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Turtles, He-Man, Thundercats & Co.: Die Kindheitshelden der 80er legen nach

Thundercats, Turtles, He-Man: Alte Zeichentrickserien neu aufzulegen liegt in den USA schwer im Trend. Die Remakes überraschen mit anspruchsvollen Plots und komplizierten Charakteren. Cowabunga!

Von Jens Wiesner

Alte Helden, neue Kleider: "Thundercats, Ho!"

Alte Helden, neue Kleider: "Thundercats, Ho!"

Die alten Intros der Zeichentrickserien der 80er und 90er sind noch immer großartig: Schmissige Rockmusik, eingängige Lyrics - und der ein oder andere Peitschenhieb von Saber Rider. Aber Hand aufs Herz: Handlungsmäßig sind unsere alten Lieblinge "He-Man", "Thundercats" oder die "Turtles" wirklich nicht der Burner. In praktisch jeder Folge wird dieselbe Geschichte erzählt: Gut kämpft gegen Böse, Gut gewinnt, zum Start der nächsten Episode ist wieder alles beim Alten. Mehrdeutige Charakterzeichnungen, eine fortlaufende Handlung, Grauzonen - all das, was das goldene Zeitalter des US-Fernsehen derzeit ausmacht, war damals noch Lichtjahre entfernt - und den Verantwortlichen auch ziemlich schnuppe. Schließlich ging es 'nur' um Kinder und darum, ihnen möglichst viel Spielzeug anzudrehen.

Dass sich auch anspruchsvolle Geschichten rund um Skeletor, Mumion und Splinter erzählen lassen, beweist ein Trend, der in den USA schon seit einigen Jahren anhält. Die alten Helden von damals kehren als Remake zurück. Natürlich hofft die Spielzeugindustrie auch diesmal, möglichst viel Ware zu verkaufen. Aber das Publikum - auch das jüngere - ist anspruchsvoller geworden. Und so brillieren unsere alten Helden plötzlich in fortlaufenden Geschichten, die vor popkulturellen Anspielungen nur so strotzen, horizontale Erzählweise nicht scheuen und deutlich spannendere Charaktere auf der Helden und Bösewichtseite zu verzeichnen haben als früher.

"He-Man and the Masters of the Universe"

Mit so einem Hit hatten selbst die Macher nicht gerechnet: 1983 premierte "He-Man" im US-Fernsehen - die Geschichte eines legendären Kriegers, der seine Heimat Eternia vor den Horden des bösen Schurken Skeletor verteidigte. 130 Folgen lang kämpften He-Man und sein Erzwidersacher um die Vorherrschaft von Castle Grayskull, beide Seiten unterstützt durch zahlreiche Gefährten, deren Hintergründe doch immer im Dunkeln blieben. Dies änderte sich erst mit der Neuauflage der Serie 2002: Im Endeffekt wird dieselbe Geschichte erzählt - allerdings mit einer stärkeren Kontinuität der Folgen untereinander (vor allem in der zweiten Staffel). Viele Charaktere erhalten hier zum ersten Mal eine Hintergrundgeschichte und Skeletor einen glaubhaften und nachvollziehbaren Grund dafür, He-Man und seine Familie zu hassen.

"Thundercats"

Eigentlich eine wahnsinnig düstere Geschichte: Sechs Thundercats überleben als letzte ihrer Art die Zerstörung ihres Heimatplaneten, lassen sich auf einem weit entfernten Planeten nieder und erleben dort Abenteuer. Obwohl die Serie einer leichten Kontinuität folgte und in späteren Staffeln gleich mehrfach der Status Quo verändert wurde, waren die Abenteuer doch eher für sich abgeschlossen und folgten einem lockeren, positiven Tonfall, um die jungen Zuschauer nicht zu verschrecken.

Ganz anders die Neuauflage, die 2011 - 21 Jahre nach dem Ende der letzten Originalepisode - ausgestrahlt wurde. Die Produzenten Michael Jelenic und Ethan Spaulding behielten die Grundcharaktere bei, veränderten allerdings große Teile ihrer Hintergrundgeschichte und schlugen bewusst einen düsteren Ton an. Bevor die Serie überhaupt in Produktion ging, hatten die Macher mehrere Story-Arcs festgelegt, die sich über jeweils 13 Episoden ziehen sollten und besonderen Wert auf eine glaubhafte Entwicklung der Charaktere legten. Nach 26 Folgen war allerdings Schluss - die Serie, die bislang ihrer Ausstrahlung in Deutschland harrt, wurde nach der ersten Staffel nicht wieder erneuert.

"Scooby Doo"

Eine Gruppe von Freunden um einen Hippie und seinen sprechenden Hund lösen Rätsel um vermeindlich paranormale Phänomene - so lautete die Prämisse der Zeichentrickshow, die die Produktionsfirma Hanna-Barbera 1969 für den US-Sender CBS produzierte. Die Show wurde ein Hit, es folgten zahlreiche Nachfolgesendungen, die allerdings mit jeder Version lächerlicher und kindischer wurden.

Kaum zu glauben, dass ausgerechnet "Scooby Doo" 40 Jahre später eines der schlauesten Remakes der Zeichentrickgeschichte hinlegen sollte. "Mystery Incorporated", die mittlerweile 11. Inkarnation des Franchise, erzählt die Geschichte um Scooby, Shaggy, Velma, Daphne und Fred als fortlaufende Story, die nur so strotzt vor zahlreichen Anspielungen auf die Popgeschichte und trotzdem deutlich realistischer daherkommt als alles, was zuvor kam. Auf der einen Seite unglaublich augenzwinkernd und ironisch, wandelt sie die Klischeefiguren des Originals in echte Charaktere, deren Beziehungen zueinander sich im Laufe der Serie stark verändern, und schreckt selbst davor nicht zurück, lieb gewonnene Charaktere schwer zu verletzen oder gar sterben zu lassen.

"Teenage Mutant Hero Turtles"

"Hey, jetzt komm'n die Hero Turtles, superstarke Hero Turtles, jeder kennt die Hero Turtles, immer auf der Lauer - und immer etwas schlauer." An Pizza-Power und Frank Zander kam Anfang der 90er kein Kinderzimmer vorbei. Leonardo, Raphael, Michelangelo und Donatello wussten nicht nur mit Schwert und Bo umzugehen, sondern hatten stets einen flapsigen Spruch auf den Lippen. Mit den düsteren Originalcomics von Eastman und Laird, in denen das Blut bisweilen fontänenweise spritzte, hatten die vier Schildkröten allerdings nicht mehr viel zu tun.

Ein wenig ernster wurden die Turtles erst wieder 2003. Die neue Serie "Teenage Mutant Ninja Turtles" verzichtete weitgehend auf Slapstick und war deutlich Action-orientierter. Eine wirklich horizontale Erzählweise gab es aber nicht, auch wenn Storys gerne in längeren Mehrteilern erzählt wurden. Nach 157 Folgen fand die Serie in einem großen TV-Film ("Turtles Forever") ihr Ende, in dem die Turtles der 2000er auf ihre Slapstick-Counterparts aus den 80ern und auf ihre düsteren Originalversionen aus den Schwarzweißcomics von Eastman und Laird trafen.