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Finale "Promi Big Brother": Am Ende gewinnen immer die Guten

Er fühle sich wie der Junge, der endlich ins Völkerball-Team gewählt wurde, sagte Jens Hilbert nach seinem Sieg bei "Promi Big Brother". Sein Triumph ist ein modernes Märchen - mit Happy End für bedürftige Kinder.

Von Jan Zier

Jens Hilbert gewinnt die fünfte Staffel "Promi Big Brother"

And the winner is: "Ein Herz für Kinder!" Weil: Der Jens Hilbert, der braucht die 100.000 Euro ja gar nicht. Also spendet er sie. Denn das weit verbreitete Bedürfnis nach dauerhafter Haarentfernung hat ihn ja schon zum Millionär gemacht, auch wenn er selbst immer noch zu viele davon in der Pofalte hat. Hat er selbst gesagt! Natürlich ist Jens Hilbert schwul, eine echte Tunte sogar, die alle einschlägigen Klischees fest zementiert. Aber eben einer, den sie sich auch Heterosexuelle bisweilen ganz gern ansehen, weil so einer eben exzentrisch und schillernd ist, so wie man selbst auch gerne wäre. Sicher, er ist Unternehmer, eine eher seltene Spezies in der "Promi Big Brother"-Welt, noch dazu, ein erfolgreicher, da kann man schon erstmal die Nase rümpfen: Ist das überhaupt ein richtiger C-Promi, der sich im Container zum Affen machen muss, weil er es nötig hat? Andererseits: Wer sonst kann einer Frau wie selbstverständlich die nackten Nippel bemalen, und dazu ganz nonchalant sagen: "Nutzt ja nichts: Es ist Kunst!" Und recht reflektiert ist er obendrein, auch solche braucht ein Container-Team ja.

Willi Herren sichert sich den dritten Platz bei "Promi Big Brother"

Natürlich durfte der siegessichere Willi Herren am Ende nicht gewinnen. Dabei hatte der zum "Stimmungssänger" verkommene Ex-Schauspieler der Lindenstraße es "verdient"! Fand er zumindest. Aber: Schlimm genug, das der, also, das so einer auch noch Dritter wurde! Dritter! So eine – pardon – falsche Schlange! Und draußen wussten sie das ja alle. Drinnen nicht. "Ist er der unbeliebteste Finalist aller Zeiten?" fragte am Tag des Finales noch eine große deutsche Boulevardzeitung. Natürlich, er brauchte das Geld, wegen der vielen Schulden von damals, aber das ist ja bei "Promi Big Brother" wohl noch nie ein Motiv gewesen, für das einer am Ende zum Sieger gewählt wird. Ganz im Gegenteil! Wir wollen sie leiden sehen. Auch wenn er am Schluss nochmal heulte wie ein Schlosshund. "Ich bin eine starke Persönlichkeit", sagt Herren zum Schluss, während im Hintergrund "Beautiful Liar" ertönt.

Als ihm die Klobürstenbecherfinderin Sarah Knappik bei einem vorletzten Wiedersehen schnell ein: "Wärst du mal ehrlich gewesen" zuwirft, sagt er nur: "Die hat sie nicht alle". Und dass das eben ein "echter Knappik" war. Manche behaupten ja, der Herren ist der falscheste Mensch, der je bei "Promi Big Brother" war. "Ich hab mich maskenfrei gezeigt", sagt er dagegen, immer wieder, aber am Ende, kurz bevor er dann doch raus muss aus dem "Alles", da sagt es ihm die Stimme aus dem Off, der Big Brother, dann doch noch durch die Blume: "Ist das Original auch echt? Oder ist das doch alles nur eine Rolle?"

Nacktschnecke Milo Moiré landet auf Platz zwei

So eine Rolle, die hatte natürlich auch Milo Moiré. Weil, mal ehrlich: Die Sache mit der Konzeptkunst hat ihr doch keiner so recht abgenommen. Oder gar verstanden! Und im Haus hat die studierte Psychologin aus der Schweiz auch erst einmal niemand ernst genommen, schon gar nicht als Performance-Künstlerin. Auf den ersten Blick ist Milo Moiré eben noch eine, die sich bereitwillig auszieht und offenherzig über Sex redet. Eine Frau, die den Orgasmus nicht nur als teintfördernd zu schätzen weiß, sondern das auch allen mitteilt. Eine echte Nacktschnecke eben, wie sie in keinem Container fehlen darf, der solide Quoten haben will.

Aber ihre Nacktheit ist für sie keine Provokation, keine Masche, nicht bloß ein Verkaufsgag. Sie will uns, ja: gerade heute, körperliches Erleben bewusst machen und der Gesellschaft einen Spiegel vorhalten, ihr zeigen, nach welchen Regeln sie funktioniert. Auch wenn Milo Moiré selbst nach genau diesen Regeln lebt, mit einem nach gängigen Vorstellungen schönheitsoptimierten Körper. "Ich bin nicht die lauteste und unterhaltsamste", sagt sie über sich, und dass sie ein Mensch der leisen Töne sie, "der Herzenstöne". Ihr Selbstbewusstsein und ihre Verletzlichkeit werden ihr am Ende Platz zwei einbringen.

Promi Big Brother 2017

Champagnerdusche für die Finalisten Dominik Bruntner, Milo Moiré, Jens Hilbert und Willi Herren


Die Bilder der extatischen Finalparty vom Vorabend zeigen sie natürlich trotzdem nochmal ausführlich nackt, soviel SAT.1 muss sein, und Schönling Dominik Bruntner darf dazu raunen: "Wir haben alles gesehen! Mehr geht nicht." Er selbst wird kurz danach ausscheiden, weil "unaufällig" das Beste ist, was man über ihn sagen kann. Auch wenn er damit kokettiert, ob er nun auf dem Klo Geschlechtsverkehr praktiziert hat – oder nicht. Eigentlich auch egal.

Und so gewinnt am Ende der Mann, der sich selbst nicht nur als "Heulsuse" abqualifiziert, sondern am Ende auch noch über sich sagt: "Hier sitzt der kleine Junge aus der vierten Klasse, der endlich in das Völkerball-Team aufgenommen wurde." Es ist das Ende eines modernen Märchens. Ein echtes Happy End.

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