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TV-Tipp 17.10.: "Exit Through the Gift Shop": Dies ist kein Film über Banksy...

... oder doch? Wer weiß schon, wo die Realität aufhört und die Fantasie beginnt, wenn der bekannteste Street-Artist der Gegenwart seine Hände im Spiel hat? Unser TV-Tipp des Tages.

Was er sprüht, entfernt niemand mehr von Hauswänden: Street-Artist Banksy

Was er sprüht, entfernt niemand mehr von Hauswänden: Street-Artist Banksy

"Exit Through the Gift Shop"
1.00 Uhr, Arte
DOKU oder vielleicht doch MOCKUMENTARY? Wer ist wer in diesem Spiel der Phantome? Und was ist echt an diesem Film, der uns einen Einblick in das Schaffen des wohl berühmtesten Künsters der Street-Art-Szene verspricht? Mit Sicherheit können wir nur eins sagen: Es macht Spaß dabei zuzusehen, wie der ziemlich durchgeknallte Kamerafreak Thierry Guetta zum Objekt seines eigenen Films wird. Da will der Franzose eine Doku über Streetart und Banksy drehen - und endet selbst als gehypter, millionenschwerer Streetart-Künstler ("Mr. Brainwash"). Und Banksy wird zum Regisseur, der kopfschüttelnd den Erfolgsweg seines eigentlich talentfreien Gehilfen und Freunds nachzeichnet. Denn die Galerien reißen sich trotzdem um Mr. Brainwashs Werke - eben weil sie im Dunstkreis Banksys entstanden sind.

"Exit Through the Gift Shop" ist ein cleverer und zutiefst böser Kommentar auf die kommerzielle Kunstszene, auf Galeristen, die gerne Künstler wären und auf jenen wahnsinnigen Hype, der plötzlich und meist ohne erkennbaren Grund einzelne Künstler in den Himmel erhebt und zu millionenschweren Investitionsgütern auf dem Markt werden lässt.

Im Falle von Street Artists wird diese Diskrepanz besonders sichtbar - auch in meiner Heimat Hamburg. Da bekommt der kürzlich verstorbene Sprayer Oz Gefängnisstrafen aufgebrummt, weil er Smileys an graue Fassaden sprüht - und gleichzeitig wird das Banksy-Stencil "Bomb-Hugger" in der Steinwegpassage mit einer Acrylglasscheibe geschützt.

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor beim stern


Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Das Leben ist nichts für Feiglinge"
20.15 Uhr, Arte
TRAGIKOMÖDIE Erzieherin Babette stranguliert sich versehentlich selbst. Die Angehörigen ringen mit den Folgen: Ihr Mann Markus (Wotan Wilke Möhring) macht krampfhaft auf Normalität, Oma Gerlinde (Christine Schorn) hält mit ihrer Krebsdiagnose jetzt lieber hinter dem Berg. Die pubertierende Tochter (Helen Woigk) zieht sich in ihre Gothic- Welt zurück. Als sie mit dem rebellischen Alex (Frederick Lau) durchbrennt, entfaltet die Suche nach ihr eine erstaunlich heilende Wirkung… Regisseur André Erkau und Drehbuchautor Gernot Griksch gehen der Gefahr nicht auf den Leim: Das schwere Thema ist bittersüß inszeniert und mit Witz gegen alle Runterzieher- Klischees erzählt. (bis 21.45)

"... und dann kam Wanda"
23.45 Uhr, SWR/SR

KOMÖDIE Der aufrechte Bauunternehmer und Witwer Kluss (Hannes Jaenicke), von Schwarzarbeitern gebeutelt, muss jeden Auftrag annehmen. Die polnische Kellnerin Wanda (Karolina Lodyga) springt als Kindermädchen ein… Etwas zu gewollt, gewinnt aber dank guter Figuren. (bis 21.45)

"Wer wird Millionär? 15-jähriges Jubiläum"
20.15 Uhr, RTL,

QUIZ Zum 15-jährigen Jubiläum der Quizshow blickt Günther Jauch auf Show-Highlights zurück. Außerdem gibt es eine neue Spielvariante, die eine Abkürzung zum Millionengewinn bietet - oder das schnellere Ausscheiden.

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Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo