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Wunsch-"Tatort": "Schwanensee" Von Steuersünde bis Liebeswahn - Boerne und Thiel in Höchstform

Der Tatort aus Münster begann dieses Mal mit einem Mord im Therapiezentrum "Schwanensee"
Der Tatort aus Münster begann dieses Mal mit einem Mord im Therapiezentrum "Schwanensee"
© ARD
In der "Tatort"-Folge "Schwanensee" ermitteln Boerne und Thiel in einem Mordfall im Schwimmbad und klären nebenbei noch weitere Verbrechen auf. Zwischen trockenem Humor und Testosteronkämpfen werden die allerdings zum Nebenschauplatz. 
Von Wiebke Wetschera

"Schwanensee" ist der Wunsch-"Tatort" der TV-Zuschauer. In einer Online-Abstimmung der ARD entschied sich die Mehrheit dafür, die Folge aus dem Jahr 2015 noch einmal sehen zu wollen. Unsere TV-Kritik erschien bei der Erstausstrahlung.

Prof. Karl-Friedrich Boerne ist in seinem Wohnzimmer in Urlaubsstimmung. In einen hautengen Taucheranzug gepresst, mit einer Maske ausgestattet und voller Tatendrang, posiert er vor seinem Spiegel. Ach, wie schön ist die Vorfreude auf den Urlaub. Zum Tauchen soll es auf die Malediven gehen. Die Betonung liegt auf soll. Daraus wird nichts. Und der "Tatort", der dann folgt, ist eher Mallorca. Wenn überhaupt.

Anderer Ort, anderer Ermittler: Frank Thiel versprüht beste Laune am Tatort. Mit einem Gesicht wie zehn Tage Regenwetter stolpert er beim Hineintreten über ein Beweisstück. So muss man in den Tag starten. Doch genau diese Art macht den Münsteraner Tatort "Schwanensee" aus. Und auch eine zynische Bemerkung kann Thiel sich gegenüber der Therapeutin nicht verkneifen. "Diese Seelenklempner … . Allen anderen immer ihre Probleme erklären, aber selber… ." Herrlich, Herr Thiel. 

Eine sehr bunte Mischung

Der Fall ist einfach und doch kompliziert: Am Schwimmbadgrund im Therapiezentrum "Schwanensee" wurde eine Leiche gefunden. Die Tote ist Mona Lux. Der Kreis der Verdächtigen ist zwar überschaubar, aber das Geschehen ist unübersichtlich. Mysteriös ist, dass niemand das Opfer kennen will und auch die angegebene Adresse falsch ist. Dann gibt es doch eine Spur: Das Opfer arbeitete bei Gastronom Alberto di Sarto (Robert Guerra) und hatte gleichzeitig eine Affäre mit ihm. Di Sarto ist natürlich nicht irgendwer, sondern einer der größten Steuersünder, den Münster zu bieten hat. Der Fall spaltet sich auf. Gibt es einen Zusammenhang zwischen Mord und Steuerstraftat?

Der Münsteraner Tatort ist vielseitig und öffnet allerlei Fässer. Es geht von Mord über Steuerhinterziehung und Gutachtenfälschung bis hin zum Liebeswahn - und das in nur 90 Minuten. Bei keinem Fußballspiel geht es so hin und her, wie in diesem Tatort. Aber wie Boerne es so schön sagt :"Na und? Nur Tote und Narren ändern ihre Meinung nicht." Und die Meinung über den Mörder und das eigentliche Verbrechen ändert sich ziemlich oft. Mal eben schnell auf Toilette gehen ist nicht. Denn dann könnte es passieren, dass man keinen Anschluss mehr findet.

Genie vs. Steuersünder

Was man sieht, ist ein buntes Kuddelmuddel, bei dem man zwischendurch vergisst, dass zu Beginn der Sendung ja eine Tote im Schwimmbad gefunden wurde. Und ganz nebenbei wird der größte Steuerskandal in Münster aufgeklärt - mithilfe des Autisten Andreas Kullmann (Robert Gwisdek). Es kommt auch heraus, warum niemand Mona Lux kannte. Denn das Opfer heißt eigentlich Esther Borgmann, hat sich einer Schönheits-OP unterzogen und ermittelte in Sachen Steuerhinterziehung Undercover.

Andreas Kullmann hingegen entpuppt sich im Laufe des Falls als wahres Genie. Er zeigte engagiert Einsatz im Kampf gegen die Steuersünder. Und genau aus diesem Grund musste die Intelligenzbestie ruhiggestellt werden - mithilfe von Medikamenten durch den Chef vom Schwanensee, Professor Weimar (Hanns Jörg Krumpholz). Angeordnet von keinem geringeren als dem Finanzamtschef persönlich. Denn der wiederum hatte den Professor in Sachen Steuerhinterziehung in der Hand. Kompliziert.

Geteiltes Leid ist doppelte Freude

Zum Glück wurde aus dem Traumurlaub für Boerne nichts. Denn seine Sprüche gegenüber seiner Kollegin bringen einen auch beim hundertsten Mal noch zum Schmunzeln. Außerdem: Zu einem Duo gehören immer zwei. Und die müssen ihren Testosteron-Krieg fortführen, damit die Folge funktioniert. Und natürlich auch, damit am Ende sowohl Mord als auch Steuerskandal aufgeklärt sind.

Es sind die kleinen Dinge, die diesen "Tatort" unterhaltsam machen. Wie beispielsweise, dass Boerne Thiel anfleht, er solle ihn bitten, seinen Urlaub abzubrechen. Die Eigenarten der Besucher des Therapiezentrums und die Testosteronkämpfe der Kollegen. Der Mord ist eigentlich durchgängig nur ein Nebenschauplatz. Dass am Ende aber heraus kommt, dass Esther Borgmann aus Eifersucht sterben musste, ist etwas zu viel des Guten. Zum Glück kann der Liebeswahn-Mord an Kullmann noch verhindert werden. Und als Erholung darf der dann Boernes Traumurlaub auf den Malediven antreten. So einfach geht das: Gerade fast gestorben und dann schon im Paradies.


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