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TV-Kritik

"Promi Big Brother": "Viele Köche, viel Brei" - Jürgen fliegt raus

Am Vortag schon nominiert, nun hat es ihn erwischt. Jürgen Trovato musste sein Köfferchen packen. Kleines Highlight vor seinem Abgang: die darbenden Bewohner beim Sprichwort-Spielchen.

Von Ingo Scheel

Für Jürgen Trovato war diesen Sonntag Schluss

Liebes Sat.1, da habt ihr eine Chance verpasst, aber es sind ja noch ein paar Sendungen übrig im Verlauf der zweiten Show-Woche, vielleicht gibt es da die Möglichkeit, doch nochmal nachzulegen. Um was ging es genau: Auf einem Monitor wurde den Zeltis jeweils die vordere Hälfte eines Sprichwortes gezeigt, für die richtige Komplettierung gab es Punkte, für die Punkte wiederum durfte eingekauft werden. Oder so ähnlich. Da standen sie nun also, die abgerockten Adepten mit diesem leeren Blick jener Zeitgenossen, die auf der großen Anzeigetafel das Gate für ihren Abflug suchen, und sollten gemeingebräuchliche Bon-Mots vervollständigen.

Größtenteils ging das durchaus unspektakulär vonstatten, aber Minderleister wie Joey und Tobi sorgten für unbestrittene Highlights: Alles hat ein Ende, alles hat einen Anfang. Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schreck. Hunde, die bellen, bellen. Viele Köche, viel Brei. Reden ist Silber, Ruhe ist Gold. Kalauer-Karaoke vom Feinsten, das Wort "kryptisch" ganz neu mit Bedeutung gefüllt. Leider nur viel zu schnell vorbei, der ganze Spaß. Da dürften Rufe nach einem Director's Cut, nach Outtakes oder schlicht einer Fortsetzung laut werden. In diesem Sinne, werte Redaktion, bitte mehr davon.

Ohne Zlatko fehlt etwas

Dass sich abseits von solchem Partyspielchen-Plaisier noch Verwertbares auftun könnte, damit ist wohl eher nicht zu rechnen, insbesondere nach dem zwar irgendwie verständlichen, aber in punkto Entertainment-Erwartung dennoch suboptimalen Rauswurf von Zlatko, Stichwort: Reden ist Silber, Ruhe ist Gold. Für die neugewonnene Ruhe könnte man die ganze Penny-Filiale leerkaufen. Die Stille nach dem Schluss, man kann sie förmlich mit den Händen greifen. Jürgen Trovato pult sich an der Camping-Krätze im Gesicht, Janine und Tobi halten Händchen, Ginger und Teresia taumeln visagistisch verquollen durchs morgendliche Lager wie versprengte Festivalgäste, drei Tage nach der letzten Band, Lilo popelt und im Studio geben Schropp und Lufen einander kurz Küsschen, um ihre 100. Sendung "Promi Big Brother" zu feiern.

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Eine für die Annalen ist es nicht geworden, auch wenn Zlatko nochmal kurz durchs Bild irrlichterte, mit jener wunderbaren Szene, als ihm der Name von der Dings, der Jacqueline, der Jasmin, nein, der Janina, der Janine, einfach nicht einfallen wollte. Schade eigentlich, dass ausgerechnet der leidenschaftliche Shakespeare-Leser das Spielchen mit den Sprichworten verpasst hat. Vielleicht gibt man ihm da mal eine eigene Sendung? Wer im Glashaus sitzt, sollte sich im Dunkeln anziehen. Aller guten Dinge sind so vier oder fünf. Blinder Eifer sieht nicht viel. Und der April stinkt vom Kopf her. Im Zweifel könnte vielleicht Luke Mockridge miteinsteigen, der hat in nächster Zeit möglicherweise ein paar Weißflächen im Dienstplan.

Chris mit "AA"-Tattoo?

Die übrigen "Höhepunkte" im stimmungsvollen Überblick: Ein Grashüpfer sorgt bei den Campern einige Minuten lang für echte Gefühle. Das Tier selbst zeigt sich vom Ambiente mäßig beeindruckt, bis zu dem Augenblick, da es Chris auf die tätowierten Hände kackt und seine Fakälien schwungvoll wegkickt. Apropos Tattoos. Apropos Stuhlgang. Hat Chris da tatsächlich "AA" hinterm Ohr stehen? Bitte um Aufklärung an die Email-Adresse der Redaktion. 

Der gute Joey weiß später erst nicht, wen er nominieren soll, dann fällt ihm keine Begründung ein, dabei ist das doch, O-Ton Big Brother, "der spannendste Teil der Sendung". Man kann sich ausmalen, wie die Jungs im Tonstudio einander bei derlei fantasievollen Zeilen abklatschen. Bei der Challenge schließlich tunken die Camper das Haupt in eine mit Abwaschwasser gefüllte Schüssel, anschließend in Kaffeebohnen - wer denkt sich sowas aus - die es im Anschluss in eine Schüssel abzuschütteln gilt.

"Tschau", Jürgen Trovato!

Natürlich wurde auch wieder dezimiert. Nachdem Jürgen gegen Zlatko noch das bessere Ende für sich hatte, zog er diesmal - im Rauswurf-Duell gegen Tobi - den Kürzeren. Trovato zeigte sich mäßig beeindruckt, deutete fiebrig ein paar Verschwörungstheorien an, behielt die dann aber doch für sich. Sein Fazit: Alles jut. Alles jut. Alles jut. Tschau. Tschau. In diesem Sinne. Alles hat ein Ende, alles hat einen Anfang. Und Abschied ist ein schweres Schaf. Tschau. Alles jut.

tkr
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