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Steffen Hallaschka übernimmt "Stern TV": Der Nachwuchs-Jauch

Bisher wurde er vor allem in den dritten Programmen der Öffentlich-Rechtlichen versteckt, jetzt ist er erste Wahl bei RTL: Steffen Hallaschka wird Nachfolger von Günther Jauch bei "Stern TV". Steffen wer?

Von Katharina Miklis

Moderator wird man nicht, das passiert einem": Steffen Hallaschka hat sich schon immer dezent im Hintergrund gehalten und auf seinen großen Moment gewartet. Jetzt ist es passiert: Hallaschka hat einen neuen Moderationsjob. Und nicht irgendeinen, er wird der Nachfolger von Günther Jauch bei "Stern TV" (das von der Produktionsfirma i&u produziert wird, dessen Onlineauftritt aber gemeinsam mit stern.de betrieben wird).

Da Jauch für seinen sonntäglichen Polittalk in der ARD nach zwei Jahrzehnten das RTL-Format "Stern TV" aufgeben muss, suchte der Sender in den vergangenen Monaten intensiv nach einem adäquaten Ersatz. Oliver Geißen, Markus Lanz, Nazan Eckes... - reichlich schillernde Namen wurden für die Nachfolge gehandelt. Durchgesetzt hat sich der unbekannteste.

Bereits im Januar 2011 wird Günther Jauch die Moderation des Magazins an das 38-jährige ARD-Gesicht, das Jauch auch in seiner sympathischen Biederkeit ähnelt, übergeben. Jauchs Firma i&u wird die Sendung weiterhin produzieren. Der neue RTL-Mann freut sich über diese große Chance: „Stern TV ist für mich das vielseitigste und reizvollste Magazin im deutschen Fernsehen", so Hallaschka gegenüber stern.de. "Ich freue mich sehr darüber, diesen erfolgreichen TV-Klassiker von Günther Jauch zu übernehmen." Und auch der Quotenmann von RTL ist überzeugt von den Qualitäten seines Nachfolgers: "Ich freue mich, dass Steffen Hallaschka mein Nachfolger bei Stern TV wird", sagt Jauch. "Er ist ein profilierter Moderator mit viel Erfahrung und ein absolut sympathischer Kollege."

Schwulenparade bis Schwangerschaftsvertretung

Doch wer ist der recht unbekannte Mann mit dem netten Bubigesicht? Steffen Hallaschka wuchs in Kassel in einer, wie er selbst sagt, "Pfarrer-und-Lehrer-Dynastie" auf. Sein älterer Bruder ist heute Chefredakteur des Reisemagazins "Merian". Nach dem Studium der Europäischen Ethnologie an der Frankfurter Universität moderierte er unter anderem die "ProSieben MorningShow". Auch beim RBB-Jugendradio Fritz mischte er ein paar Jahre mit. Seit 2002 konzentriert sich der heute 38-Jährige nur noch aufs Fernsehen. Er ist Geschäftsführer der Produktionsfirma "televisionaere" und moderiert seit 2006 das Wirtschaftsmagazin "markt" im NDR sowie seit diesem Jahr auch die ARD-Sendung "Ratgeber Technik". Arte und der RBB schickten den jugendlichen Moderator auch schon mal auf die Loveparade oder die Schwulenparade Christopher Street Day.

Und auch als Lückenbüßer konnte er überzeugen: Sowohl als Schwangerschaftsvertretung von Tita von Hardenberg in "Polylux" (ARD) als auch als unregelmäßige Vertretung für Jörg Pilawa oder Hubertus Meyer-Burckhardt in der "NDR Talkshow". Nicht selten war er dabei unterhaltsamer als die eigentlichen Gesichter der Show. Umso überraschender, als Hallaschka nach dem Rauswurf von Eva Herman nicht der neue Talk-Partner von Bettina Tietjen wurde, sondern zunächst Yared Dibaba und später Eckart von Hirschhausen.

Steffen Hallaschka sieht zwar überaus harmlos aus, ist dafür schlagfertig, seriös, unaufgeregt. Die ARD überreichte ihm deshalb bereits den Civis-Preis und den Kurt-Magnus-Preis. Für die Moderation der vom Publikum verschmähten Politshow "Kanzlerbungalow" (WDR) wurde Hallaschka 2004 auch für den Grimme-Preis nominiert. Den schnappte ihm jedoch "Bernd das Brot" weg.

Spießig auf die sympathische Art

Ausschlaggebend für die Jauch-Nachfolge ist wohl der Zugang Hallaschkas zu Verbraucherthemen, die bei "Stern TV" eine wichtige Rolle spielen. In der NDR-Sendung "markt" geht es ebenso um Etikettenschwindel und Bankenabzocke wie in dem RTL-Dauerbrenner. "Durch seine bisherige Arbeit versteht er es, Verbraucherthemen auf den Punkt zu bringen. Dabei ist er nicht nur sympathisch, sondern vor allem authentisch", weiß RTL-Geschäftsführerin Anke Schäferkordt. Dafür nimmt sie es sogar in Kauf, dass der Neue nicht aus den eigenen Reihen kommt, sondern von der ARD. "Der Vorschlag des Produzenten findet unsere Zustimmung", so Schäferkordt, "Steffen Hallaschka ist auch für RTL erste Wahl."

Für Hallaschka birgt der Schritt in die erste Reihe auch Gefahren. Der Erfolg des Quotenbringers "Stern TV" ging stets - wie auch die Quizshow "Wer wird Millionär?", die Jauch weiterhin bei RTL moderieren wird - mit der Beliebtheit des Moderators einher. Ob auch der recht unbekannte Hallaschka das Jauch-Baby schaukeln kann, muss er erstmal beweisen. Jedoch scheinen die Karten nicht schlecht zu stehen: Hallaschka könnte gar der ideale Jauch-Ersatz sein. Ebenso wie sein Vorgänger versteht er es, sich mit seinen Gesprächspartnern auf eine Ebene zu begeben - überlegen, jedoch nicht überheblich. Er ist ein bisschen spießig, dafür sympathisch. Nicht zu trocken, nicht zu spritzig, ein echter Jauch.

Ob diese Ähnlichkeiten das Publikum über den Verlust des Originals hinwegtrösten können, wird sich im nächsten Jahr zeigen.