Die schmale Landstraße nach Reimershagen schlängelt sich durch von Treckern zerfurchte Felder und über unbeschrankte Bahnübergänge. Der kleine Ort im Landkreis Rostock liegt an einem großen See, in dem man im Sommer baden kann. Ganz hinten im Dorf steht ein Einfamilienhaus mit roten Klinkern und schwarzem Dach, hinter dem Zaun ein paar Gartenzwerge und ein kleiner Teich. Hier lebte die damals 29-jährige Gina H., zusammen mit ihrem Sohn, bei ihren Großeltern. Bis zu ihrer Festnahme am 6. November 2025.
Anderthalb Wochen nachdem vermummte Ermittler das Haus durchsucht und seine Enkeltochter mitgenommen hatten, schlurfte der Großvater durch den Vorgarten zu den Mülltonnen. Reden wollte er nicht. „Haben Sie ein Problem?“, rief er. „Lassen Sie mich in Ruhe!“
Was sollte er auch sagen zu einem solch ungeheuerlichen Verdacht?
Dazu, dass seine Enkelin den achtjährigen Fabian getötet haben soll, der bei ihnen ein- und ausging. Den Sohn des Mannes, mit dem sie bis vor Kurzem liiert war. Einen Jungen, der wahrscheinlich glaubte, bei ihr ein zweites Zuhause gefunden zu haben.
Nun, vier Monate später, hat sich dieser Verdacht erhärtet: Die Staatsanwaltschaft Rostock hat Gina H. wegen Mordes angeklagt. Die Ermittler werfen ihr vor, Fabian heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen ermordet zu haben. Mit mindestens sechs Messerstichen in den Oberkörper. Anschließend soll sie den Jungen angezündet haben, um Spuren zu verwischen. Ein mögliches Motiv haben die Ermittler bislang nicht genannt.
Hat die Trennung von Fabians Vater etwas mit der mutmaßlichen Tat zu tun? Sprachnachrichten, die dem stern vorliegen, legen nahe, dass Gina H. darunter litt, von ihm verlassen worden zu sein.