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Spenden-Chaos um Ross Antony: RTL hat kein Herz für Tiere

Eigentlich haben Tiere im Fernsehen hohes Kuschelpotential. RTL hat allerdings gerade großen Säuger-Ärger. Schuld ist Dschungelkönig Ross Antony, der eine hohe Spende für Tiere schneller versprach, als er Känguru-Hintern schlucken konnte. Nun stellt sich RTL quer und düpiert gleich drei Tierheime.

Von Jörg Isert

Manchmal kann ein kleiner Buchstabe einen großen Unterschied machen. Ein "s" zum Beispiel. "Animals Hope" ist ein Gnadenhof in Wehrbleck in Norddeutschland. An dem Verein hängt ein weiterer Gnadenhof in Wahmbeck namens Momo, den es seit zwei Jahren gibt. Auf den Höfen kommen Tiere unter, die sonst nirgends mehr eine Bleibe finden. Alte und kranke Pferde, Ziegen, Hängebauchschweine, Katzen. Und verstärkt Kampfhunde, die von Privatpersonen abgegeben werden, weil sie nach Gesetzeslage als "gefährlich" gelten. Ansonsten würden sie eingeschläfert werden. Zusammengefasst: Bei Animals Hope und Momo gibt es rund 200 Tiere mit jeder Menge echter Probleme.

Dennoch, grundsätzlich haben Gnadenhöfe enorm hohes Kitschpotential. Nicht ganz "Knut"-Kaliber, aber sie sind immer noch super. Und so drehte Super RTL vergangenen Herbst drei Tage lang auf dem Hof von Animals Hope. Danach verschwand das Fernsehen wieder aus der Welt der alten und kranken Tiere. Bis zum 3. März dieses Jahres: Da ging auf dem Konto der Gnadenhöfe eine Spende ein, von RTL. In der Betreffzeile, sagt Barbara Bennefeld, Chefin von Momo und Animals Hope, stand nur "Ich bin ein Star: Spende 8.000 Euro". Sie freute sich darüber und investierte das Geld in Tierfutter und Arztrechnungen.

Rückbuchung wegen "s"-Fehler

Vergangene Woche nahm die schöne Geschichte eine böse Wendung. RTL versuchte, die 8.000 Euro zurück zu buchen. Ansonsten: Kein Anruf bei "Animals Hope", nichts. Als die Rückbuchung nicht ging, gab es einen Anruf beim Gnadenhof, RTL wolle die Spende zurück, die Buchung wäre nur wegen eines Fehlers zu Stande gekommen. Der Empfänger sollte ein Gnadenhof in Süddeutschland sein. Noch ein Gnadenhof. Noch mehr kranke und alte Tiere. Aber - der kleine, aber feine Unterschied: ein "s" weniger, Animal Hope.

Spätestens hier wird es recht unübersichtlich. Ross Antony behauptete nach der Show, dass er 30.000 Euro an Animal Hope, den Hof ohne s, spenden werde. Denn: "Da werden ausgesetzte und alte Tiere gepflegt, vom Waschbären bis zum Schwein." Waschbären, Schweine, alt, ausgesetzt - da vergab man dem Dschungelkönig sogar den verspeisten Grashüpfer. Schwerer zu vergeben war, dass zwischen 30.000 Euro und den tatsächlich gespendeten 8.000 Euro ein wesentlicher Unterschied besteht. Ross Antony, stellte sich heraus, hatte den hohen Betrag vorschnell heraus trompetet. Doch die Summe war falsch, dem zahlenden Sender liegen die Tiere um 22.000 Euro weniger am Herzen als dem edlen Spender. Und auch Antony mögen die alten und kranken Tiere noch so lieb sein - nachgezahlt hat der baldige Star einer RTL-Show den Fehlbetrag nicht mehr. Bei Animal Hope gingen am Montag 8.000 Euro und ein paar Zerquetschte ein.

Gnadenhof "zu Unrecht bereichert"?

Damit hat Animal Hope immer noch mehr Glück gehabt als Animals Hope. Dort kam nun Post von RTL: Der Verein habe auf das erlangte Geld keinen Anspruch und sich "insoweit zu Unrecht bereichert. ... Wir haben Sie daher aufzufordern, den Betrag in Höhe von 8.000 Euro bis spätestens 23. April 2008 eingehend unter Angabe des Stichwortes 'Rücküberweisung' auf eines unserer unten genannten Kontos zu überweisen. ... Sollten Sie die vorgenannte gesetzte Frist ungenutzt verstreichen lassen, werden wir unverzüglich externe Anwälte einschalten und gerichtliche Schritte einleiten, deren Kosten Sie zu übernehmen haben. Selbstverständlich behalten wir uns darüber hinaus die Geltendmachung weiterer Ansprüche ausdrücklich vor."

Barbara Bennefeld wehrt sich gegen die Rückzahlung. "Unser Anwalt sagt, da es nicht ersichtlich war, dass es ein Irrtum ist und lediglich 'Spende' vermerkt war, müssten wir das Geld nicht zurück zahlen." Denn im Herbst 2007 hatten die norddeutschen Höfe Anfragen an potentielle Spender rausgeschickt, unter anderem an RTL. Sprich: Die Spende machte Sinn. RTL-Sprecher Frank Rendez betont allerdings, dass bei RTL nie eine Spenden-Anfrage von Animals Hope eingegangen sei. Bennefeld dagegen besteht darauf. "Und wir dachten natürlich, dass die Spende auch mit dem Dreh auf dem Hof zusammen hängt", sagt Bennefeld.

Auslaufender Pachtvertrag bedeutet "aus" für Gnadenhof

Doch Super RTL ist nicht gleich RTL. Noch ein kleiner, großer Unterschied. Bennefeld sagt auch: "Wir hätten ein ganz großes Problem, wenn wir dieses Geld zurück zahlen müssten. Dann würden Animals Hope und Momo pleite gehen, mit 200 Tieren. Die stehen dann alle im Nichts." Ist das nicht übertrieben? "Es ist wirklich so krass, weil wir das Geld nicht einmal in Raten zurück zahlen könnten." Man wagt es schon fast nicht mehr anzumerken: Auch in Illingen, bei Animal Hope, könnten bald achtzig Tiere im Nichts stehen. Da läuft der Pachtvertrag Ende des Jahres aus.

Barbara Bennefeld findet nun: "Hier wird auf dem Rücken von wehrlosen Tiere ein Streit ausgetragen, der fast schon absurd zu nennen ist." Gnade gibt es nur auf Gnadenhöfen, RTL aber ist ein Medienunternehmen. Und so hat man bei dem Sender, der 2007 563 Millionen Euro Gewinn machte, ganz andere Sorgen. Die RTL-Anwältin schreibt an Animals Hope: "Wir möchten Sie darauf hinweisen, dass dieses Schreiben nicht zur Veröffentlichung bestimmt ist und keine Pressemitteilung darstellt. Eine Veröffentlichung auch nur in Auszügen dieses Schreibens würde eigenständige rechtliche Schritte nach sich ziehen." Die ganzen alten und kranken Tiere haben dem Sender nun wirklich genügend Ärger bereitet. Die Show ist vorbei.