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Promiboxen Muttersöhnchen verhaut Rüpelrapper


Was macht man, wenn das Dschungelcamp-Geld alle ist? Man geht zum Promiboxen. Naddel tat das, was sie am besten kann: Sie war peinlich. Rocco "Rocky" Stark dagegen avancierte zum Helden des Abends.
Von Mark Stöhr

Georgina kann laufen, richtig schnell sogar. Als wären ihr die Gläubiger auf den Fersen, flitzte sie durch den Ring. Von einer Ecke zur anderen. Jazzy, die sich noch besser mit Schulden auskennt, hätte dem rothaarigen Dschungel-Sams gern eins übergebraten. Das merkte man. Aber sie kam einfach nicht dran, Georgina war immer schon weg. Dabei hatte man bei der 22-Jährigen auf die Wunderwirkung von einem gezielten Kopftreffer gehofft. Vielleicht würde sie danach fließend Latein sprechen können wie der Papst. Oder singen wie die Callas. Oder Autofahren wie der Vettel. Einfach mal irgendwas können. Stattdessen sagte sie nach ihrer Niederlage nur ungerührt: "Ich bin nicht so die Schlägertussi", und stöckelte zurück in ihr altes Leben.

Das ist eben Promiboxen auf Sat1. Um Sport geht es nur am Rande. Es ist in erster Linie die Nachfolgeshow für Ex-Dschungelcamper, die wieder blank sind. Sie hauen vorher zwei-, dreimal gegen einen Boxsack, faseln was von der riesigen Herausforderung, die das Ganze für sie hat, und machen fünf Kreuze, wenn der Blödsinn vorbei ist. Wenigstens ein bisschen Mühe geben – das ist die einzige Spielregel – sollte man sich aber schon. Nicht so wie Nadja Abd el Farrag, die Frau, die mit Ralph Siegel per SMS Schluss gemacht hat ("Ich habe dich gern, aber ich habe es mir noch mal überlegt"). Naddel brach den Kampf nach einer Minute ab. Sie hatte Angst um ihre Zähne.

Wer heiratet endlich Naddel?

Diese Angst – so fair sollte man sein – war nicht ganz unberechtigt. Ihre Gegnerin hieß Tessa Bergmeier, eine landesweit berüchtigte Psychopathin. Sie wurde dadurch bekannt, dass sie Heidi Klum bei "Germany's next Topmodel" den Mittelfinger gezeigt hatte und einem Freund ein Loch in die Brust biss. Diese Frau tickt einfach nicht richtig. Naddel ist leider nicht viel besser.

Die 48-Jährige zog zu "You Can Win If You Want" von Modern Talking in der Düsseldorfer Boxarena ein. Das war wahrscheinlich ironisch gemeint. Danach boxte sie so, wie sie als DJane Platten auflegt: völlig verpeilt. Als die erste Runde vorbei war, latschte sie erst mal in die falsche Coaching-Ecke. Gegenwehr gegenüber dem Gehaue des wahnsinnigen Models: null Komma null. Gibt es keine beste Freundin, die zusammen mit Naddel abends amerikanische Serien guckt, damit sie nicht auf so dumme Gedanken wie das Promiboxen kommt? Oder, besser noch, einen reichen, alten Sack, der sie heiratet und so von der Bürde des Geldverdienens befreit? Ralph Siegel zum Beispiel?

Axel Schulz sprach danach zu Recht von einer "miesen Nummer": "Ich dachte, meine Mama wird verprügelt." Schulz, der Ex-Boxer, bildete mit Christine Theiß, der amtierenden Kickboxweltmeisterin, das Expertenteam. Sie waren die eigentlichen Gewinner der Kirmesklopperei, witzig und kompetent. Durch sie erfuhr man viele Dinge, die beim nächsten Partygespräch noch mal nützlich werden könnten. Etwa dass Schläge auf die Leber oder Milz besonders schmerzhaft sind, die Wirkung aber erst mit einer Verzögerung von drei Sekunden einsetzt. Oder dass ein Kopf-K.o. nach einem einzigen Schlag gesünder ist, als wenn sich ein Boxer einen Schädelkracher nach dem anderen einfängt, ohne zu Boden zu gehen.

Volltreffer mit Vollnarkose

Insofern hatte Sebastian Deyle, der Ex von Rebecca Mir, alles richtig gemacht. Er bekam von Mola Adebisi einen heftigen rechten Haken auf die Milz, riss die Deckung auf und hatte sogleich eine krachende Faust im Gesicht. Ein Volltreffer nach 57 Sekunden mit anschließender Vollnarkose. Deyle musste sogar kurzzeitig ins Krankenhaus. Ein ähnliches Schicksal befürchtete man auch zwei Runden lang bei Rocco Stark, dem Jungpapa und ungeliebten Sohn von Uwe Ochsenknecht. Er tänzelte auf Zehenspitzen um den Rapper B-Tight herum und schlug kleine Dellen in die Luft. Zweimal wurde er angezählt und japste wie ein Beagle bei der Treibjagd. Doch dann wendete sich das Blatt.

Rocco, der schon im Dschungelcamp eine wundersame Entwicklung vom Hanswurst zum romantischen Ranger gemacht hatte, schrieb die Heldengeschichte des Abends. Daniel Aminati war zwar wie im letzten Jahr der mit Abstand beste Boxer von allen, Rocco aber war der Sieger der Herzen. Er rappelte sich auf und packte in Runde drei und vier ein paar Schwinger aus, die seinem Gegner schwer auf den Magen schlugen. Eine ausgesprochen wilde Prügeloffensive besiegelte B-Tights technischen K.o. Das Muttersöhnchen hatte den Ghetto-Rapper vermöbelt. Schade nur, dass Georgina ohne blaues Auge davon kam.


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