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TV-Kritik "Tatort": Ein Serienmörder macht noch keinen guten Krimi ...

... auch dann nicht, wenn es der Psychopath auf die Tatort-Kommissarin abgesehen hat. Die dienstälteste Ermittlerin hätte zum Jubiläum einen besseren Krimi verdient: Der 50. Fall für Lena Odenthal in Ludwigshafen ist weder spannend noch gut erzählt.

Von Ulrike Klode

Muss ein Jubiläumskrimi etwas Besonderes sein? Ja, dachten sich offenbar die Macher des 50. Tatorts mit Kommissarin Lena Odenthal. Und damit nahm das Unheil seinen Lauf. Herausgekommen ist mit "Hauch des Todes" ein Krimi, der überladen ist mit Symbolen, eine Bildsprache, die nicht einheitlich ist und eine Handlung, die irgendwie verworren und gleichzeitig zu leicht zu durchschauen ist.

Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) ist bei ihrer morgendlichen Joggingrunde, als sie zu einem Mord gerufen wird. Der Mörder hat sich eine besondere Inszenierung einfallen lassen: Die Leiche einer Frau hängt, in Klarsichtfolie gewickelt, an einem Kran über einem Kohlehaufen mitten im Ludwigshafener Hafen. Und all das nur, um Frau Odenthal herauszufordern, wie die Zuschauer später immer wieder erfahren. "Da hat wohl jemand zu viel ferngesehen, was?" lautet der trockene Kommentar von Kollege Mario Kopper (Andreas Hoppe), als er die Leiche baumeln sieht. Selbstironie? Sehr schnell stellt sich raus: Nein, das ist alles ernst gemeint. Todernst. Hier hatte wirklich jemand den Ehrgeiz, einen Serientäter auf Ludwigshafen und Mannheim loszulassen, der sich eigentlich nur rächen wollte. An seiner strengen Mutter. An wem auch sonst. Und wie es der Zufall so will, sieht Lena Odenthal dieser Mutter sehr ähnlich.

Bilder, die nicht zusammenpassen

In den ersten Minuten sieht man die Kommissarin hin wieder durch den Sucher einer Kamera. Doch anstatt das Bild der Überwachung beizubehalten, taucht diese Perspektive später nie wieder auf. Eine andere Einstellung wird allerdings konsequent durchgezogen: Algen, die sich in grünlichem Wasser bewegen. Achtmal taucht dieses Bild in den 90 Minuten auf, passt aber in seiner Verschwommenheit und seiner Farbgebung so gar nicht zum Rest. Einfach fehl am Platz, als habe hier jemand Filmkunst machen wollen, sich das aber für den Rest des Films nicht getraut. Noch weniger Sinn ergeben Käfer, die immer mal wieder in Großaufnahme zu sehen sind - auch der Schmetterling, der in der Schlusseinstellung aus dem Kokon schlüpft, macht die Insektenmetapher nicht rund.

Schon in den ersten 20 Minuten wird dem Zuschauer klar, dass der ordentlich gekleidete, nett lächelnde Typ, der irgendwie ein bisschen entrückt wirkt, der Täter sein muss (sehr überzeugend gespielt von Lars Eidinger, dem Star der Berliner Schaubühne). Zu dem Zeitpunkt jagen Odenthal und Kopper samt Verstärkung aus Mannheim noch zwei anderen Verdächtigen hinterher. Es gibt Spuren, die scheinbar eindeutig sind, dann aber doch wieder andere Schlüsse zulassen. Dieses Verwirrspiel um DNA-Spuren wird leider so verworren erzählt, dass dem nur schwer zu folgen ist. Und bis zum Schluss wird nicht klar, was es nun mit dem amerikanischen Kratzwurm auf sich hat, der im Ohr eines Opfers gefunden wurde.

Eine Kommissarin ohne Angst

Und Ulrike Folkerts? Spielt routiniert in ihrem 50. Fall. Zu routiniert. Selbst als der Täter in ihre Wohnung eindringt, eine Lampe in Folie einwickelt und ein Foto hinterlässt, ist der braun gebrannten und entspannten Lena Odenthal nicht anzumerken, dass sie Angst hat. Immer wieder wird betont, dass es der Psychopath auf Odenthal abgesehen haben muss - doch Panik erfasst die Kommissarin erst, als sie in Folie gewickelt auf dem Boot des Verrückten in Lebensgefahr ist.

Dieser 50. Odenthal-Krimi zeigt: Ein Jubiläumskrimi muss nicht zwanghaft auf etwas Besonderes getrimmt werden. Eine klar erzählte Geschichte ohne viel Schnickschnack wäre die bessere Wahl gewesen.

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