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ARD RBB-Moderatorin zum Umgang mit der Schlesinger-Affäre: "Wir waren Nordkorea-esk"

Eva-Maria Lemke vom RBB an einem Pult
RBB-Moderatorin Eva-Maria Lemke. Über die Schlesinger-Affäre berichtet sie erstaunliches aus der Redaktion.
© Imago Images
Seit Wochen kommen immer neue Vorwürfe gegen RBB-Intendantin Patricia Schlesinger ans Licht. Der RBB blieb lange auffällig verhalten. Eine Moderatorin räumt nun auch selbst Fehler ein.

Es ging um Luxus-Autos und Massage-Sitze, Gehaltserhöhungen und Boni. Inzwischen ist klar: Patricia Schlesinger ließ in ihrer Rolle als Intendantin beim RBB ihr Büro für mehrere hunderttausend Euro renovieren, kaufte teure Möbel und kassierte zusätzlich zum Gehalt noch erfolgsabhängige Boni. Am Montag wurde sie vom Rundfunkrat von ihren Aufgaben entbunden – "mit sofortiger Wirkung".

Die Probleme beim RBB sind damit aber nicht erledigt: Während "Business Insider" und "Bild" mit ihren Recherchen Schlesinger und den RBB in Bedrängnis brachten, wurde in den Sendungen des RBB lange Zeit gar nicht darüber berichtet. Die Moderatorin Eva-Maria Lemke erklärt nun im Gespräch mit dem Politik-Journalisten Tilo Jung ("Jung & Naiv"), dass sie das im Nachhinein als Fehler betrachtet.

RBB und Patricia Schlesinger: Statt Kritik gab es in den Sendungen nur Dementi

Konkret sagt Lemke im Gespräch über die Arbeitsweise der Redaktion: "Wir waren so Nordkorea-esk." Kritische Ansätze habe es also nicht gegeben, stattdessen wurde über die Vorwürfe zunächst nur berichtet, dass "es von der Intendantin dementiert wird".

Lemke legt zudem nach: "In der Relotius-Affäre waren wir Ullrich Fichtner und nicht Moreno." Ullrich Fichtner war der Vorgesetzte von Relotius beim "Spiegel" und verzichtete später wegen der Affäre auf den Chefredakteurs-Posten. Juan Moreno hatte als "Spiegel"-Kollege und freier Journalist Relotius' erfundene Reportagen aufgedeckt.

Besonders auffällig: Lemke und ihre ebenfalls anwesende RBB-Kollegin Dagmar Bednarek begründen die fehlenden Recherchen mit Gutgläubigkeit – für Journalisten keine gute Tugend. Lemke sagt zur Frage, warum die Redaktionen die andere Seite nicht angehört hätten: "Im guten Glauben, dass alles seine Richtigkeit haben werde."

Bednarek ergänzt: "Wir sind kritische Journalisten und glauben auch erst einmal nicht alles, was aufgebracht wird." Die kritische Haltung bezog sich in diesem Fall also auf die Recherchen ihrer Kollegen, nicht auf den eigenen Sender. Hausintern habe man denken können: "Ist vielleicht ein bisschen was zusammengewürfelt, ist vielleicht ein bisschen Stimmungsmache dabei."

Quellen:Tilo Jung

tvm

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