HOME

Versammlung vorzeitig aufgelöst: Burschenschaften streiten über rechtsextreme Tendenzen

Warum sollte nur die Linke heillos zerstritten sein? Bei den Burschenschaftern gibt es Streit darüber, wie man mit rechtsextremen Mitgliedern umgehen soll. Eine gemeinsame Versammlung endete vorzeitig mit einem Eklat.

Wegen eines erbitterten Streits über den Umgang mit rechtsextremistischen Tendenzen ist der Burschentag - eine Art Parlament der Studentenverbindungen - vorzeitig im Streit auseinander gegangen. Zuvor gab es in Eisenach erregte Diskussionen über eine mögliche Auflösung des Dachverbandes von mehr als 100 studentischen Verbindungen, der Deutschen Burschenschaft. Die interne Debatte solle nun auf einem außerordentlichen Burschentag im Winter weitergeführt werden, sagte Sprecher Christoph Basedow. "Inhaltlich zeigte sich, dass die seit über 100 Jahren bestehenden Flügel der Deutschen Burschenschaft einer neuen Bewertung ihres Verhältnisses zueinander bedürfen", erklärte der Dachverband am Sonntag auf seiner Internetseite. Eine ursprünglich für Sonntag angesetzte Pressekonferenz wurde ohne Angaben von Gründen abgesagt.

Am Freitag hatten fünf Vorstandsmitglieder der liberalen Strömung aus Protest gegen rechtsextremistische Tendenzen im Verband ihre Ämter niedergelegt. Anlass war die Wiederwahl eines Vorstandsmitglieds, dem Rechtsextremismus vorgeworfen wird. "Damit haben große Teile des liberalen Flügels ein Problem", sagte Burschenschaftssprecher Basedow. Die umstrittene Person soll den von den Nationalsozialisten ermordeten Pfarrer und NS-Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer als "Landesverräter" bezeichnet und dessen Hinrichtung verteidigt haben.

Basedow dementierte Meldungen, wonach es bereits Austritte von Mitgliedsverbänden gab. "Bisher hat noch keine Burschenschaft offiziell ihren Austritt erklärt." Die bereits Ende 2011 gegründete Initiative "Burschenschafter gegen Neonazis" sprach hingegen von bis zu 25 Burschenschaften, die das Treffen in Eisenach und den Dachverband verlassen hätten. Basedow verwies darauf, dass ein Austritt bestimmten Regeln zu folgen habe.

Initiative fordert Auflösung der Deutschen Burschenschaft

Doch nicht nur von innen droht den Burschenschaftlern Ärger: Am Samstagnachmittag haben sich einige hundert Menschen zu einer Protestdemonstration gegen das Treffen getroffen, zu dem das "Bündnis gegen den Burschentag" aufgerufen hatte. Nach Polizeiangaben nahmen 200 Menschen an der Demonstration teil, die Organisatoren sprachen von 400 Teilnehmern. Der Grund für die Demonstration sei nicht hinfällig, sagte Mitorganisator Philipp Schmidt: Die Verbindung zwischen konservativen Burschenschaftern und Rechtsextremismus bleibe ein Problem.

Die Initiative "Burschenschafter gegen Neonazis" hatte bereits am Freitag die Behörden aufgefordert, die Deutsche Burschenschaft wegen Finanzierung von rechtsextremen studentischen Verbindungen aufzulösen.

Die Deutsche Burschenschaft vertritt 10.000 Burschenschafter in mehr als 100 Mitgliedsverbänden. An dem Treffen in Eisenach haben rund 700 Mitglieder studentischer Verbindungen teilgenommen.

jwi/DPA / DPA