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"Tatort"-Kritik: Mord aus Baby-Habgier

Eine tote Schwangere und ihr verschwundenes Baby: Beim zweiten Fall hat es das neue "Tatort"-Ermittlerteam aus Leipzig mit einem Doppelmord an zwei jungen Frauen zu tun. In der Folge "Ausweglos" wird ein weiteres Rätsel der Vergangenheit des ehemaligen Paares gelüftet.

Von Kathrin Buchner

Ökologisch korrekt und passend zur aktuellen Energiedebatte - Kommissar Andreas Keppler (Martin Wuttke) fährt mit der Straßenbahn und ist schneller am Tatort als seine Kollegin und Ex-Frau, Kommissarin Eva Saalfeld, die mit dem Auto im Stau steht. Auch im weiteren Verlauf der Ermittlungen wird Keppler, der Dickkopf, konsequent öffentliche Verkehrsmittel benutzen und damit ans Ziel kommen - zumindest der Ermittlungen. Wobei der letzte Mord ohne eine rasant-beherzte Fahrt im individuellen Personenkraftwagen nicht vermieden werden hätten können.

All zu viel Spannendes bleibt leider nicht zu berichten über diesen zweiten Fall des neuen Leipziger "Tatort"-Ermittlerteams. In der Folge "Ausweglos" geht es um die Verwirklichung von Träumen und wie Menschen Grenzen überschreiten, um ihre Sehnsüchte wahr werden zu lassen, sei es Geld oder Leben. Und sich damit ins Abseits katapultieren.

Da kommt ein ehrgeiziger junger Schreiner, der sich mit dem Kauf hochmoderner Maschinen verschuldet hat, auf die glorreiche Idee, den Körper seiner Frau für eine Leihmutterschaft zu verkaufen. Sein rationales Kalkül verträgt sich schlecht mit der hormonellen Befindlichkeit einer Frischentbundenen. Und so wird die potentielle Leihmutter, die ihr Neugeborenes behalten will, zum Mordopfer des biologischen Vaters. Hört sich kompliziert an, ist es auch, die Geschichte ist nämlich ziemlich verworren aufgebaut.

Totes Baby zerstörte Beziehung

Ein unerfüllter Kinderwunsch, ein verschwundenes Baby und komplizierte Zweierbeziehungen - der zweite Fall des neuen Leipziger Ermittlerteams Saalfeld und Keppler bleibt im Zwischenmenschlichen. Und enthüllt gleichzeitig ein Stück des Geheimnisses, das dieses Ex-Paar umgibt. Ein Baby hatten die beiden, und der plötzliche Kindstod hat ihre Beziehung zerstört. So erklärt sich die aggressive Ermittlungsweise der Saalfeld, diese resolute Suche nach dem verschwundenen Neugeborenen.

Die Offenlegung des Hintergrunds von Keppler und Saalfeld legitimiert diese "Tatort"-Folge wenigstens einigermaßen. Denn ansonsten ist die Geschichte um Leihmutterschaft und künstliche Befruchtung pathetisch, langatmig und zäh. Diverse Arbeitgeber des Mordopfers, ein skrupelloser Frauenarzt und eine korrupte Hebamme stiften Verwirrung in der Erzählstruktur, die verzweifelt-lethargische Spielweise der Protagonisten trägt wenig zur Spannung bei. Zu dick ist Pathos und Betroffenheit aufgetragen, wenn am Ende auch noch die Möchtegern-Mutter den rechtlichen Vater mit Baseballschläger und Messer attackiert.

Man kann nur hoffen, dass sich das Verhältnis von Keppler und Saalfeld spätestens in der nächsten Folge aus Leipzig normalisiert hat, damit die Geschichten nicht mehr im eigenen Saft der Ermittler köcheln, sondern sich die Drehbuchautoren sämtlicher Zutaten bedienen, die ein saftiger Krimi benötigt - nämlich: Tempo, Witz und Vorwärtsdenken, nicht nur das Kramen in der Vergangenheit.