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Momente der TV-Geschichte Stefan Raab legt Uwe Hübner Handschellen an – in der ZDF-"Hitparade"

Stefan Raab in der ZDF-Hitparade
Stefan Raab und Uwe Hübner in der ZDF-"Hitparade"
© Screenshot
1994 hatte die TV-Karriere des Stefan Raab gerade erst begonnen, da landete er schon in der ZDF-"Hitparade" - und machte mit einer Unverschämtheit von sich reden.

Stefan Raab? Als ein kaum bekannter 27-jähriger Lulatsch mit Koteletten und dick umrandeter Brille die Bühne in der ZDF-"Hitparade" betrat, wissen viele nicht, wer das ist. Der junge Mann ist eigentlich  Moderator des noch neuen Musiksenders Viva. Für seine seit wenigen Monaten laufenden Sendung "Vivasion" hat er einen Rap-Song über den damaligen Bundestrainer Berti Vogts produziert - und damit einen Überraschungshit gelandet.

Das verschafft ihm eine Einladung in die ehrwürdige "Hitparade". Hier muss der Metzgersohn zwischen altbackenen Schlagerstars wie Wolfgang Petry, Andy Borg und Juliane Werding auftreten. Von Beginn an macht Raab jedoch klar, dass er nicht gewillt ist, sich an die Regeln zu halten: "Montag, Mittwoch, Freitag: meine Sendung bei Viva TV!" - gleich mit seinen ersten Worten wirbt er frech für seine eigene Show auf dem Konkurrenzsender. 

Und es wird noch besser: Am Ende des Songs zertrümmern die Musiker ihre Instrumente - und machen damit auch dem unwissendsten Zuschauer klar, dass die Musik aus der Konserve kommt. Schließlich stürmt Raab auf Gastgeber Uwe Hübner zu, holt Handschellen aus seiner Jacke und kettet den Moderator an sich. Eine derartige Dreistigkeit hat sich in der bis dato 25-jährigen Geschichte der Show bis dahin niemand herausgenommen.

Hübner macht gute Miene zum bösen Spiel, versucht den ständig dazwischen quatschenden Raab mehrfach erfolglos zum Schweigen zu bringen, windet sich wiederholt aus der Umklammerung des jungen Viva-Talents heraus - ohne Erfolg.

Am Ende gibt es dann noch die Höchststrafe für den ZDF-Moderator: Die Zuschauer wählen Raab zum Sieger der Show, der daraufhin seinen Hit erneut zum Besten geben darft - nun von Anfang an ohne Instrumente, die sind ja bereits kaputt.

Eine Respektlosigkeit hat der junge Kölner allerdings noch auf Lager: Als ihm Hübner die immerhin 1200 Mark wertvolle Siegertrophäe überreicht, lässt Raab sie demonstrativ fallen - und erntet dafür Buhrufe vom Studiopublikum.

Am Ende streckt Raab dann aber doch noch die Hand aus in Richtung des "Hitparaden"-Moderators: Auf die in seiner Song-Zeile gestellte Frage "Wer ist eigentlich doch ganz nett?" antwortet er in Abwandlung des Originaltextes: "Uwe Hübner". Der Moderator nimmt das Angebot zur Versöhnung dankend an - am Schluss grölen beide Arm in Arm "Böörti Böörti Vogts". 

Und nun wissen auch die ZDF-Zuschauer, wer dieser Stefan Raab ist.


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