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TV-Tipp 1.6: "Mister Karl": Karlheinz Böhm - Märchenkaiser und Wohltäter

In Äthiopien benannten sie Plätze und Berge nach ihm, in Europa blieb er auf ewig Sissis Märchenkaiser. Die Dokumentation "Mister Karl" blickt zurück auf das Leben von Karlheinz Böhm - unser TV-Tipp.

Eine Dokumentation auf den Spuren von "Mister Karl": "Sissi"-Filmvorführung in Afrika

Eine Dokumentation auf den Spuren von "Mister Karl": "Sissi"-Filmvorführung in Afrika

"Mister Karl"
22.10 Uhr, BR
DOKUMENTATION Warum muss ein Mensch eigentlich erst sterben, bis man sich genauer mit seinem Werk auseinander setzt? Natürlich hatte ich schon von Karlheinz Böhm gehört, bevor die Nachricht seines Todes am Freitag durch den Äther schoss und meine Facebook-Timeline mit zahlreichen "Sissi"-Clips überschwemmt wurde.

Es ist schon seltsam, wie sehr eine einzige Rolle das Außenbild eines Künstlers bestimmen kann. Karlheinz Böhm - dieser Name war für mich untrennbar mit Schmalz und Kitsch verbunden. Erst, als die ersten Nachrufe eintrudelten, merkte ich, wie viel ich verpasst hatte. Ich erfuhr, dass Böhms Karriere 1959 einen heftigen Knick erhalten hatte, weil er in einem genialen, für die damalige Zeit bahnbrechenden Thriller ("Augen der Angst") mitgespielt hatte. Das Publikum belohnte den Mut nicht. Der Märchenprinz aus "Sissi" als mörderischer Voyeur - das war vielen zu drastisch.

Ich las, dass Böhm sich Ende der 70er ganz von seiner Karriere verabschiedet hatte und in Äthiopien ein so berühmter Mann geworden war, dass ganze Berge nach ihm benannt wurden. Nicht, weil "Sissi" dort ebenso frenetisch abgefeiert wurde wie in seiner Heimat, sondern weil er jahrzehntelang gegen die Armut dort kämpfte. Ich musste Karlheinz Böhm neu einsortieren, in eine Reihe mit Bono und Bob Geldorf.

Die Dokumentation "Mister Karl", die der Bayerische Rundfunk heute Abend ins Programm gehoben hat und die bereits 2007 entstanden war, wirft ein besonderes Licht auf diese (zumindest mir) unbekannten Seiten Böhms. Ich bin gespannt - bitte schon jetzt um Vergebung für meine Vorurteile. Karheinz Böhm, du warst ganz offensichtlich so viel mehr als nur ein Märchenkaiser.

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor bei stern.de


Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Terra X"
19.30 Uhr, ZDF

DOKUREIHE Gestatten, der Koboldmaki. Aus der Familie der Primaten. Daumen nicht opponierbar, Kopf in beide Richtungen um 180 Grad drehbar. Ein Fan großer Sprünge. Die Augen größer als das Hirn. YouTube-Berühmtheit, naher Verwandter des Menschen und einer der Stars dieses Dreiteilers. Tierfilmer auf der ganzen Welt beobachten eine Affenwelt, die sich jenseits aller gängigen Vorstellungen bewegt. Viele Arten haben den Wald längst verlassen und sich an extreme Lebensräume angepasst. Beliebtestes Beispiel: die rotgesichtigen Japanmakaken, die sich beim Bad in heißen Quellen von der Kälte erholen. Tolle Aufnahmen, neue Erkenntnisse, witzige Momente. Auch am 8. und 9.6. (bis 20.15)

"Mörderisches Wespennest"
21.50 Uhr, ZDFneo

KRIMIGROTESKE Bauer Schuch hat sich in der Scheune aufgeknüpft. Polizist Mühlfellner (Thomas Thieme) und dessen Bruder (Uwe Bohm) gehen zur Tagesordnung über. Bis ein gewisser Finn Zehender (Hinnerk Schönemann) die ersten blöden Fragen stellt... (bis 23.20)

Themen in diesem Artikel
Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo