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Was macht eigentlich ...: ... Horst Lettenmayer?

Der Münchner hat vielleicht Deutschlands bekanntestes Auge - und nebenbei auch die berühmtesten Beine: Seit über 700 Folgen eröffnet der frühere Schauspieler den ARD-"Tatort".

Herr Lettenmayer, was machen Sie in Frankreich?

Ich liebe dieses Land! Ich bin vor 20 Jahren nach Saint-Tropez gekommen, um hier meinen Segelschein zu machen. Später bekam ich Sehnsucht nach dem echten Frankreich und lebe jetzt im Midi, bei Andorra, direkt am Jakobsweg. Immer für zwei Wochen pro Monat. Den Rest der Zeit bin ich daheim in meiner Firma.

Kein schlechtes Leben!

Kann man so sagen. Ich genieße es - und mein Sohn auch. Der ist 27 und kann alle 14 Tage den Laden allein dirigieren. Das tut dem ganz gut, ich bin nämlich ein Einmischervater.

Was ist das für ein Unternehmen?

Wir stellen Designleuchten her, sind weltweit Marktführer für Gemäldeleuchten. Die Queen hat unsere Lampen auf Schloss Balmoral hängen, der Aga Khan hat welche, Valéry Giscard d'Estaing auch. Sogar Saddam Hussein hatte vier Lüster von mir.

Warum wird ein Schauspieler zum Beleuchtungsunternehmer?

Ich habe sieben Jahre lang versucht, Karriere zu machen, dann habe ich mir gesagt: Junge, das brauchste nicht weiter zu probieren. Und schwul wollte ich auch nicht werden. Hätte sicher geholfen.

Dabei waren Sie doch enorm erfolgreich. Wir sagen nur: "Schulmädchenreport" ...

Na herrlich! Endlich erinnert mich mal einer daran. Ich habe übrigens auch den Ameisenoffizier bei der "Biene Maja" synchronisiert …

... und als "Tatort"-Augen schauspielerische Unsterblichkeit erlangt.

In der Tat. Mein ältester Fan ist 74! Eine reizende ältere Dame, die hat mir kürzlich aus Dankbarkeit dafür, dass ich ihr ein Autogramm geschickt habe, ein Katzen-Poesiealbum geschenkt.

Sie sind die einzige Konstante in 39 "Tatort"-Jahren.

Ja, ich bin der erste Schauspieler der Serie. Der Vorspann ist das Markenzeichen. Auch wenn er heute antiquiert wirkt - man wird ihn wohl nicht mehr ändern können. Die Augen sind ein Klassiker, unantastbar.

Trotzdem sind Sie mal - erfolglos - wegen der Verwendung dieses Vorspanns vor Gericht gezogen.

Ich bin eben für Gerechtigkeit. Alle anderen Mitwirkenden - der Komponist, der Interpret - bekommen bei jeder Wiederholung Tantiemen. Nur ich nicht.

Wie kommt's?

Wir hatten damals 400 Mark Gage für einen Drehtag am Flughafen Riem per Handschlag vereinbart. Es sollten Probeaufnahmen gedreht werden. Für den späteren Film hätte ich einen Vertrag bekommen. Bis heute wird aber nur die Probeaufnahme gesendet … Friedrich Nowottny hat mal zugegeben, dass die ARD deswegen ein schlechtes Gewissen hat.

Ehrlich gesagt haben wir nie ganz kapiert, wer da durch das Fadenkreuz guckt. Der fliehende Täter? Das gehetzte Opfer? Das Auge der Gerechtigkeit?

Ich habe das bei den Aufnahmen so interpretiert, dass da jemand gestellt wird. Aus dem Auge spricht Angst, Zweifel. Da wird einem Täter ins Auge gesehen. Es sind ja nicht nur meine Augen, sondern auch meine rennenden Beine im Vorspann. Die Kreise ziehen sich immer enger um einen Fliehenden …

Die "Tatort"-Augen zu haben ist sicher eine ideale Voraussetzung für Partywetten.

Auf jeden Fall! Für Späße aller Art. Wenn mich mal wieder ein Kunde anruft und ganz begeistert erzählt, er habe mich am Sonntagabend im Fernsehen gesehen, dann frage ich immer ganz lässig: Und, wie war ich?

Interview: Christoph Wirtz / print