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ProSieben-Show "Die Alm": Waschen, scheren und gut festhalten

Neuer Tag, neues Glück? Von wegen. Die Alm bleibt langweilig und vorhersehbar. Ausreißer, Sexbeichten und lahme Spiele prägen auch den sechsten Tag. Wenigstens verkürzt wieder Werbung die Sendezeit.

Von Jannis Frech

Der Titelsong der "Alm" lügt. "Da passiert so allerhand", heißt es. Tatsächlich passiert rein gar nichts. Die sechste Folge von "Die Alm" war kein Event-TV, sie war eine Zumutung. Nämlich: Tessa läuft weg und kommt wieder. Manni fabuliert über sein Sexleben. Gina-Lisa fällt in den Dreck. "Ich bin dann mal weg, die Show", titeln die Moderatoren. Und ahnen gar nicht, wie trefflich sie dem Zuschauer damit aus der Seele sprechen.

"Tag sechs und die Nächste dreht durch", tönt der Teaser. Rückblende: Der Zoff vom Vortag. Stolze zehn Minuten lang. Die unterlegte Musik: opulent, Herr der Ringe. Doch statt Schlacht zwischen Gut und Böse nur die Schlacht zwischen Dumm und Dümmer. Carsten Spengemann, der zu schlichten versucht: "Gina, du bist ein gebildetes Mädchen!" Ein gefundenes Fressen für die moderierenden Witzautomaten Kunze und Aminati.

Haarausfall und Talflucht

Die Gegenwart beginnt dann mit Tessa. Das Möchtegern-Model mit Borderline-Syndrom. Zunächst Heulsuse: Oh Gott, die Haare fallen aus! Werner Lorant will trösten. Der Mann weiß schließlich, wie man überschäumende Emotionen bändigt. Vielleicht denkt er an Löwen. Oder an Pferde. "Komm mal her", säuselt er. Beschwichtigt: "Ganz ruhig." Hilft alles nichts. Lorant zaubert schließlich das abgefuckteste "ruhig" aller Zeiten hervor. Tessa rennt gen Tal.

Charlotte Karlinder sieht das, ruft ihr hinterher - und gibt gleich wieder auf. "Ich würd' ja hinterherlaufen, aber ich muss ja dann wieder hoch." Man kann ihr das Hadern absolut nicht verübeln. Und Karlinder hat schließlich Erfahrung mit traurigen Existenzen, sie hat mal bei "Big Brother" moderiert. Überhaupt die Karlinder: scheint genau zu wissen, was der Zuschauer will. Ob Pornotalk mit Gina-Lisa oder Intimsphärenstrip von Manni, Karlinder ist da, ist einfühlsam, bohrt weiter: "Ne sach doch mal."

Noch etwas passendes Gegröle von Gina-Lisa, Geläster, Primatenniveau. Werbepause, Gott sei Dank. Für die Werbekunden ist "Die Alm" eine garantiert lohnende Investition: Gegen die Ödnis der Alm ist der stumpfe Kundenfang ein Hitchcock-Krimi. Danach das Unvermeidliche: Tessa kommt zurück. Jetzt quietschvergnügt - und pünktlich zum Essen. Resignation allerorten. Beim Zuschauer sowieso.

"Bushido im Körper einer Blondine"

Auftritt: Karlinder. Hochinvestigativ, knallhart nachfragend, unfassbar ernsthaft. Schrotthändler Manni beichtet ihr alles. Sein erstes Mal mit über 40, das neunstündige Liebesspiel, die beste Zungenkusstechnik. Man will das nicht wissen, man muss das nicht wissen. Man weiß es jetzt. "Rein und raus, fertig ist der kleine Klaus", sinniert Manni.

Immerhin gibt es noch die "Muhprobe". Gina-Lisa darf ran, der "Bushido im Körper einer Blondine", wie Moderatorin Kunze witzelt. Unverständlich, warum der völlig unbeteiligte Bushido so massiv beleidigt werden muss. Eine Rodeo-Maschine steht bereit, umgeben von feinstem Bauernhof-Matsch. Während Gina-Lisa reitet, muss "der Checker", Thomas Karaoglan, melken. Die frühpubertären Freudenschreie der "Alm"-Redaktion müssen beim Gedanken an diese Konstellation unfassbar laut gewesen sein.

"Checker, stopp!" brüllt Kunze, wenn Gina-Lisa wieder einmal vom Bullen fällt. "ProSieben, stopp!" brüllt der Zuschauer - nicht zum ersten Mal. Doch Erlösung bringt am Ende nur die "Off"-Taste.