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"Tatort"-Kritik: Die geklauten Leichen

Tote als Crashtest-Dummies, Ermittlungen zwischen präparierten Totenschädeln, in Formaldehyd eingelegten Körperteilen und geklauten Leichen - die "Tatort"-Folge "Exitus" mit Kommissar Moritz Eisner ist ein dick aufgetragenes Grusical aus Wiens Pathologie.

Von Kathrin Buchner

Ein Verkehrsunfall mit fünf Leichen, drei davon waren schon vor dem Unfall tot - so skurril die Meldung, so prekär der Hintergrund: Harald Krassnitzer als Kommissar Moritz Eisner hat es in dem Wiener "Tatort" mit Leichen, die aus dem Keller einer Klinik verschwinden, zu tun. Eigentlich hatten die Besitzer der toten Körper, als sie noch im vollen Besitz ihrer geistigen Kräfte waren, ihre sterblichen Überreste zu Forschungszwecken der Wissenschaft vermacht. Doch geldgierige Mediziner und skrupellose Versicherungsvorstände machen Geschäfte mit den freiwilligen Versuchskaninchen und verkaufen sie aus dem Klinik-Kühlhaus an die Industrie - als Crashtest-Dummies für Aufprallunfall-Tests.

Universitäts-Pathologie als Horrorkabinett

Es lebe der Zentralfriedhof und alle seine Toten - des Wieners Neigung zur Morbidität macht sich in den flotten Sprüchen bemerkbar. "Dös Goi is a Sau" (= das Geld macht einen zur Sau), sagt der Hausmeister, der sich bestechen lassen hat. Und der Chef der Universitäts-Pathologie wird von seinen Studenten "Frankenstein" genannt, hat Augenbrauen wie Mephisto oder Mr Spock aus dem Raumschiff Enterprise. Sein Arbeitsbereich ist das reinste Horrorkabinett, er hortet präparierte Fratzen seiner toten Kollegen und in Formaldehyd eingelegte Körperteile. Die Studenten, die als Leichentransporter arbeiten, treiben vor einer Videokamera Späßchen mit den toten Körpern in der Pathologie. Die CD, auf der sie das Treiben festhalten, nennen sie "Exitus".

Makaber und kurzweilig ist er, der "Tatort" aus Wien. Da rollen die Köpfe durch den Leichenkeller, da hetzen Jäger und Gejagter durch Untersuchungsräume. Die konsequente Arbeitsverweigerungshaltung von Kollege Weiler (Heribert Sasse), der kurz vor der Rente steht, erinnert an "Kottan ermittelt"-Slapstick. Eisners stoischer Dackelblick ist die perfekte Ergänzung.

Und es liegt wohl auch an dem Klamauk, Galgenhumor und dem Wiener Schmäh, dass einem dieser todtraurige Krimi mit der eigentlich starken Botschaft nicht so recht unter die Haut gehen will. Nicht mal der Herzschmerz nach der Mini-Romanze Eisners mit der Pathologien, die ermordet wird, kann diesem Krimi eine sentimentale Note geben - dazu gibt es eindeutig zu viele Leichen.