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TV-Kritik "Heiß & Fettig": Wie ein Quickie

Ein Sexmagazin im Fernsehen? Ist das nicht total Neunziger? "Wa(h)re Liebe", "Liebe Sünde", "Peep" - sind diese Formate nicht zurecht vergessen? ZDFneo hat es trotzdem im Hier und Jetzt probiert.

Von Jan Zier

Aber das war doch alles Privatfernsehen! Also gibt es jetzt, neu im Programm, und wohl auch nur für kurze Zeit: "Heiß & Fettig". Im Öffentlich-Rechtlichen! Na ja, fast, es läuft ja bei ZDFneo. Im Spartenfernsehen also, mit Einschaltquoten hart am Rande des messbaren Sektors. Aber immerhin! Eine Spielwiese, auf der sie sich doch noch mal was trauen. "Wie Galileo" sollte es werden, nur eben mit Brüsten, haben sie vorher versprochen. Obwohl: Brüste sieht man dann doch erstaunlich wenig, aber muss ja nicht schlecht sein. Auf platten Voyeurismus haben sie verzichtet. Gut so. Auf echte Erkenntnisse ebenso.

Aber das Setting stimmt – das Studio in der "Goldmarie" ist eine wirklich gelungene und liebenswerte Mischung aus Rotlichtflair, Kneipe und Sofa. Okay, es steht in St. Pauli in Hamburg, soviel Klischee musste dann doch sein, und vielleicht haben sie sich das auch ein klein wenig bei "Inas Nacht" abgeguckt, aber gut ist es trotzdem. Moderieren darf das Ganze ein gewisser Thilo Mischke, ein 32-jähriger Autor, der sonst für Neon oder GQ schreibt und eigentlich kein Fernsehen macht. Man merkt das: Er wirkt ein bisschen wie ein Zuschauer in seiner eigenen Sendung.

Vollgequetschte halbe Stunde

Dass er - Journalist, der er ist - mit Paula Lambert eine Kollegin als – soll man sagen: Talk-Gast? - eingeladen hat, hätte man ihn ja noch verziehen. Vielleicht mindert das ein wenig die Aufregung vorm ersten Mal. Aber leider hat die "Heiß & Fettig"-Redaktion, wohl auf die Gefahr hin, dass sie nur vier Folgen produzieren darf, möglichst viele Themen in ihre ja nur halbstündige Sendung gequetscht. Am Anfang geht es – wie könnte es nach "Shades of Grey" auch anders sein – um SM, und gleich danach dann um Pornos, also: ob Frauen die auch geil finden, und dann noch um schnellen Sex im Internet und Dating-Apps mit Umkreissuche. Damit sind auch fast alle Standardthemen gleich abgehakt. Du musst auch den Konsens abfragen, das wollen die Leute hören, hatten sie ihm vorher gesagt.

Wir erfahren, dass Frau Lambert, die eigentlich Susanne Frömel heißt, und auch für die GQ schreibt, unter anderem, SM "recht anstrengend" findet und besagtes Buch "fürchterlich konservativ". Pornos findet sie "okay", auch wenn sie keine Handlung haben, aber so gevögelt werden möchte sie nicht, weil: "das Nähmaschinenartige" - Sie wissen schon. Auch für die Rolle der Psychologin und Lebensberaterin steht Frau Lambert gerne zur Verfügung. Pornos gucken macht uns "unglücklich" sagt sie dann, aber da, wo es etwas tiefschürfender werden könnte, gar um ernsthafte Themen, Sex in langjährigen Beziehungen etwa, da ist gleich noch weniger Zeit als sonst schon in dieser Sendung, schnell muss eine Überleitung her, der nächste Einspieler wartet schon. Eine Sendung wie ein Quickie also, hektisch und kurzatmig – ja, das kann am Ende auch mal guter Sex sein. Aber eben nur manchmal. Es fehlt die Zeit für das, was wirklich gut ist.

Devote mit Clownsnasen

Locker und entspannt wollten sie sein, gerade bei ZDFneo, aber irgendwie wissen sie in ihren Beiträgen nie so ganz, ob das Thema nun ernstzunehmen ist oder am Ende doch nur was launig-satirisches rauskommen soll. Also malen sie ihren Test-Devoten rote Clownsnasen an, ehe die den geknebelten Putzsklaven spielen und ein paar Schläge einstecken müssen. Ganz ungezwungen, alles ist ganz ungezwungen. Betont unverkrampft, weil man ja weder pädagogisch-aufklärerisch noch offen voyeuristisch sein will. Und Spaß haben! Soviel ist klar. Nur wohin die MacherInnen mit ihrer Sendung wirklich wollen, bleibt erstmal unklar. Aber das kann ja noch werden.