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Telefongespräch: "Ein bisschen fett und arm" - so lästert der ProSieben-Chef über seine Zuschauer

Skandal um ProSiebenSat1-Chef Thomas Ebeling: In einem Telefonat bezeichnete er seine Kernzielgruppe als "ein bisschen fett und arm". Der Sender dementiert nicht, will die Aussage aber anders verstanden wissen.

Thomas Ebeling

ProSiebenSat1-Chef Thomas Ebeling gerät mit seiner Aussage unter Druck.

Chef bei ProSiebenSat1 zu sein, ist derzeit kein Spaß. Stefan Raab weg, "Circus Halligalli" auch, und Umsatzzahlen und Gewinne sinken. Gerade musste der Dax-Konzern seine Prognosen für das laufende Geschäftsjahr nach unten korrigieren - bereits zum zweiten Mal. Es läuft nicht rund bei der Münchner Sendergruppe, das weiß auch Vorstandschef Thomas Ebeling. In einem Telefonat mit Analysten versuchte er nun einen Teil der Schuld auf die Zuschauer abzuwälzen.

"Es gibt Menschen, ein bisschen fettleibig und ein bisschen arm, die immer noch gerne auf dem Sofa sitzen, sich zurücklehnen und gerne unterhalten werden wollen. Das ist eine Kernzielgruppe, die sich nicht ändert", sagte Ebeling in dem Gespräch, dessen Aufzeichnung dem Mediendienst dwdl.de vorliegt. Wie bitte, der Chef von ProSiebenSat1 bezeichnet seine Zuschauer als "fettleibig" und "arm"?

Sendersprecher hält Zitat aus dem Kontext gerissen

Ein Sprecher der Sendergruppe dementierte die Aussage gegenüber "dwdl.de" nicht, sieht sie aber aus dem Zusammenhang gerissen und durch die Übersetzung des auf Englisch geführten Telefonats womöglich missverstanden. Es habe sich um eine "provokante Frage durch einen französischen Analysten" gehandelt, auf die Ebeling geantwortet habe. "Wenn man die Bemerkung aus dem Kontext zieht und wortwörtlich übersetzt, kann dies womöglich missverstanden werden", sagte der Sprecher. Die Übersetzung spiegele nicht die Tonalität der Aussage wider.

Ebeling wollte mit seinem Zitat den Erfolg von Netflix relativieren und erklären, warum dieser nicht auf sein Geschäft übertragbar sei. "All die Hollywood-Blockbuster gibt es auf unseren Sendern und nicht jeder Netflix-Film ist ein Homerun. Und sehr oft sind deren Inhalte sehr, sehr Arthouse-like", sagte er wörtlich. 

Beschreibung der Zielgruppe nicht hilfreich

Mit der Beschreibung seiner Kernzielgruppe dürfte Ebeling seinen Marken allerdings einen Bärendienst erwiesen haben. Es ist schwer vorstellbar, dass Werbetreibende ihre Produkte bei einem Sender platzieren wollen, deren Zuschauer träge auf der Couch sitzen. Glaubt man dem Senderchef, schauen die jungen und dynamischen Käufer woanders zu.

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