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BR-Dokumentation : Thomas Gottschalk über seine TV-Karriere: "Es gibt keine Gerechtigkeit in diesem Geschäft"

In seiner Porträtserie "Lebenslinien" hat der Bayerische Rundfunk eine Dokumentation über Thomas Gottschalk gezeigt. Darin erzählt der Entertainer, wie er zu dem wurde, der er ist – und was er mit einem Zirkuspferd gemeinsam hat.

Thomas Gottschalk auf der Bühne

Thomas Gottschalk bei der Verleihung des Comedy-Preises 2019: Der Moderator liebt das Rampenlicht 

DPA

Eine Dokumentation über Thomas Gottschalk? "Um Gottes willen, das ist das Letzte, was die Welt von mir braucht." Das war die Reaktion des TV-Moderators, als der BR ihn dafür anfragte, wie Gottschalk selbst in dem Porträt erzählt. Dann aber überwand er sich doch, denn – das wird auch in dieser Doku wieder offensichtlich – Gottschalk liebt es, vor der Kamera zu stehen. Er kommentiert das gerne selbstironisch. 

Der BR begleitet den in wenigen Tagen 70-Jährigen in seine Heimatstadt, das oberfränkische Kulmbach, blättert mit ihm und seinem jüngeren Bruder Christoph in Familienalben und besucht seine alte Schule. Zweimal blieb Gottschalk sitzen, machte mit 21 sein Abitur und ging dann nach München, um Deutsch und Geschichte auf Lehramt zu studieren. Eigentlich hatte er aber etwas anderes vor. 

"Ich wollte zum Radio", erzählt er. "Ich hatte nie vor, berühmt zu werden." Dabei merkte er schnell, dass er nicht nur bei den Zuhörern gut ankam, sondern ihm auch Interviews mit den unterschiedlichsten Menschen leicht fielen. Vom Radio- wurde er schließlich zum Fernsehmoderator. Spätestens als er 1987 "Wetten, dass..?" von Frank Elstner übernahm, begann seine TV-Karriere.

Gottschalk: "Ich habe immer versucht, die Kleinen groß und die Großen klein zu machen"

"Natürlich habe ich mich oft gefragt: Warum mögen mich die Leute? Das ist mein Kapital", sagt Gottschalk. Seinen Erfolg erklärt er sich so: "Ich habe die Leute so genommen, wie sie sind, ohne sie zu verklären, ohne ihnen zu huldigen. Ich habe immer versucht, die Kleinen groß und die Großen klein zu machen." Diese Leichtigkeit, mit Menschen umzugehen, nennt er seine Gabe. "Das habe ich mir nicht erarbeitet. Entweder du hast es, oder du hast es nicht."

Doch mit dem Ruhm kam Jahre später auch das Scheitern. Die Doku zeigt an Beispielen, wie die Medien die schlechter werdenden "Wetten, dass..?"-Quoten ausschlachteten. "Mein Foto in der 'Bunten' war in Briefmarkengröße und drunter stand 'TV-Legende'", sagt Gottschalk, der sich offensichtlich ein anderes Ende für "Wetten, dass..?" gewünscht hätte, die Samstagabend-Show, die er 22 Jahre lang moderierte. "Da sieht man, dass es keine Gerechtigkeit in diesem Geschäft gibt."

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Gottschalk vergleicht sich mit einem Zirkuspferd 

Jahre später arbeiteten sich die Medien auch an seiner niedergebrannten Villa und der Trennung von seiner Frau Thea nach 42 Jahren Ehe ab. "Bist du frisch verliebt und ist die Hütte abgebrannt, reicht das heute schon, um wieder weltberühmt zu werden", kommentiert Gottschalk die Berichte. Er selbst gehöre jetzt nach Baden-Baden, wo seine neue Freundin Karina Mroß wohnt. Geplant habe er das nie, aber so sei es nun mal gekommen.

Und auch wenn er sich nach und nach zurückgezogen hat, erst aus dem Fernsehen, dann aus dem Radio – so ganz aufhören kann und will Gottschalk nicht. Am Schluss der Doku begleitet ihn das BR-Team zu einer Lesung seiner Autobiografie "Herbstblond". Ein Pulk von Frauen drückt sich an die Fensterscheibe des Cafés, in dem die TV-Legende sitzt. "Als wär ich Robbie Williams", sagt Gottschalk amüsiert. Ihm ist anzusehen, dass ihm das gefällt. 

Auch in seiner Lesung ist er, wie immer in der Öffentlichkeit, zu Scherzen aufgelegt. Im Publikum: Gelächter. Gottschalk wirkt gelöst und zufrieden, nimmt Selfies mit jedem Fan auf. "Das ist in meiner DNA drin wie bei einem Zirkuspferd. Wann es zur traurigen Figur wird, das bestimmen die Zuschauer, die eben einfach aufhören zu klatschen." 

Quelle: BR-Dokumentation "Thomas Gottschalk – Der Thommy von nebenan"

ame