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Tod von Rudi Carrell: "Der Rudi war frecher als die anderen"

Frech, mutig, charmant und locker - nicht nur durch seinen holländischen Akzent war Showmaster Rudi Carrell einzigartig. Nach seinem Tod würdigen Fernseh-Intendanten und Weggefährten die Leistungen des Entertainers, auch Bundespräsident Horst Köhler.

Mit seinen Sketchen, Liedern und Moderationen hat Rudi Carrell ein Millionenpublikum begeistert. ZDF-Intendant Markus Schächter bezeichnete ihn als "TV-Urgestein", der Generationen von Showmastern und Entertainern ein Vorbild gewesen sei. "Vor allem aber: Rudi Carrell hat sein Publikum geliebt, und das haben die Menschen gespürt. Sein bewegender letzter öffentlicher Auftritt bei der Verleihung der 'Goldenen Kamera' Anfang dieses Jahres ist unvergessen. Er war einer der ganz Großen unserer Branche", so Schächter.

Schächters Kollegen, der WDR-Intendant Fritz Pleitgen, lobte vor allem die Innovationsfähigkeit von Rudi Carrell. Mit "Rudis Tagesshow" oder "Die verflixte Sieben" habe er Fernsehgeschichte geschrieben. Carrell kam 1965 zum deutschen Fernsehen. Damals gab es noch kein Privatfernsehen, ARD und ZDF bestimmten das TV-Geschäft. Nicht nur seine Live-Samstagabend-Show "Am laufenden Band" wurde von Radio Bremen in der ARD ausgestrahlt. Viele seiner Kandidaten, die er stets persönlich auswählte, erinnern sich noch heute gerne an seine lockere und lustige Art. Er nahm den Laien vor der Kamera ihr Lampenfieber und hielt auch schon mal "Händchen". Zuletzt hatte Carrell die RTL-Comedy-Show "7 Tage - 7 Köpfe" produziert. Die Serie startete 1996. Nach fast 300 Sendungen endete sie am 30. Dezember 2005.

Entertainer-Kollege Frank Elstner sagt, Rudi sei einfach frecher gewesen als die anderen und traut ihm sogar Weitsichtigkeit über den Tod hinaus zu. "Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass er gesagt hat, Kinder, lasst die Leute sich freuen über die Fußball-WM und sagt dann erst etwas", sagte Elstner in Bayern2Radio. Bundespräsident Horst Köhler hat der Witwe von Rudi Carrell ein Kondolenzschreiben geschickt, dass veröffentlicht wurde. Darin schreibt Köhler, er habe "die Fernsehunterahltung in Deutschland geprägt mit seinem Witz, seinem charmanten Akzent, seiner Nähe zum Publikum, aber auch seinem Mut, immer wieder Neues zu wagen".

Drei erwachsene Kinder

Seit 1975 lebte Carrell in dem kleinen Ort Wachendorf bei Syke in der Nähe von Bremen. Dorthin hatte er sich nach dem Bekanntwerden seiner Lungenkrebserkrankung im Frühjahr 2005 zurückgezogen. Verheiratet war er seit 2001 in dritter Ehe mit Simone. Er hat drei erwachsene Kinder, Annemieke, Carolin und Alexander, sowie vier Enkelkinder.

Ein Rentner-Dasein konnte sich Carrell nie vorstellen. Bis zuletzt arbeitete er in seinem Studio, das er sich vor Jahren in seinem Anwesen einbauen ließ. Denen, die ihn dort besuchen durften, zeigte er gern seine Wassermühle auf dem parkähnlichen Gelände und gestattete Einblicke in seine Privatsphäre. Carrell war auch ein Familienmensch, der sich immer freute, wenn seine Kinder und Enkelkinder zu Besuch waren.

Ohne Star-Allüren

Der passionierte Hobby-Golfer musste wegen der Krebserkrankung allerdings zuletzt auf seinen geliebten Sport verzichten. Und auch in seinem Golfclub in Syke sorgte die Nachricht von seinem Tod für einen Schock. Er war dort bei den Mitgliedern beliebt, unter anderem deshalb, "weil er keine Promi-Allüren" hatte, mit jedem spielte und immer einen Scherz parat hatte.

Eine öffentliche Beerdigung hat es nicht gegeben - ganz nach dem Willen von Carrell. "Aus Angst vor den Jacob Sisters", sagte er bereits im März in einem Interview der "Süddeutschen Zeitung". "Mit ihren komischen Pudel zerstören sie doch jede Atmosphäre. Die sind auch bei Moshammer aufgetaucht." Mit seinem Tod hatte Carrell sich zu dem Zeitpunkt bereits abgefunden. "Ich muss dankbar sein. Ich habe so ein tolles Leben gehabt. Ende."

kbu/dpa / DPA