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TV-Kritik zu "DuEiLv": Doofer Name, gelungener Abend

Die Show "Die unwahrscheinlichen Ereignisse im Leben von Frank Elstner" kommt mit vielen guten Einfällen und einer Musicaleinlage daher. Mehr Vertrauen in die Zuschauer wäre trotzdem angebracht.

Von Andrea Zschocher

Sonntagabend, 22.15 Uhr, im WDR soll was Neues auf die deutsche Fernsehunterhaltung zukommen. Einen sperrigen Titel hat das Ganze auf jeden Fall schon mal. Um "die unwahrscheinlichen Ereignisse im Leben von" Frank Elstner wird es gehen. Das Konzept der Show, bei der jedes Mal ein anderer Promi zu Gast ist, soll an "Saturday Night Life" erinnern. Und das tut es auch. Ein Star, Frank Elstner, steht im Mittelpunkt, dazu gibt es jede Menge Gags und am Ende sogar noch eine Musicalnummer.

"Den Titel ändern wir aber"

Der Titel der Sendung ist nervig. "Die unwahrscheinlichen Ereignisse im Leben von" ist sperrig, auch abgekürzt zu "DuEiLv" ist das nicht viel schöner. Selbst der Cast der Show nimmt den Titel immer wieder auf die Schippe. "Den Namen ändern wir aber noch?", wird gefragt, passieren wird das natürlich nicht.

Die Sendung, doofer Name hin oder her, begeistert da schon mehr. Immer ein anderer Promi, neun junge, unbekannte Comedians, eine gute Mischung für viele unverbrauchte Gags. Produziert wird das Ganze von Jan Böhmermann, der für innovative TV- und Radioformate bekannt ist. Er taucht in "DuEiLv" jedoch nicht auf, sondern lässt das Ensemble, bestehend aus Alexander Wipprecht, Samy Challah, Bettina Schwarz, Hendrik von Bültzingslöwen, Laura Schwickerath, Florentin Will, Ryan Wichert, Johanna Dost und Ercan Karacayli spielen.

Weniger ist mehr

Die Gags sind lustig, allerdings hätte der Mut zur Kürzung an manchen Stellen sicher gut getan. Der gelungene Sketch über die Musikerkennungsapp "Shazam" und das zu identifizierende Lied von Lou Bega wird übertrieben verlängert. Ein lustiger Gag dafür gleich dreimal, minimal abgewandelt, wiederholt, ganz so, als solle der Zuschauer mit der Holzhammermethode zum Lachen gezwungen werden. Es wirkt, als hätte das Team um "Die unwahrscheinlichen Ereignisse im Leben von" beschlossen, dass viel auch viel hilft. Da dürfen die Macher ruhig mehr an den Zuschauer glauben. Immerhin wird "DuEiLv" auf dem Sendeplatz der in Sommerpause befindlichen Erfolgsshow "Zimmer frei" gezeigt. Das Publikum kennt sich durchaus auch mit intelligenten, feinen Witze aus.

Frank Elstner, wer ist das noch gleich?

Damit wirklich niemand vergisst, wer der Promi in dieser Ausgabe von "Die unwahrscheinlichen Ereignisse im Leben von" ist, wird dieser immer wieder vorgestellt. "Was viele gar nicht wissen, Frank Elstner ist ja der Erfinder von 'Wetten dass..?'", wird er angekündigt. Die sieben Fakten über den Entertainer sind sehr gelungen: Da wird das Glasauge des Moderators aufs Korn genommen, ebenso wie sein Alter. Elstner sei "der jüngste lebende Moderator der ARD" und "Besitzer von Baden-Baden". Frank Elstner ist ja nur ein Künstlername, die Buchstaben ein Anagram für "Wetten dass..?"

Er ist der perfekte erste Gast für diese Sendung, Elstner nimmt sowohl sich, als auch sein Publikum gern auf die Schippe. "Die Älteren von Ihnen werden mich noch kennen", begrüßt er sie.

Aus dem Leben eines Promis

Die Gags basieren vielfach, da ist der Name tatsächlich Programm, auf Ereignissen aus dem Leben von Frank Elstner. Er moderiert eine neue Version der "Montagsmaler", Berufsschule tritt gegen Hochbegabte an. Es wird mit Klischees gespielt, Elstner entscheidet dann "darauf habe ich keine Lust, das kann der Pilawa moderieren". An anderer Stelle wird der beim "Wetten, dass..?"-Auftritt schwer verletzte Samuel Koch als Sicherheitsexperte für die Show zu einem Stunt, der seiner Wette sehr ähnelt, befragt. Er gibt grünes Licht, es drohen keine Verletzungen. Diese Momente machen die Show sehenswert. Denn "gute Fernsehunterhaltung ist dann am besten, wenn sie ganz frei von der Leber weg kommt", wie Hendrik von Bültzingslöwen in seiner Begrüßung erklärt.

Loblied aufs Fernsehen

Grandios ist das Finale. Frank Elstner möchte ein Loblied auf das deutsche Fernsehen singen, ganz charmant zur Musik eines Rolf-Zuckowski-Ohrwurms. Die neun Comedians machen daraus eine eigene Nummer und bügeln Elstners Kommentare lapidar mit "du bist nicht werberelevant" ab. Während sie das deutsche Fernsehen nur "mittelmäßig" finden, kommt Elstner zu dem Schluss, es sei besser als sein Ruf.

Tom Buhrow und Bettina Böttinger hegen zu Beginn der Sendung die Hoffnung, der "Auferstehung des deutschen Fernsehens" beizuwohnen. Soweit gehen vielleicht nicht alle Zuschauer. Aber ohne Zweifel ist die erste Sendung von "Die unwahrscheinlichen Ereignisse im Leben von" gelungen und macht Lust auf mehr.