Comedy-Sendung "Samstag Nacht" fand er zur Musik zurück. Als Duo sangen sie "Lieder, die die Welt nicht braucht".

Während Dittrichs Ruhm als Komiker und Schauspieler wuchs, ist er als Schlagzeuger immer in Übung geblieben und schloss sich später Texas Lightning an, der Band von "Dittsche"-Wirt Jonny "The Flame" Olsen, mit der er in diesem Jahr beim Grand Prix in Athen auf Platz 15 landete. Für Fußball-Fan Dittrich gehören Musik und Comedy ganz eng zusammen. Der "Süddeutschen Zeitung" sagte er: "Gute Comedy hat sehr viel mit Musik zu tun. Alle guten Komiker können auch gut musizieren." Es gebe in Wahrheit kaum komische Dinge, die nicht musikalisch seien.

Dittrich schaut kaum noch Fernsehen

Insofern sind die Erfolge von Dittrich mit Texas Lightning und als "Dittsche" kein Wunder. Für den eigenen Aufstieg musste er jedoch viele Hürden nehmen. Er war zeitweilig sogar von Existenzängsten geplagt, weil zu Beginn seiner Karriere vieles schief lief. "Ich weiß, was Angst ist", sagte er dem "Spiegel".

Auch wenn das Fernsehen ihn im Laufe der Jahre zum Star gemacht hat, kann Dittrich nur wenig Gefallen an dem Medium finden: "Ich gucke immer weniger Fernsehen. Die wirklich innovativen Sachen finden nur selten im Fernsehen statt", hatte er in einem Interview gesagt und immer wieder auch betont, dass die Ablehnung des Fernsehens nicht aus ideologischen Gründen heraus geschehe: "Es langweilt mich einfach. Ich verbringe meine Zeit lieber aktiver."

Gregor Haake/AP / AP
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