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TV-Kritik

Neue RTL-Show: "Das Sommerhaus der Stars" ist die perfekte Dschungelcamp-Alternative

Ein grandioser Cast, eine liebevoll-böswillige Dramaturgie und ein hohes Tempo: Mit seinem Sommerhaus zeigt RTL der Konkurrenz, wie Promi-Reality-Formate auch ohne Ekelprüfungen bestens funktionieren.

Von Lars Peters

Xenia Prinzessin von Sachsen, Angelina Heger, Angelina Posth, Alexandra Legat, Ilona Magyar, Magdalena Kalley (v. l.)

Schlamm-Armada im "Sommerhaus der Stars": Xenia Prinzessin von Sachsen, Angelina Heger, Angelina Posth, Alexandra Legat, Ilona Magyar, Magdalena Kalley (v. l.)

Am Anfang ist alles so, wie man es von Promi-Shows kennt: Die Paare werden der Reihe nach vorgestellt und beziehen ihr neues Domizil – diesmal ist es eine in die Tage gekommene Villa in Portugal. Und doch ist etwas anders: Es gibt keinen Moderator (dieser tritt erst nach 50 Minuten als Spielleiter in Erscheinung), dafür viele und gekonnt gesetzte Schnitte. In Einspielern stellen sich die Paare selbst vor. Ein Kuss hier, ein herzlicher Seitenhieb da und schon hat man als Zuschauer ein Bild, wer wer in der Beziehung die Hosen anhat. Und wer diese "Promis" überhaupt sind.

Denn so wie beim Dschungelcamp, wo man sich oft fragt, wofür einzelne Bewohner nun überhaupt bekannt sind, geht es auch im "Sommerhaus der Stars" zu. Herrlich selbstironisch dabei Hubert Kah: "Ich möchte B-Promi genannt werden, das ist mir schon wichtig." Und weiter: "Ich hoffe, dass ich es nicht so nötig habe, mich vorzustellen, wie Ilona." Ilona ist seine Partnerin, mit der er seit zwei Jahren zusammen ist.

Das Sommerhaus der Stars: Currywurst-Leute aus L.A.

Auch sonst ist Kah gewohnt unverstellt und trägt sein Herz auf der Zunge. Als Chris und Magey Töpperwien das Haus betreten, fragt Kah Thorsten Legat deutlich vernehmbar: "Kennt Ihr Euch?" Auch die Vorstellung der beiden neuen Mitbewohner "Wir sind die Currywurst-Leute aus L.A." sorgt weniger für Klarheit, als für konsternierte Blicke und längere Sprachlosigkeit. So absurd kann Prominenz sein.

Nicht weniger absurd ist es, wenn die Promis den Mund aufmachen und dabei herrliche Bonmots von sich geben. So philosophiert etwa Ex-Boxer René Weller: "Was uns von den Tieren unterscheidet, ist die Eitelkeit." Und natürlich lässt es sich RTL nicht nehmen, das vielfältig bearbeitete Gesicht seiner Frau Maria in Großaufnahme zu zeigen, während sie darüber sinniert, wie schrecklich es doch ist, wenn sich Frauen durch Schönheits-OPs verunstalten.

Heger und Stark sorgen für Konflikte

Während sich anschließend die Paare Angelina und Alexander Posth (er war Immobilienmakler bei "mieten, kaufen, wohnen") sowie Xenia Prinzessin von Sachsen (Promi wegen Adel) und ihr Partner Rajab Hassan geradezu bürgerlich-bodenständig-sympathisch präsentieren, hat sich RTL das "Beste" für den Schluss aufgehoben: die On-Off-Liebenden Angelina Heger und Rocco Stark. Mit ihrem Einzug ist es mit der Ruhe in der Villa vorbei. Sie sind laut, sie sind verliebt, sie sind faul – und damit prädestiniert für Konflikte jeder Art.

An dieser Stelle zeigt sich der Vorteil der Aufzeichnung der Show: Während bei tagesaktuellen Promi-Formaten auch mal Folgen ohne richtige Highlights dabei sind, werden im Sommerhaus gezielt die interessantesten Vorfälle zusammengeschnitten – wenn’s sein muss auch von mehreren Tagen. Fokussiert, pointiert und mit dem distanziert-ironischen Humor, den das Dschungelcamp seit Jahren auszeichnet.

Welche Sexstellung mag ich am liebsten?

Das gleiche gilt für die Spiele, die optimal gekürzt sind und so keine Langeweile aufkommen lassen. Sie sind im Vergleich zum Dschungel kaum eklig oder für die Teilnehmer körperlich anstrengend. Stattdessen sind sie bisweilen richtig lustig. In einem Spiel müssen die Männer mit einem überdimensionierten 3D-Puzzle das Gesicht ihrer Frau zusammensetzen, während die Partnerinnen ihnen vorgegebene, recht intime Fragen stellen (Maria Weller: "Welche Sexstellung mag ich am liebsten?" René: "Alle." Maria: "Richtig."). Alle Kandidaten, außer dem Currywurst-Verkäufer aus L.A., scheitern an dieser Aufgabe. Als Belohnung dürfen die Wurst-Leute von ihren Mitbewohnern am Abend nicht aus der Villa gewählt werden.

Diese gemeinsame Wahl aller Bewohner entwickelt in der ersten Folge eine unerwartete Dramatik und menschliche Tragik, die nicht nur die Promis im Haus, sondern auch die TV-Zuschauer berührt. Alle Paare benennen einzeln und vor allen anderen das Paar, das ihrer Meinung die Villa verlassen soll. Alle entscheiden sich für Angelina Heger und Rocco Stark.

Der Abstimmungsprozess entwickelt dabei eine solche Wucht, dass nicht nur Tränen fließen, sondern es auch zur Eskalation kommt und Unterstellungen über das Privatleben anderer Paare geäußert werden. Der programmierte Skandal ist ein Fakt. Die grandiose Dramaturgie der Sendung wird an dieser Stelle geradezu beängstigend.

Wie geht es jetzt weiter? Und kann es überhaupt so spektakulär weitergehen wie bei diesem Auftakt, wenn Angelina Heger und Rocco Stark nicht mehr für Unruhe in der Villa sorgen? Nächste Woche wissen wir mehr.