TV-Serien Mittwoch ist Weibertag


Echte Serienfans hatten in den vergangenen Monaten nicht viel zu lachen, denn die Quotenhits "Desperate Housewives" und "Grey's Anatomy" hatten Sendepause. Doch die Frauenfänger sind zurück auf dem Bildschirm - und haben eine Verstärkung mitgebracht.
Von Claudia Pientka

Der Winter war lang, hart und einsam. Nein, nicht wegen der Temperaturen, vereister Straßen oder Liebeskummer. Es war das TV-Programm, dass so manche Frauenseele verkümmern ließ. Denn seit ProSieben im November die letzten Folgen der jeweils dritten Staffel von "Desperate Housewives" und "Grey's Anatomy" sendete, fand sich so manche Dame mittwochs verzweifelt vor dem Fernseher wieder. Statt Beziehungsdramen zwischen Küchen- und OP-Tisch musste frau sich mit Blockbustern aus dem Archiv begnügen. Nun ist die Dürreperiode zu Ende: Ab heute tischt ProSieben neue Folgen der Erfolgsserien auf und erweitert den Weiberabend um die neue Serie "Private Practice".

Nun darf endlich weiter gelitten, gelästert und geheiratet werden. Die "Desperate Housewives" verwickeln sich immer weiter in ihre absurd zugespitzten vermeintlichen Alltagsprobleme. War die Serie einst mit dem Anspruch gestartet, realistischer zu sein als "Sex and the City" und tatsächliche Sorgen und Nöte echter Hausfrauen aufzugreifen und zu überhöhen, befinden sich die Charaktere inzwischen in einem Teufelskreis aus Betrug, Erpressung und Mord. In der Vorstadtstraße Wisteria Lane werden Partner getauscht wie im Swingerclub, Mütter abwechselnd von Söhnen und Töchtern erpresst und Nachbarn immer dann gemeuchelt, wenn sie zu neugierig werden. Mit wahrem Leben hat das nicht mehr viel zu tun, unterhaltend ist es allemal.

Die dritte Staffel der "Housewives" endete standesgemäß mit einer Hochzeit. Die promiskuitive Gabrielle (Eva Longoria) hat Bürgermeister Victor (John Slattery) geheiratet und muss noch am Hochzeitstag erfahren, dass er sie nur als Dekoration braucht. Also stürzt sie sich in die Arme ihres Exmannes Carlos (Ricardo Chavira), der eigentlich alle Hände voll damit zu tun hat, seine Kurzzeit-Geliebte Edie (Nicolette Sheridan) vom Suizid abzuhalten. Natürlich fliegt bald alles auf, mit - wie ProSieben verheißungsvoll ankündigt - tödlichen Folgen. Ebenfalls nicht lange geheim bleibt der Schwindel um Brees (Marcia Cross) falschen Babybauch, den sie sich umgeschnallt hat, um die Schwangerschaft ihrer Teenagertochter zu verbergen und das saubere Familienimage aufrecht zu erhalten. Nervensäge Susan (Teri Hatcher) wiederum wird tatsächlich schwanger - hält ihre Hormonschwankungen aber zunächst für die einsetzenden Wechseljahre. So eine Schauspielerin findet man auch nur im US-TV, die Mitte vierzig ist, wie Mitte dreißig aussieht und sich gebärdet wie eine Mittzwanzigjährige mit Furcht vor Wechseljahren.

Lebensnah wird's einzig mit Lynette (Felicity Huffman): Sie ist an Krebs erkrankt, hat dies vor ihren Nachbarn geheim gehalten und versucht nun das Leid ihres Haarverlusts zu verbergen. In der Tat ist Huffmans Charakter der einzige der Serie, der etwas Identifikationsmöglichkeit bietet. Lynette muss hyperaktive Kindern bändigen, einen lahmen Ehemann antreiben und verwelkte Karriereträume verarbeiten. Gabrielle ist geltungssüchtig, Edie sexbesessen, Bree neurotisch, Susan kindisch - und Lynette kämpferisch frustriert wie eben eine echte verzweifelte Hausfrau.

Frühlingsgefühle bei "Grey's Anatomy"

Damit das weibliche Zielpublikum gar nicht erst auf die Idee kommt, das eben Gesehene mit der besten Freundin am Telefon zu verarbeiten, schießt ProSieben im Anschluss eine Folge "Grey's Anatomy" hinterher. Auch hier endete die dritte Staffel mit einer Hochzeit, wenn auch einer verpatzten. Nicht nur die ungleiche Beziehung von Christina (Sandra Oh) und Burke (Isaiah Washington) fand noch vor dem Traualtar ein Ende, auch Meredith (Ellen Pompeo) und McDreamy (Patrick Demsey) erkennen ihre Untauglichkeit im Alltag. Allerdings nur die. Denn im Bett - auch im OP, Arztzimmer und Fahrstuhl - können sie nicht voneinander lassen. Jetzt, wo Meredith sich an Derek abgearbeitet hat, bleibt ihr genug Zeit, sich auf neue gestörte Beziehungen zu konzentrieren. Wie praktisch, dass Merediths Halbschwester Lexie als neue Assistenzärztin im Seattle Grace anfängt.

Während bei Traummann und Träumerin die Luft raus ist, schwingt sich der Charakter von Katherine Heigl in neue Höhen. Das passt zumindest in Deutschland zeitlich gut, wurde die blonde Sirene gerade erst zur neuen Julia Roberts ausgerufen. Ihre Figur Izzi hat George (T.R. Knight) ihre Liebe gestanden, und die wird in der vierten Staffel erwidert. Jetzt müssen die beiden ihre Frühlingsgefühle nur noch Georges knochenbrecherischer Ehefrau Callie (Sara Ramirez) beibringen. Christina bemerkt als Single, dass Burke ihr nun doch fehlt, doch viel Zeit zum Trauern bleibt nicht, denn Burkes beruflicher Ersatz, Dr. Erica Hahn (Brooke Smith), macht Christina das Leben zur Hölle. Es scheint, als bliebe dem post-pubertierenden Ensemble auch in der vierten Staffel ein bisschen Frieden verwehrt, und das ist auch gut so. Denn die Serie lebt von den selbstironischen Dialogen, mit denen die Figuren ihr persönliches Scheitern verarbeiten. Die ätherische Hauptfigur ist ein verkorkster Unglücksrabe, der bei Frust Tequila säuft und mit unpassenden Männern schläft. Ihre beste Freundin ist so karrieregeil, dass sie sich nur auf Männer einlässt, die ihr rangmäßig überlegen sind. Ihr Chef hat zwar das Aussehen eines Models, wirkt aber unter den anderen männlichen Superhirnen wie ein Leichtmatrose im Sturm. Selten wurden Charaktermängel so genüsslich und unterhaltsam ausgebreitet wie in "Grey's Anatomy".

Ableger mit Satans Braut

In den USA ist die Serie mit durchschnittlich 22 Millionen Zuschauern pro Folge ein Hit und hat sogar die Kultserie "CSI" in punkto Quote übertroffen. Kein Wunder also, dass die Produzenten den Erfolg nutzten und ein sogenanntes Spin-off, einen Ableger, ins Leben riefen. Nun hat es "Private Practice" auch auf den deutschen Bildschirm geschafft; neun Folgen zeigt ProSieben zunächst, gleich im Anschluss an die Krankenhausserie. Das therapeutische Geschehen dreht sich diesmal um Addison Montgomery (Kate Walsh), den "Grey's Anatomy"-Zuschauern bekannt als Frau von Dr. McDreamy alias Satans Braut. Der Verlust der sarkastischen Figur für "Grey's Anatomy" ist herb, die Serie um die rothaarige Kate Walsh für die Zuschauer jedoch ein Gewinn. Denn die Irrungen und Wirrungen in der Privatpraxis in Los Angeles sind die konsequente Fortsetzung bisheriger Arztserien von "Schwarzwaldklinik" bis "Emergency Room". Hier leiden bekannte Schauspieler wie Tim Daly ("Prison Break", "The Sopranos") und Amy Brenneman ("Für alle Fälle Amy") unter den Folgen ihrer Scheidung, den Nöten Alleinerziehender oder der Einsamkeit eines Witwers. "Private Practice" stammt ebenso wie "Grey's Anatomy" aus der Feder von Shonda Rhimes, nur dass sich hier ältere Darsteller mit erwachsenen Sorgen in vertraut bissigen Dialogen herumschlagen.

In den USA ist "Private Practice" die erfolgreichste neue Serie in der Kategorie Drama, und auch die deutschen Zuschauer dürften dem schnippischen Charme von Kate Walsh bald erliegen. Insbesondere, weil ProSieben die Sendung taktisch klug im Anschluss an Hausfrauen und Nachwuchsärzte präsentiert. Außer einem Werbespot für Pralinen passt da nicht viel in den heimeligen Weiberabend. Damit dürfte der Mittwoch für die nächsten zehn Wochen in vielen, nicht nur weiblichen, Haushalten blockiert sein.

Programmhinweis: "Desperate Housewives", Grey's Anatomy" und "Private Practice" mit neuen Folgen ab Mittwoch, dem 13. Februar 2008, um jeweils 20.15 Uhr, 21.15 Uhr und 22.15 Uhr auf ProSieben


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