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TV-Kritik

"Sommerhaus der Stars" 2018: "Ich bin studiert. Ich bin nicht blöd" - von wegen!

Das "Sommerhaus der Stars" am Abgrund: Schon am zweiten Tag der Reality-Soap liegen die Nerven blank. Als Patricia Blanco zu tief in die Tetra-Weinpackung schaut, eskaliert die Situation. Es bräuchte dringend einen Helden.

Bert Wollersheim im Sommerhaus der Stars 2018

"Ich bin so wegen der vielen schlechten Erfahrungen": Bert Wollersheim im "Sommerhaus der Stars"

Wo ist die tapfere Brigitte Nielsen, wenn man sie wirklich braucht? Oder der zwar schusselige, aber liebenswerte Marc Terenzi? Selbst Giftspritze Désirée Nick wirkt im Vergleich zu diesen Promis wie eine Mutter Teresa. Das "Sommerhaus der Stars" 2018 ist eine Ansammlung von Menschen auf dem Ego-Trip. "Loyalität? Es gibt keine Loyalität hier. Es ist jeder gegen jeden", bringt es Jens Büchner im Streit mit seiner Frau Daniela auf den Punkt. Er ist der einzige Bewohner, der auf Deeskalation aus ist. Zum Helden dieser Show taugt er trotzdem nicht. Denn "Malle-Jens" hat die Hosen voll.

"Du mischst dich da nicht ein", fährt er seine Frau an, als es zum Streit zwischen Patricia Blanco und Bert Wollersheim kommt. Büchner ist angezählt. Bereits in der ersten Folge setzten ihn die Bewohner auf die Abschussliste. Dass er sich und "Danni" Zurückhaltung verordnet, ist keine menschliche Größe oder gar Mitgefühl, sondern reine Berechnung. Der Mallorca-Auswanderer hat Angst, als erster rauszufliegen.

In Vino-Pack veritas: Patricia Blanco auf Aggrokurs

Ginge es nach den Zuschauern, müsste die Sendung ohnehin aus Ermangelung an Sympathieträgern abgebrochen werden. Selbst die Reality-TV-erprobte Patricia Blanco, die bei "Adam sucht Eva" nicht nur nackte Tatsachen, sondern menschliche Größe zeigte, versagt. Es ist ein Schluck aus der Tetraweinpackung zu viel, der aus ihrem angekratzten Ego eine Furie macht. "Deine Freundin kann mich mal", giftet sie Bert Wollersheim an. "Mir kann man alles ins Gesicht sagen", doch sie hasse hintenrum. Warum sie das dem gescheiterten Bordellbesitzer entgegen schreit und nicht Bobby selbst? Nun, Selbsterkenntnis ist nicht die Stärke dieser Hausbewohner.

Der Blick in menschliche Abgründe hat streckenweise durchaus Unterhaltungswert. Etwa dann, wenn der muskelbepackte und selbstverliebte Julian beim ersten Spiel - es galt, Löcher in eine Holzdecke zu bohren - kläglich versagt. "Ich habe Schulterschmerzen", redet sich der Schönling die Situation schön. Der letzte Platz? Ohnehin nur die Schuld seiner Freundin Stephanie, die sich nicht genug angestrengt habe und sogleich zu weinen beginnt. Ein Schauspiel der Doofen.

Bert Wollersheim demontiert sich selbst

Wenn Frank Fussbroich seine Frau Elke, die offenbar über eine ausgeprägte Rechts-Links-Schwäche verfügt, mit den Worten "Du bist so blöd" beleidigt, ist klar: Diese Sendung wird keinen Grimme-Preis erhalten. Als König der Narren wähnt sich Felix Steiner, der Freund von Micaela Schäfer. "Ich bin nicht blöd, ich bin studiert", schreit er das Busenwunder an. Schäfer reagiert mit einem Lachen und erhält dafür das Summa cum laude als bester Konter des Abends.

Selbst der einzige Bewohner mit Heldengen demontiert sich am Ende selbst. Bert Wollersheim zeigt Gefühle, liegt schluchzend in den Armen seiner Bobby. "Ich bin so wegen der vielen schlechten Erfahrungen", erklärt er sein egozentrisches Verhalten. Doch in ihm siegt nicht der geläuterte Macho, sondern der anstrengende Großkotz. "Ihr könnt mich alle mal", blafft er den anderen entgegen. Niveau? Fehlanzeige.

Kein Held im „Sommerhaus der Stars“ 2018

Beim Zuschauer bleibt das unbefriedigende Gefühl, einem voyeuristischen Spektakel ohne Helden aufgesessen zu sein. Wem gönnt man bei so viel Missgunst unter den Kandidaten den Sieg? Da war selbst der Wendler im Dschungelcamp sympathischer. Schauderhaft.

Sommerhas der Stars