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TV-Kritik "Menschen bei Maischberger": Hetzer, Opfer und ein Moslem namens Jesus

Sind Salafisten diskriminierte Opfer oder geistige Brandstifter? Bei Sandra Maischberger debattierten Michel Friedman, Katholik Matthias Matussek und Imam Sheikh Hassan Dabbagh über Formen des Islam. Statt Aufklärung gab es jedoch verhärtete Fronten.

Von Christoph Forsthoff

"Wenn Sie balla sind, sind Sie balla", "Wollen Sie mich jetzt veralbern?", "Das ist absolut rassistisch!", "Schmierenkomödiant!". Es ging hoch her am gestrigen Abend bei Sandra Maischberger, die verbalen Fetzen flogen, und die Moderatorin hatte immer wieder große Mühe, ihre aufgebrachten Gäste zu beruhigen. "Die Salafisten kommen: Gehört dieser Islam zu Deutschland?" lautete die bewusst provokant formulierte Leitfrage des Abends. Anstatt um Überzeugungsarbeit ging es jedoch vor allem um eins: Wer ist am lautesten?

Mittendrin Sandra Maischberger, die sich immer wieder mühte, die verschiedenen Aspekte des Themas abzuarbeiten - und doch allzu oft an den aufgewühlten Emotionen ihrer Gäste oder aber deren ausweichenden Antworten scheiterte. Allen voran Hassan Dabbagh, dem selbst ernannten "Imam von Sachsen": Vom Verfassungsschutz als "herausragender" Salafist verfassungsfeindlicher Bestrebungen verdächtigt, wich der gebürtige Syrer hier den Fragen, ob er Salafist sei oder das Grundgesetz für ihn über der Scharia stehe, immer wieder aus. Stellte stattdessen sich und seine Glaubensbrüder als diskriminierte Opfer dar, deren Integration in Deutschland blockiert werde und forderte: "Aufhören mit dieser Hetze!".

"Wir sollten aufhören mit diesem Aufrechnen"

Solch eine bizarre Stilisierung musste (und sollte) natürlich ebenso provozieren wie seine Feststellung "Jesus war ein Moslem". Zumal der Imam der Leipziger Al-Rahman Moschee dann auch noch kräftig auskeulte: "Nicht alle Politiker sind Lügner, aber die meisten Lügner sind Politiker", attackierte er Wolfgang Bosbach, als der Vorsitzende des Innenausschusses im Bundestag feststellte, die meisten Terroristen hätten Kontakt zu salafistischen Strömungen gehabt und sich dort radikalisiert. Und der CDU-Innenpolitiker lenkte auch noch einmal die Aufmerksamkeit auf eine Antwort, die in einem der zahlreichen Wort-Tumulte dieses Abends glatt untergegangen war: Als Michel Friedman den Imam nämlich gefragt hatte, ob er den Koran über das Grundgesetz stelle, habe Dabbagh erwidert: "Solange wir in der Minderheit sind, akzeptieren wir eure Rechtsordnung" - eine sehr eigene Rechtsauffassung.

Friedman war es denn auch, der durch seine zwar wenigen, doch sehr gezielten und zugespitzten Einwürfe Dinge auf den Punkt brachte: Angefangen von den bewusst missverständlichen Botschaften mancher Salafisten-Prediger ("geistige Brandstiftung, die junge Leute radikalisiert") über die Herausforderung für Europa und Deutschland, sich mit dem Islam als realen Bestandteil der Gesellschaft auseinanderzusetzen bis hin zur Aufforderung, "wir sollten aufhören mit diesem Aufrechnen". Eben das versuchte der "Spiegel"-Journalist Matthias Matussek nämlich immer wieder, der angesichts der Koran-Verteilung der Salafisten in Deutschland vorschlug, doch mal 15 Millionen Bibeln in Saudi-Arabien zu verteilen oder vorrechnete, dass "pro Jahr 150.000 Christen in islamischen Ländern umgebracht" würden.

Verklärung und der Ahnungslosigkeit

Das provozierte natürlich eine gläubige Muslimin wie Kristiane Backer, die ebenfalls zu Gast war. Dass die Ex-MTV-Moderatorin, die 1995 zum Islam konvertiert war, dann allerdings nicht aufhören konnte, für "unser Vorbild Mohammed" zu schwärmen und ihre Religion (wie natürlich auch ihr eigenes dazugehöriges Buch) anzupreisen, als die einzige, die für Toleranz stehe, war dann doch zu viel der Verklärung und der Ahnungslosigkeit. Wie sieht denn die Realität in muslimischen Ländern wie Saudi-Arabien aus, wie ist es dort um die Situation der Frauen bestellt? Nein, da war Renan Demirkan dann doch schon mehr in der Gegenwart. Die muslimische Schauspielerin stellte fest: "Der politische Islam hat mit dem Glauben des Islam als friedensstiftende Religion nichts zu tun". Es ist und bleibt eben doch ein himmelweiter Unterschied zwischen den verkündeten und den gelebten Glaubens-Botschaften.