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"Tatort"-Kritik: Tod auf der Rennbahn

Datenklau, Konkurrenzkampf und Eifersuchtsdrama: Der Ludwigshafener "Tatort" spielt am Rhein und auf der Rennbahn, liegt mit moderner Optik auf der Überholspur, aber legt in punkto Spannung zu viele Boxenstopps ein.

Von Kathrin Buchner

Der Ludwigshafener "Tatort" gibt Vollgas: Es geht um schöne Fahrerinnen, die Rivalinnen in der Rennbahn und im Schlafzimmer sind. Es geht um Eifersuchtsdramen in der Boxengasse und von der Konkurrenz geklautes Insiderwissen, das wie der heilige Gral gehütet wird. Es gibt einen hemdsärmeligen Geschäftsmann, der schnelles Geld mit schnellen Autos machen will und sich einen Mini-Schumi züchtet, der noch Flaum auf der Oberlippe hat und ordentlich Testosteron im Bleifuß. "Tod auf dem Rhein" böte Stoff genug, um aus der Pole Position zu starten.

Motoren heulen, Reifen quietschen, die Rennwagen sehen aus wie in einem Videospiel. Der Rhein glitzert geheimnisvoll. Die Bilder des Krimis sind blau-melancholisch eingefärbt wie das Wasser des Flusses, in dem Konrad Hanke (Andreas Patton) ertrunken ist, nachdem ihn der ärgste Rivale seiner früheren Geliebten mit einer Magnumflasche Champagner niedergeschlagen hat. Hanke war Chefingenieur bei einem Rennstall. Als seine Frau, eine Profi-Rennfahrerin, bei einem Trainingsunfall tödlich verunglückte, hatte er sich aus dem Autobusiness zurückgezogen und arbeitete mit Sohn Daniel (Jeremias Koschorz) in der Werft seiner Schwägerin.

Von Möwenbissen entstellte Leiche

Warum Regisseur Patrick Winczewski und Drehbuchautor Horst Freund aus diesen Einzelteilen keine Geschichte zusammenschrauben, die auf der Überholspur bleibt, ist schwer zu verstehen. Ulrike Folkerts als Kommissarin Lena Odenthal ermittelt konzentriert und akribisch wie selten, ohne jegliche Abschweifung ins Private. Die Dialoge sind aufs Wesentliche reduziert, die Schauspieler, allen voran Jeremias Koschorz als verbitterter Vollwaise mit Hang zur Selbstjustiz, zeigen eine mehr als solide Vorstellung. Besonders die Bildsprache ist modern, die Einstellungen sind melancholisch-schön, die Schnitte passen. Und sogar Schockeffekte gibt es zu sehen: Hankes Leiche wurde von den Bissen der Möwen grausig entstellt.

Der mit Technik vollgestopfte Rennstall mit seiner klinisch weißen Laboratmosphäre bildet einen reizvollen Kontrast zur Werft-Werkstatt mit dem Nostalgie-Flair, wo Holz statt High Tech verarbeitet wird. Im Wechsel zwischen Vollgas und Entschleunigung aber bleibt Stillstand übrig. Obwohl ständig Bewegung gezeigt wird, zu Land, zu Wasser, raucht die Spannung ab wie ein Formel-Eins-Wagen mit Motorschaden. "Steh auf, wenn was daneben geht", singen die Toten Hosen am Anfang und am Ende dieser "Tatort"-Folge. Liebe "Tatort"-Macher, das solltet ihr euch für die nächste Folge auch vornehmen.

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