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TV-Tipp 19.10.: "7 Tage… in einer Studentenverbindung": Wie man ein echter Bursche wird

Rechtsextrem, frauenfendlich. So unser Klischee von Studentenverbindungen: Die Doku-Reihe "7 Tage..." zeigt eine andere Welt. Interessant trotz einiger Umsetzungsschwächen. Unser TV-Tipp des Tages.

Nach der Aufnahme von Fuchs Müller feiert das"Corps Lusatia" in der Admissionskneipe.

Nach der Aufnahme von Fuchs Müller feiert das"Corps Lusatia" in der Admissionskneipe.

"7 Tage... in der Studentenverbindung"
15.15 Uhr, NDR
DOKU Allesamt frauenfeindlich und rechtsradikal? Sobald das Wort "Studentenverbindung" fällt, ist die Gesellschaft mit Vorurteilen schnell bei der Hand. Wenn ich an Studentenverbindungen denke, kommen mir noch andere Bilder in den Kopf: Betrunkene, leichtbekleidete Studenten, die nichts anderes im Sinn haben als zu feiern, zum Beispiel. Oder: aufgestylte, reiche Jungs mit bunten Scherpen um den Brustkorb. Die genauso hart feiern. Florian Müller und Ralph Baudach wollten wissen, was nun an all diesen Klischees dran ist. In ihrer Reportage zeigen sie ein Bild, das wenig mit meinen Vorurteilen und besonders denen der Öffentlichkeit zu tun hat.

Rund 1000 Studentenverbindungen gibt es in Deutschland, die u.a. in Burschenschaften, Turnerschaften und Corps gegliedert sind. Für fast alle gilt: Frauen sind nicht zugelassen und auch Fernsehteams werden nicht gerne gesehen. Nach zwei Jahren Recherche haben die Autoren es aber geschafft und eine Verbindung gefunden, die Filmaufnahmen zulässt. Sieben Tage lang soll Florian Müller am eigenen Leib erfahren, was es bedeutet, Mitglied im "Corps Lusatia" zu sein.

Erste Schwächen schon früh sichtbar

Zu Beginn des Films wird Müller in die Verbindung aufgenommen – in einem kleinen, düsteren Kellergewölbe. Statt normaler Straßenkleidung trägt er jetzt Anzug, Krawatte und eine Mütze auf dem Kopf. Und natürlich darf auch das Band um den Oberkörper nicht fehlen, welches die Mitgliedschaft beim "Corps Lusatia" signalisiert. Das erste Klischee ist damit direkt zu Beginn erfüllt.

Fuchs Müller, wie der Autor von nun an angeredet wird, hat wenig Rechte, dafür aber viele Pflichten. Die Zeit als Fuchs gilt als Bewährungsprobe, um als Bursche festes Mitglied der Gemeinschaft zu werden, um Werte wie Tradition, Zusammenhalt und Stärke zu lernen. Die Reportage gibt Einblicke in das gemeinschaftliche Leben einer solchen Studentenverbindung, wie sie bisher nur wenige bekommen haben. Eine erste Regel, die der Autor erfahren muss: Ein Hemd mit Kragen ist Pflicht. Bekannte Marken wie beispielsweise Tommy Hilfiger sind häufig zu sehen. Jogginghosen und Gammelklamotten werden nicht akzeptiert. Zu vielen Anlässen werden aber auch Anzüge getragen. So zum Beispiel beim wöchentlichen Festdinner im Garten der Villa. Trotz einer Temperatur von 25 Grad dinieren die jungen Männer in Hemd und Jackett. Die Füchse, also auch der Autor, sind für die Bedienung zuständig. Sie müssen sich um die Beköstigung der anderen Mitglieder kümmern.

Schärfe auf totem Gegenstand

Neben wöchentlichen Fuchsenstunden, die auf die abschließende Prüfung vorbereiten sollen, wird täglich gefochten. Auf diese Sequenzen legen die beiden Autoren besonderen Wert. So häufig filmen sie die Fechtübungen, dass beim Zuschauer zwischendurch die Frage aufkommt, ob die Mitglieder daneben auch noch studieren.

In diesen Sequenzen fällt eine merkwürdige Kameraführung auf: Unwichtige Objekte und tote Gegenstände werden scharf gestellt, während die Aktion im Hintergrund verschwimmt und nur schemenhaft zu erkennen ist. Hinzu kommen weitere, vermeintliche Fehler in der Kameraführung: Zu dunkle Bilder. Zooms an der falschen Stelle. Eine lang-stehende Totale. Merkwürdige Bildausschnitte. Ralph Baudach, Autor und der Mann hinter der Kamera, erläutert im Gespräch mit dem stern, dass Absicht und keine Unachtsamkeit dahinter stecke. Er habe einen eigenen Bild-Stil, hinter jeder dieser Sequenzen verstecke sich eine Aussage. Zudem habe man nach der Devise "Inhalt geht vor Bild“ gedreht und keine Szenen künstlich nachstellen wollen.

Diese technischen Fehler sind aber verzeihbar: Thematisch bietet "7 Tage in einer Studentenverbindung" einen interessanten Einblick in eine Welt, die uns sonst verschlossen bleibt. Das einzige, was fehlt: Eine Übersicht über einen kompletten Tagesablauf. Es werden leider nur Segmente dargestellt. Einige Fragen bleiben offen. Darunter: Studieren die Verbindungsbrüder eigentlich auch und wie werden sie in der "normalen" Welt behandelt?

Ein TV-Tipp von Maren Christoffer, Praktikantin im Berliner Büro des stern


Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Shooter"
23.05 Uhr, Pro Sieben
ACTIONTHRILLER Der ehemalige Scharfschütze Bob Lee Swagger (Mark Wahlberg) soll ein Attentat auf den US-Präsidenten vereiteln. Das Angebot erweist sich als Komplott: Plötzlich hat er Polizei und Geheimdienst im Nacken… Wuchtiger Thriller mit überraschendem Linksdrall. (bis 1.35)

"Monsters"
0.05 Uhr, NDR

SCI-FI Da lachen sie noch. Kurz darauf irren Sam und Andrew durch eine von Tentakel-Aliens bevölkerte Sperrzone zwischen Mexiko und den USA. Eine sporenverseuchte Sonde brachte das Elend zur Erde... Beeindruckende Fingerübung von „Godzilla“-Regisseur Gareth Edwards. (bis 1.35)

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