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"Promi Big Brother": Oh! mein! Gott! - Ben holt die Krone

Tränenreiches Ende des Container-Dramas: Cathy vor dem Kollaps, Mutter Ochsenknecht stinkt, Basler schlürft Wodka-Lemon. Und Ben Tewaag holt sich den Titel. Fazit des Finales: Das geht auch kürzer.

Von Ingo Scheel

Ben Tewaag wird Sieger von Promi Big Brother

Ben Tewaag gewinnt Promi Big Brother und 100.000 Euro

Was könnte man in dieser Zeit nicht alles machen? Rauhfasertapete aufknibbeln. Sich von Carsten Maschmeyer Texte aus chinesischen Glückskeksen vorlesen lassen. Oder Klingeltöne verfilmen. Oder eben das Grande Finale von "Promi Big Brother" in epischer Länge genießen. "Hier sind die Helden des Sommers" dröhnt diese Lordi-artige Stimme durch den Saal, und da glänzt es dann sogar in den Augen von David Odonkor. Der Vorjahressieger sitzt im Publikum und weiß genau, was man für diese gefühlt drei Tage lange Finalsause am dringlichsten braucht: Sitzfleisch.

Eine Region, die auf den letzten Metern auch unter Tage stark beansprucht wird. "Uns geht der Kackstift" bölkt die vogelwilde Lugner-Lady Richtung Kameras. Und in der Tat: Wie dieser Haufen in der, nennen wir es der Form halber Realität, wieder klarkommen soll, nachdem man aus dem "lustigsten Haus aller Zeiten" ausgezogen ist, das dürfte nicht ohne ausreichend Magnesium-Tabletten, Tonnen von Zigaretten und eimerweise geistige Getränke vonstatten gehen. Alle klotzen, außer Basler: Der ist auch auf den letzten Metern noch der Mia-san-Mia-Mario, dem irgendwelches Anrufen-Flehen so fern ist wie eine Stunde ohne Kippe. Warum man für ihn anrufen solle? "Keine Ahnung, weiß ich doch net". Das ist das Bayern-Gen. Nun ja, fast jedenfalls, denn für den Titel reicht es nicht. Dafür kommt Baslers Bester als Drittplatzierter ein wenig früher in den Genuss des heißersehnten Wodka-Lemon.


Ohne ähnliches Hallo-Wach ist das Ganze auch auf der anderen Seite des Spiegels kaum durchzustehen. Drei Stunden lang werden Best-of-Clips, Tanz-Montagen, Nickliches und Nacktes am Schneidetisch kompiliert. Die Werbung will umrandet sein und dafür wird hier noch einmal hyper-hyper-aktiv der Big-Brother-Backkatalog verfeuert. Was dabei vor allem auffällt? Wie gern man Lord Gaga, Edona James, doch ein weniger länger beim atomaren Zerfall zugeschaut hätte. Es sollte nicht sein.

Als Ben als Sieger verkündet wird, ist die Freude bei den anderen Bewohner groß

Die anderen Kandidaten verfolgten die Final-Sendung im Studio, freuten sich für Ben.


Cathy Lugner vor dem Kollaps

Stattdessen konnte man Cathy Lugner bei der ganz privaten Kernspaltung zuschauen. Mit jedem Schritt näher zum Titel (der es dann denkbar knapp doch nicht wurde), geriet das arme Mädchen mehr aus dem Häuschen - die ProSieben-Macher dürften hinter den Kulissen längst den roten Koffer mit der Telefonnummer von Dr. Bob geöffnet haben. Zitternde Knie, Heulkrämpfe, Oh! mein! Gott!!!! Don’t cry for me, Cathy Lugner. So knapp am Kollaps ging es in dieser Staffel noch nicht vorbei.

Cathy Lugner wurde Zweite

Cathy Lugner heulte fast die ganze Sendung über: "Ich brauche einen Arzt, wenn ich hier raus bin"


Einst wollte sie sein wie Pamela Anderson, später kam ihr Mörtel in die Quere, dabei wollte sie doch immer nur, dass die Leute sie so sehen, wie sie wirklich ist. Dass das nun ausgerechnet in einer Reality-Show zur Primetime passiert, nun gut - man muss Zugeständnisse machen.


Davon kann auch Taschi Ochsenknüppel ein Lied singen. Die musste feststellen, wie schnell draußen die Tränen der Wiedersehensfreude selbst bei den engsten Angehörigen trocknen. "Mama, du stinkst" entfuhr es ihrer Tochter bei der ersten Umarmung. Die Irritation nutzte das Früchtchen, um gleich noch "Ich habe mich tätowieren lassen" hinterherzuschicken. Das nennt man Timing. Willkommen zurück in der Wirklichkeit."

Promi Big Brother, Bachelor und Co.: Das Kalkül der Reality-Shows

Ben Tewaag gewinnt Promi Big Brother

Was an Bildern und Eindrücken hängenbleibt von diesem XXL-Schlussakkord? Frau Ochsenknecht mit Plastikbecher-Antennen auf dem Kopf. Stephen Dürr, der den geklauten Euro wieder zurückgeben will. Wie gut Bierchen, Brot und Wurst und Käse schmecken, wenn man im Sprüche-T-Shirt unter Tage am Lecko Grande sein Dasein fristet. Und natürlich die Frage, was nun mit Ben Tewaag passiert. Sieger der Schmerzen. König mit Kippe. Wie Colonel Kurtz aus der Krachmacherstraße saß das in Wolldecke gehüllte Häufchen Elend im Souterrain seines Schicksals. 100.000 Euro im Sack. "Neue Perspektiven", was immer das heißen mag. Oder, wie ProSieben es ganz ironiefrei nennt: Der beliebteste Prominente Deutschlands. Na denn, Ben. Bleibt die Frage, wie man jetzt diesen "Weil wir leben…"- Ohrwurm wieder los wird.