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Exklusiv bei Prime Instant Video Hacker-Serie "Mr. Robot": Fight Club für Nerds

Serie Mr. Robot auf Amazon Prime Instant Video
© Universal Pictures Germany
Die Serie "Mr. Robot" wird international gefeiert. Darin geht es um einen depressiven Hacker, der die Gesellschaft ins Chaos stürzen will, um Gutes zu tun. Nun startet der Cyber-Thriller auch in Deutschland.

Wenn Hacker in Hollywood-Filmen in die Tasten hauen, ist das meist nur zum Fremdschämen. Da blinken bunte Pop-ups auf den Monitoren und in Sekundenbruchteilen werden selbst komplexe Sicherheitssysteme überlistet. Das mag spektakulär aussehen, ist aber einfach nur lächerlich. Dass es besser geht, beweist die Serie "Mr. Robot", die ab heute in Deutschland auf Amazons Streaming-Dienst Prime Instant Video läuft.

Das Klischee eines Hackers

Die Hauptfigur ist Elliot Alderson (gespielt von Rami Malek). Auf den ersten Blick ist er die Verkörperung sämtlicher Hacker-Klischees: Er legt keinen Wert auf seine Ernährung, ist abgemagert, blass und paranoid. Tagsüber arbeitet er als Angestellter einer Internetsicherheits-Firma, doch im Grunde verabscheut er das Unternehmen, das er schützt.

Elliot trägt ausschließlich schwarze Kapuzenpullover, mit denen er unerkannt durch die Gassen New Yorks streift. Elliot ist ein Computerfreak, wie er im Buche steht - gestört, aber genial.

Wie jede gute, moderne Serienfigur hat auch Elliot ein dunkles Geheimnis. Er ist hochgradig soziophob und nicht in der Lage, ein längeres Gespräch zu führen. Trotzdem weiß er alles über seine Kollegen, Nachbarn und Vorgesetzten. Denn nachts knackt Elliot ihre E-Mail-Postfächer, Facebook-Accounts und Profile auf Dating-Seiten, ohne dass diese davon etwas bemerken.

"Ich suche nach dem Schlechtesten im Menschen"

Elliot macht das nicht aus Langeweile, nicht zur Machtdemonstration. Er tut es, um die wenigen Menschen, die er mag, vor Enttäuschungen zu bewahren. Als er etwa herausfindet, dass seine Therapeutin Krista auf einen notorischen Fremdgeher reinfällt, nimmt er die Sache selbst in die Hand. Um andere zu beschützen, muss Elliot immer wieder selbst in die menschlichen Abgründe blicken.

Aus diesem Zwiespalt gewinnt die Serie ihren Reiz. Elliot ist nach den Geheimnissen der anderen ebenso süchtig wie nach dem Morphin, dass er nimmt, um seine immer stärker werdenden Depressionen zu betäuben. Stets will er hinter die Fassade blicken, wohlwissend, dass er dort meist nur Schreckliches entdeckt. An einer Stelle der Serie fasst er sein Dilemma zusammen: "Ich bin gut darin, Menschen zu lesen. Mein Geheimnis: Ich suche nach dem Schlechtesten in ihnen."

Wer ist Mr. Robot?

Elliots Leben wird endgültig auf den Kopf gestellt, als er den geheimnisvollen Mr. Robot (gespielt von Hollywood-Veteran Christian Slater) trifft, der eine Untergrundorganisation namens "fsociety" anführt, die an das Hacker-Kollektiv Anonymous erinnert. Mit seiner Revoluzzer-Truppe will er nicht weniger als das globale Finanzsystem in die Knie zwingen.

Doch um den Plan zu verwirklichen, ist Mr. Robot auf die Hilfe von Elliot angewiesen. Er muss die Firma hacken, die er tagsüber beschützt. Der Plan: Elliot soll in die Server des alles kontrollierenden Internetkonzerns E Corp eindringen, wo ein Großteil der weltweiten Privatkredite verwaltet wird. Diese Daten soll er unwiderruflich löschen. "Es wäre alles verschwunden. Der größte Fall von Vermögensumverteilung in der Geschichte", schwärmt Mr. Robot.

Elliot ist hin- und hergerissen: Ist er bereit, seine Freunde zu verraten und die Welt, wie wir sie kennen ins Chaos zu stürzen, um seine Vision einer besseren Gesellschaft zu verwirklichen? Und wer ist dieser Mr. Robot? An dieser Stelle erinnert die Serie mit ihrer antikapitalistischen, konsumkritischen Marschrichtung an "Fight Club", zum Ende hin wird die Serie aber ein wenig wirr.

Serie Mr. Robot auf Amazon Prime Instant Video
© Universal Pictures Germany

Kritik an den großen Internetkonzernen

"Mr. Robot" ist einer der interessantesten Serien-Neustarts der Saison. Statt wie in Hollywood-Filmen am laufenden Band spektakuläre Bilder zu liefern, konzentriert sich die Serie auf die dichte Atmosphäre. Vor allem Rami Malek glänzt in der Rolle des drogensüchtigen, beinahe autistischen Hackers.  Um der mitunter wirren Gedankenweltvon Elliot folgen zu können, bedienen sich die Drehbuchautoren eines cleveren Kniffs: Sie machen den Zuschauer einfach zum imaginären Ansprechpartner im Kopf des jungen Hackers.

Mit der Thematik (komplette Überwachung, Leben in sozialen Netzwerken) trifft der Sender USA Network ins Schwarze. Erfrischend anders ist zudem die Darstellung der Hacker. Hier sind es keine Tastenmagier, die im Alleingang Regierungen zu Fall bringen, sondern normale, wenn auch technisch extrem versierte Menschen. Und noch eine bittere Wahrheit unserer Zeit zeigt "Mr. Robot" schonungslos: Das Problem sitzt meist vor dem Bildschirm.

"Mr. Robot" läuft ab 20. November exklusiv auf Amazon Prime Instant Video. Alternativ gibt es die Serie auch zu kaufen, etwa bei iTunes.


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